Lasse Sobiech: "Wollen deutliche Sprünge machen"

Stolz postete der Zweitligist FC St. Pauli letzte Woche in die Internetwelt hinaus, dass sich Lasse Sobiech für einen vollständigen Wechsel vom Hamburger SV zum Kiezklub entschieden hat. Im Interview erzählt der 24-jährige Schwerter, der nun einen Zweijahresvertrag erhielt, wie er die letzte Saison als Leihspieler bei St. Pauli erlebte.

Schwerte.. Lasse, ohne Dich wäre St. Pauli jetzt Drittligist. Würdest Du da zustimmen?

Nein, natürlich nicht. Sicherlich wäre die Mannschaft auch ohne mich in der Lage gewesen, das zu schaffen.


Immerhin hast Du vier Tore erzielt, drei davon waren siegbringend, zwei fielen erst in der Nachspielzeit. Woher kommt das Faible für die ganz spannenden Momente?

Ich wollte auf gar keinen Fall mit dem Verein absteigen. Es war der Wille, den alle hatten, dass wir die Klasse halten - und der war bis zum letzten Moment, bis zur letzten Minute da. Wenn man dann die Möglichkeit hat, in der letzten Minute durch eine Standardsituation den Sieg alleine einzufahren, kann man sich das ja nicht nehmen lassen.

Zu Deinem Wechsel: War es zuletzt überhaupt eine Option, nach der Leihe zum HSV zurückzukehren?

Ich war mit meinem Berater in Gesprächen mit dem HSV. Er musste ja auch erstmal selbst gucken musste, in welcher Liga er spielt. Im Prinzip gab es dann gar nicht so viel Zeit, sich groß umzugucken, weil die Aussage vom HSV erst relativ spät kam.


Bist Du denn jetzt auch froh, nicht Teil des Chaos beim HSV zu sein?

Es ist für alle Beteiligten immer schwierig, wenn so viele Nebenbaustellen aufgemacht werden und man eigentlich vorhat, Fußball zu spielen. Trotzdem ist es ein toller Verein. In meinem Jahr, das dann relativ schnell rumging, habe ich Leute kennengelernt, mit denen ich auch jetzt noch befreundet bin.


Du hattest auch noch andere Angebote - woher kamen die?

Aus verschiedenen Ligen. Erste Liga, zweite Liga, auch das Ausland war für mich eine Überlegung - da gab's viele Szenarien, die ich mir vorstellen konnte. Es war nicht nur St. Pauli, das aber die richtige Entscheidung.

Dein jetziger Vertrag geht über zwei Jahre. Bist Du damit zufrieden oder kann man das auch als etwas vorsichtige Haltung interpretieren?

Das ist ein Zwischending. Die Einigung kam aus verschiedenen Gründen, ich bin zufrieden, so wie es ist. Am Ende sind für beide Seiten Möglichkeiten da, zu verlängern, falls sie zufrieden sind. Das ist aber auch einfach ein Anreiz, weiter Gas geben zu müssen, weil man jetzt keinen Vier-Jahres-Vertrag hat.


Der Verein und seine Fans schätzen Dich. Zuletzt gab es die Online-Aktion #lassehalten. Hat das die Entscheidung leichter gemacht?

Ja, ich konnte mir hier etwas Kleines aufbauen. Zum einen freuen sich die Leute, dass ich hier bleibe, zum anderen haben sie aber auch eine Erwartungshaltung, die ich erfüllen möchte. Die Wertschätzung ist schön, aber so etwas erarbeitet man sich nicht, wenn man irgendwas Schönes erzählt, sondern durch Leistung. Und dann freut mich das umso mehr, weil die Saison nicht gut war und trotzdem so was kommt.

Wie belastend war der superspannende Abstiegskampf für Dich persönlich?

Das Ziel war vor der Saison ja, dass wir ganz oben mitspielen. Deswegen war es bis zur Rückrunde ernüchternd. Keiner konnte so wirklich glauben, dass wir da in den Abstiegsstrudel kommen. Lange Zeit war es noch relativ entspannt, weil wir dachten: Da kommen wir bald wieder raus. Das kam dann nicht so. Vor allem in den letzten zehn Spielen haben wir die Punkte dann aber auch geholt und kamen trotzdem nicht unten raus. Deswegen war die Erleichterung am Ende, als es um ein, zwei Punkte ging, riesengroß.

Warum läuft es in der nächsten Saison wieder besser?

Mit dem neuen Trainer hatten wir in der Rückrundentabelle mit den unteren Plätzen relativ wenig zu tun (Anm.d.Red. Sechster Platz). Der Trainer hat die Mannschaft gut zusammengehalten, wir haben deutlich weniger Gegentore bekommen. In den schwierigen Monaten ist die Mannschaft zudem zusammengewachsen. Da wollen wir dran anknüpfen. Ich glaube, dass das Konstrukt, was in den letzten Monaten eh schon gut funktioniert hat, nochmal gestärkt werden kann.

Ein fingiertes Szenario: Am 16. Mai 2016 köpft Lasse Sobiech den FC St. Pauli zurück in die Bundesliga. Schlummert im Hinterkopf noch der Traum, einmal mit St. Pauli aufzusteigen?

Ein Traum ist es natürlich, aber wir sind jetzt fast abgestiegen. Jetzt davon zu sprechen, dass wir aufsteigen, ist vermessen. Aber wir wollen deutliche Sprünge nach oben machen.