HC Leipzig spielt in einer anderen Liga
25.09.2008 | 22:01 Uhr 2008-09-25T22:01:00+0200
Der HC Leipzig spielt in einer anderen Liga - das mussten auch die Handballerinnen des BVB gestern Abend erkennen. Sie unterlagen mit 28:35 (11:17), zogen sich aber achtbar aus der Affäre. Nur sieben Tore Differenz - da beziehen andere vom Meisterschaftsfavoriten mehr „Prügel”.
Und doch war's irgendwie enttäuschend. Das fing mit der Kulisse an. Weil die Handballerinnen den am Mittwochabend im Pokal beschäftigten Fußballern ausweichen wollten, wählten sie den ungewohnten Donnerstag aus. Ein Flop. Nur 600 Zuschauer kamen, um den Aufsteiger gegen das beste Team, das der deutsche Frauenhandball zu bieten hat, zu sehen.
Handball wird präziser gespielt, darum ist auch die Frage nach dem Sieger leichter zu beantworten. Das konnte gestern nur der HC Leipzig sein, der von Beginn an konzentriert und in der Abwehr aggressiv zu Werke ging und im Angriff eine weit höhere Effektivität erreichte als die Borussinnen. Die müssen sich dabei aber eine Teilschuld ankreiden. Denn viel zu passiv schauten sie zu, wenn die Leipzigerinnen sich dem Tor näherten, bei sieben Metern ungestört hochsprangen und abschlossen. Beide Torfrauen, Therese Brorsson und Inge Roelofs, zuckten bei den meisten Treffern nur mit den Schultern, um mit der Körpersprache auszudrücken: „Bei Würfen aus dieser kurzen Entfernung haben wir nicht den Hauch einer Chance.”
Auf der anderen Seite gingen die Gäste hart, aber herzlich zur Sache. Da hörte man den Körpereinsatz auch schon mal auf der Tribüne. Genau dieses Abwehrverhalten macht den Unterschied zwischen denen da oben und denen da unten in der Tabelle aus.
Unterentwickelt auch weiterhin das Kreisläuferanspiel des BVB. Fast jeder zweite Versuch landet nach einem Konter im eigenen Tor. „Auch das werden wir ändern”, sagte Trainer Dieter Trippen, „wir arbeiten unsere Baustellen hintereinander ab.” Mit dem Ergebnis zeigte er sich zufrieden („das ist für uns okay”), weniger mit der Abwehrarbeit: „Die war - mit Ausnahme von Miranda Robben und Willemijn Karsten - zu wenig körperbetont.” Hat er sehr nett umschrieben.
Dass es am Ende noch zu einem solch günstigen Resultat reichte (zwischenzeitlich führte der HCL mit zehn Toren), lag auch daran, dass die Gäste es etwas langsamer angehen ließen. Der designierte Meister schonte seine Kräfte, weil in den nächsten zwei Wochen sechs Spiele anstehen, incl. Champions League. Champions League?
BVB: Brorsson, Roelofs; Spriestersbach (5), Köhler (1), Paulus (1), Fiedel, Karsten (7/3), Lütz (2), Busch (1), Cocx (5), Kunze (1), Robben (5/1), Larsen.
INFO:
Mit 0:6 Punkten zieren der BVB und der Thüringer HC das Ende der Tabelle. Im Tabellenkeller hält sich auch der 1. FC Nürnberg auf. Er hat zwar fünf Punkte gewonnen, vier werden aber wegen der Fristversäumnisse im Lizenzierungsverfahren noch abgezogen. Buxtehude (2 Punkte) ist noch in erreichbarer Nähe.
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