Hombrucher verlieren die Übersicht
05.02.2012 | 20:37 Uhr 2012-02-05T20:37:00+0100
Borussia Höchsten (50:38 gegen Dorstfeld) und der OSC (26:24 in Eiserfeld) haben ihre Positionen im Spitzenfeld der Handball-Verbandsliga behauptet. Westfalia Hombruch macht beim 25:30 gegen Ferndorf II Rückschritte.
Aus den Reihen der Hombrucher Zuschauer kam, als die Partie verloren war, noch ein origineller Vorschlag. Die Gäste aus Ferndorf bildeten gerade den obligatorischen Kreis und bejubelten ihren Sieg, „nehmt doch die Schiedsrichter noch in eure Mitte“, schlugen sie aus der Hombrucher Ecke vor. Die Hausherren hatten also ihre Schuldigen nach dem 25:30 (12:14) gegen die Drittligareserve des TuS Ferndorf schnell ausgemacht. In der ersten Erregung vielleicht nachvollziehbar, beim zweiten Blick wohl doch etwas übertrieben. Verloren hatten die Hombrucher dieses Spiel ganz allein.
Trainer Kai Ruben machte Probleme in der Einstellung bei seiner Mannschaft aus. „Wir haben uns viel zu früh hängen lassen“, ärgerte er sich. Mitte der zweiten Hälfte hatte sich Ferndorf II deutlicher abgesetzt, 20:15 führten die Siegerländer nach 41 Minuten, 23:18 eine Viertelstunde vor Schluss. „Wir haben uns schlecht verkauft“, so Ruben. Das hatte er auch schon eine Woche zuvor gesagt, gegen den ATV Dorstfeld. Kleiner Unterschied diesmal: Seinerzeit hatten die Hombrucher, wenn auch glücklich, noch zwei Punkte eingefahren.
Der größte Unterschied zwischen beiden Teams machte der Rückraum aus. Die Ferndorfer konnten sich darauf verlassen, dass sie die einfachen Tore machen können. Auf beiden Halbpositionen hatten sie große, sprungstarke Spieler. Die Hombrucher hingegen versuchten viele Situationen spielerisch zu lösen. Was in der Anfangsphase noch ganz gut klappte, insbesondere das Spiel mit Tillmann Hobrock am Kreis. Hobrock sah nach 38 Minuten bei einer Abwehraktion die Rote Karte, eine umstrittene Aktion, zweifellos aber eine Schwächung des Hombrucher Spiels.
Doch mit zunehmender Spielzeit stellten sich die Gäste besser auf die Hombrucher Aktionen ein, der Westfalia ging zudem die Präzision verloren. Mal kam ein Pass ungenau an, mal ein Anspiel nicht in den Lauf. Das Spiel der Hausherren zerfiel in immer mehr Einzelaktionen, darin rieben sie sich auf.
So endete ein Abend, der eigentlich beste Voraussetzungen hatte, ein besonderer zu werden, enttäuschend. Bei den Hombruchern feierte Torben Sasse nach überstandenem Kreuzbandriss seine Saisonpremiere. Und die krönte er mit einem Tor, in Unterzahl zum 7:8 (17.). Zu diesem Zeitpunkt sah die Hombrucher Welt noch deutlich besser aus..
„Ein erfreulich großer Schritt“
„Das war ein Schritt in die richtige Richtung“, freute sich OSC-Trainer nach dem 26:24 (16:15)-Sieg seiner Mannschaft beim RSV Eiserfeld. Um noch hinzuzufügen: „Ein erfreulich großer Schritt“.
Der OSC scheint sich wieder der Form anzunähern, die er Ende des Jahres gehabt hatte, als er spielerisch leicht sechs Siege in Folge feierte und sich in der Spitzengruppe der Verbandsliga etablierte. Die Auswärtsaufgabe in Eiserfeld meisterten die Dortmunder trotz personeller Probleme und schafften damit eine gute Grundlage für das Spitzenspiel am Freitag gegen Westerholt.
Dass Michael Neumaier (beruflich verhindert) dem OSC fehlen würde, war vorher bekannt. Dass aber auch Kapitän Philipp Schürmann (ebenfalls aus beruflichen Gründen) erst in der zweiten Halbzeit einsatzbereit sein würde, traf sie überraschender. Doch die beiden fehlenden wurden gut vertreten. Im linken Rückraum spielte Julius Webeling, in der Mitte zog Florian Edeling die Fäden.
Das tat er überragend. „Alles, was Florian gemacht hat, hatte Hand und Fuß“, lobte Trainer Stoschek. Edeling hatte einen großen Anteil daran, dass die Dortmunder in einem über 60 Minuten ausgeglichenen Spiel nie die Ruhe verloren. Den Grundstein zum Erfolg im Siegerland legten sie in der Deckung, in der zweiten Hälfte kassierten die Dortmunder nur ganze neun Treffer.
Einseitiges Derby
Ein spannendes Kampfspiel hatten die Experten von diesem Verbandsliga-Derby sicher nicht erwartet. Immerhin hatte da der Tabellenzweite Heimrecht gegen das Schlusslicht. Das 50:38 (29:19) mit dem sich Borussia Höchsten gegen den ATV Dorstfeld durchsetzte, wurde dann aber sogar die Demonstration eines Klassenunterschiedes.
Wobei das Endergebnis noch das Deckmäntelchen des Schweigens über die tatsächlichen Kräfteverhältnisse auf dem Parkett legt. Die Partie war noch keine sechs Minuten alt, da hatten sich alle Fragen erledigt. Sage und schreibe 9:1 lautete der Stand, das ATV-Spiel wurde von Höchstens offensiver Abwehr im Keim erstickt, und gegen das Tempo mit Gegenstoß, erster und zweiter Welle wirkten die Gäste völlig hilflos.
Das anschließende Spiel hatte dann mit strukturiertem Handball nicht mehr viel zu tun. „Für uns hatte sich nach knapp zehn Minuten ja schon alles erledigt“, ließ ATV-Trainer Rüdiger Edeling keinen Zweifel an dem hoch verdienten Erfolg der Höchstener.
Carsten Hergert freute sich, dass seine Mannschaft trotz der klaren Führung im Angriff konsequent weiterspielte, die Tore nicht nur aus dem Gegenstoß, sondern wie vor Wochenfrist gegen den OSC auch im Positionsangriff erzwang. Und er konnte sich nach 15 Minuten tatsächlich schon zu Maßnahmen entscheiden, die sonst erst in der Schlussphase eines entschiedenen Spiels zum Coaching-Thema werden: „Ich haben dann früh Spieler gebracht, die sonst nicht so große Einsatzzeiten bekommen.“
Dabei konnten vor allem Matthias Wittland und Roman Akaltun ihre Chance nutzen. Linkshänder Wittland hatte mit neun Toren die höchste Höchstener Feldtor-Quote, und Hergert lobte: „Ich glaube, er hatte nicht einen einzigen Fehlversuch.“
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