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"Im Schlussbogen war ich geballert"

30.09.2007 | 15:29 Uhr

Hans-Hugo Miebach klatschte erfreut bei der Siegerehrung: Das Zuchtprodukt El Tango hatte das historische Doppel geschafft - und das auf dem Dortmunder Geläuf. Ein Heimsieg für den Rennvereinspräsidenten und ein Triumph für sein Gestüt.

Der Trainer höchstselbst wirkte lange wie der größte Skeptiker in Sachen erster Titelverteidigung im deutschen Galopprennsport. So wechselte die Gesichtsfarbe bei Peter Schiergen auf den letzten Metern des Großen Preises der DSW21 vom wohligen braun bis ins erschreckte weiß, als der haushohe Favorit im St. Leger auf der Geraden in die Zange genommen wurde. Kein Jubelschrei, als El Tango dann doch als Erster die Ziellinie passierte, eher banges Warten, weil der Hengst und seine Konkurrenten auf dem knietiiefen Boden ordentlich ins Wackeln geraten waren. Aber die Überprüfung der Rennleitung brachte das gerechte Ergebnis für den gebürtigen Wittekindshofer. "Es war alles in Ordnung", betonte auch Mario Hofer, der Trainer der knapp bezwungen Stute Scatina aus dem Gestüt Ittlingen, die als große Außenseiterin "eine sensationelle Leistung gezeigt hat." Und um ein Haar den 19:10-Favoriten gestoppt hätte.

"Im Schlussbogen war ich geballert", trompetete Andrasch Starke durch die Jockey-Kabine, beinahe selbst überrascht, das er zur Siegerehrung durfte. Für die Nichteingeweihten fand er dann die erklärenden Worte: "Wir hatten im Schlussbogen Schwierigkeiten, das Tempo mitzugehen", so Deutschlands erfolgreichster Rennreiter. Ein "unheimlich schnelles Rennen" auf morastigem Boden schien dem Fünfjährigen zugesetzt zu haben, "aber er hat riesig gekämpft in einem unheimlich schnellen Rennen", so Starke.

"Eine großartige Aufholjagt", freute sich Dirk Grauert nach dem historischen Doppelsieg des Acatenango-Sohns, der bis zur Zielgeraden sich stets am Ende des achtköpfigen Feldes aufgehalten hatte: "Er hat uns immer positiv überrascht." Als jedoch Wittekinds Gestütsleiter Karl Jörg zum Schnäppchen gratulierte, das erste St. Leger hatte El Tango noch für seine Zuchtstätte gewonnen, intervenierte Grauert: "Der war nicht billig." Aber eben schon ein guter Kauf.

Der Eigentümer des Stalls Mydlinghoven hatte noch Anfang der Woche gegenüber dem Dortmunder Trainer Uwe Stoltefuß seine Bedenken geäußert, dass El Tango nicht den passenden Boden vorfinden könne. Doch der Mann von Ort hatte die Bedenken schon am Freitag zerstreut, "der Boden wird tief."

Beinahe zu tief, denn noch am Samstag wurden auf dem Wambeler Geläuf die Wassermassen abgepumpt, schien die Veranstaltung kurzfristig in Gefahr zu geraten. "Da lautete die Bodenangabe noch 7.0", erläuterte Rennsekretär Karl Schütz.

Dennoch wurde der DSW21-Renntag am Sonntag noch eine gelungene Sache, als sich die Sonne zeigte und den Herbsttag zur angenehmen wie unterhaltsamen Angelegenheit auf der Rennbahn machte.

Sauer feiert Sieg mit All my Life

Grund zum Strahlen hatte diesmal auch Norbert Sauer nach dem Start-Ziel-Sieg seines dreijährigen Wallachs All my Life, immerhin Bruder des Gruppe-Siegers All Spirit, und wie seine Geschwister ein Liebhaber von tiefem Geläuf. "Seit seiner Kastration läuft er riesig, vier Mal war er Zweiter, jetzt hat er gewonnen, aber ich war froh, als das Ziel da war", freute sich der Dortmunder Trainer.

Von Rene? Schröder

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