Ina Wilde quälte sich durchs wilde Schottland

Die sportlich vielleicht härteste Woche von Trial-Europameisterin Ina Wilde hat physische Spuren nach sich gezogen: Muskelkater und Schürfwunden sind Relikte eines ihrer größten Sporterlebnisse - und gleichzeitig schmerzhafte Andenken an den "Scottish Six Days Trial", dem längsten Motortrial-Event der Welt.

Schwerte.. Sechs Tage lang durchquerte Wilde die schottischen Highlands. 30 Sektionen pro Tag, sieben bis neun Stunden auf dem schmalen Motorrad unterwegs, zudem 170 Kilometer reine Fahrt - jeden Tag. Das renommierte schottische Trial-Rennen ist eine XXL-Tortur. Die Wahl-Münsteranerin bereitete sich zwar spezifisch auf die sechs Tage vor, wurde aber schon am ersten Renntag vom Ausmaß der Quälereien überrascht. "Da bin ich schon an meine Grenzen gegangen", gesteht Wilde.

Als sie bei einer Flussüberquerung die Balance verlor, wurde sie kurzerhand von einer Trial-Fahrerin zur provisorischen Not-Schwimmerin, die ihr Motorrad suchte. Nachdem sie ihr Gefährt aus dem Wasser gezogen hatte, musste sie es auf den Kopf stellen, die betroffene Technik aufschrauben, das Wasser ablaufen lassen. Schon nach wenigen Stunden musste Ina Wilde feststellen: Die schottischen Highlands bieten für Schnulzen-Romane vielleicht eine schöne Kulisse, für Trail-Rennen hingegen nicht.

Die Wege zwischen den Sektionen führten die 288 Teilnehmer - darunter die absolute Trial-Weltklasse - über unwegsames Gelände, Steinwege, Felder - und vor allem Moor. Gerade das Moor wurde ihr größter Gegner. Der zweite Wettkampftag, den sie schlicht "Horror-Tag" taufte, wurde zum Trial-Alptraum.

Horror-Tag durchs Moor

"Das war furchtbar", erzählt sie. "Es hat von der ersten Sektion an durchgeregnet. Wenn man ein Matschloch übersehen hat, lag man schon auf der Nase. Ich musste mich durch das Moor quälen." Das fraß ihr die Zeit weg - erst nach neun Stunden kehrten Wilde und ihr deutscher Trial-Partner ermattet ins Basislager in Fort Williams zurück - 60 Minuten über der täglichen Acht-Stunden-Grenze.

Für die Gesamtwertung wurde Wilde so schon am zweiten Tag disqualifiziert. Aber: 284 anderen Teilnehmern erging es genauso. Für diese Fahrer waren nur noch die Einzelergebnisse wichtig. So konnte auch Wilde befreiter fahren. Die nächsten Tage wurden besser. Sie gewöhnte sich sukzessive an die Belastung - physisch wie mental. Auch wenn ihr Kräftestatus immer noch "katastrophal" war, genoss sie das erhabene Naturerlebnis. Am Ende war sie "super erleichtert" und trotz aller Strapazen "froh, dass ich es gemacht habe."

Wilde plant, den Extrem-Wettkampf ein zweites Mal zu wagen. Dann aber besser vorbereitet. Bis dahin sind andere Dinge wichtig: Bald reist sie zu einem einwöchigen Trainingslehrgang nach Frankreich, dann stehen die ersten zwei WM-Läufe in Tschechien an. Spätestens dann sollten sie verheilt sein: die schmerzhaften Relikte des schottischen Abenteuers.

Hier können Sie sich im Video einen Eindruck von den Strapazen der Fahrer auf der zweiten Etappe machen. Mehr Videos und Fotos finden sich auf der Homepage der "Scottish Six Days Trial".