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„Im Neuaufbau liegt eine Chance“

23.07.2010 | 20:03 Uhr
„Im Neuaufbau liegt eine Chance“
Ein Eis gegen die Hitze: Julia Kunze, Dagmara Kowalska mit Tochter Dominika (rechts) und Magdalena Chemicz. Foto: Bodo Goeke

Die einen sagen, es sei schön warm. Die anderen leiden unter der Hitze. Doch Gustl Wilke kennt kein Erbarmen. Da wird aus dem „netten Kerl“ ein „harter Hund“. Schon seines Amtes wegen. Der Auftrag des Trainers lautet, die Handballerinnen des BVB auf Kurs zu bringen, Kondition zu bimsen und seine Spielerinnen für die Saison fit zu machen.

Schweißtreibende Arbeit schon bei 15 oder 25 Grad. Bei 35 ist es die Hölle. „Die Konkurrenz in der Südgruppe ist stark, stärker als die im Norden“, glaubt Wilke, „und enge Spiele werden in der Regel von dem gewonnen, der die bessere Physis besitzt.“

In sechs Wochen geht’s los mit dem Pokalspiel beim Zweitligisten TuS Weibern, eine Woche später startet die Meisterschaft mit der Partie in Metzingen. Ziel der Borussinnen ist die Play-Off-Runde um den Aufstieg (Platz eins bis vier). Darf’s auch ein bisschen mehr sein? Natürlich. „Für uns ist der Abstieg - so traurig er war - auch eine Chance. Die Chance, ein neues Fundament zu legen, mit einer Mischung aus jung und alt einen Neuaufbau zu starten, um nicht zu einer Fahrstuhlmannschaft zu werden“, sagt Dagmara Kowalska, die nach Anlaufschwierigkeiten eine überragende Saison gespielt hat und ein Stützpfeiler des neuen Systems ist. „Wir wollen und müssen perspektivisch arbeiten“, ergänzt die neue Mannschaftsführerin Julia Kunze, „wir haben immerhin eine B-Jugend, die vor ein paar Wochen deutscher Vizemeister geworden ist.“ Die eigene Jugend zu fördern sei ihr ein großes Bedürfnis, schließlich kommt sie selbst aus dem BVB-Nachwuchs.

Auch Gustl Wilke betont den Reiz, mit den jungen Spielerinnen zu arbeiten, auch wenn er sich von ihnen und ihrem Anhang mehr Geduld wünscht. Denn der Anlauf und Sprung in die erste Mannschaft müssen nicht, aber können Jahre dauern. Wilke: „Für einen Trainer ist es eine wunderschöne Sache, Talente zu entwickeln. Endlich haben wir mit den Jugendlichen 16 bis 18 Leute beim Training. Die jüngeren können sich im Schatten der Routiniers in Ruhe und ohne Druck entfalten.“

Neben Dagmara Kowalska, Zuzana Porvaznikova, Natasa Kocevska und Julia Kunze verfügt der BVB nun über eine weitere Spielerin mit einer Erfahrung, die sich noch als großer Vorteil herausstellen kann. Torfrau Magdalena Chemicz (36), die zuletzt in Sindelfingen unter Vertrag stand, hat 160 Länderspiele für Polen absolviert hat und in den zehn Jahren bei Montex Lublin in der Champions League gespielt und den EHF-Cup gewonnen. Chemicz und Kowalska können demnächst mit ihren Landsleuten Jakub Blaszczykowski, Robert Lewandowski und Lukasz Piszczek eine polnische Volkstanzgruppe aufmachen.

Kowalska (105 A für Polen), die fünf Jahre mit der Torfrau in Lublin zusammenspielte, stellt ihr ein glänzendes Zeugnis aus: „Sie gibt glänzende Pässe, hat ein gutes Stellungsspiel, ein ebenso gutes Auge und jede Menge Routine.“ Die Antwort kommt prompt. „Manchmal kann eine Torfrau der Mannschaft helfen, manchmal muss es aber auch umgekehrt sein“, fordert Chemicz. Sie wird ein Gespann mit Helen Trodler bilden, von der ihr Trainer sagt, dass sie „einen eisernen Willen besitzt. Beide kommunizieren hervorragend mitein-ander. Magda und Helen - das passt.“

So schockierend der Abstieg zunächst auch war, er ist auch eine Chance. Julia Kunze, die in kürzester Zeit höchste Wertschätzung beim BVB erfuhr, schaut nicht mehr zurück, sondern nur nach vorn: „Ich glaube, wir sind auf einem guten Weg.“

Christian Menn

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