Gründung des ersten Dortmunder Fußballvereins

Fußball - eine "Fußlümmelei!" Mit dieser provozierenden Vokabel wurde zum Ende des 19. Jahrhunderts die Sportbewegung, die aus England nach West- und Mitteleuropa herüberschwappte, bedacht. Wie sich der Fußball in Dortmund entwickelte, das berichten wir in unserer zehnteiligen Serie "125 Jahre Dortmund am Ball". Lesen Sie hier den zweiten Teil: "Gründung des ersten Dortmunder Fußballvereins".

Dortmund.. Der geschichtliche Hintergrund im Jahr 1895

Im Jahr 1895 hatte Dortmund gerade 110.000 Einwohner. Die Menschen blickten voller Interesse auf die neue Oberpostdirektion, die von Arnsberg zum Dortmunder Hiltropwall verlegt worden war. Stadtrat Heinrich Schüchtermann errichtete im selben Jahr die Schüchtermann-Schillersche Familienstiftung, die es auch heute noch gibt.

Die Pioniere gründen einen Verein

Bei den jungen Schülerkicker aus den 1890er-Jahren war der Fußballbazillus nicht mehr zu therapieren. Die jungen Fußballpioniere bekamen unter anderem "Zuwachs" von den benachbarten Absolventen der Königlichen Maschinenbauschule in der Sonnenstraße. Das Ergebnis dieser Liaison hatte seit dem Frühjahr 1895 einen Namen: Dortmunder Fußball-Club.

Zu den Wegbereitern und Gründern gehörte gemeinsam mit Franz und Eduard Weymann, August Andernach, Fritz Beyer und Fritz Wahl auch der jüdische Jüngling Benno Elkan, der später zu einem weltberühmten Bildhauer werden sollte.

Die schwere Anfangszeit

DFC 95: Das also war der erste "echte" Fußballverein auf Dortmunder Stadtgebiet. Gleichzeitig war der DFC in ganz Westfalen neben Witten 1892 einer der wichtigsten Ausgangspunkte der neuen Leidenschaft.Aller Anfang war schwer. Woher Gegner nehmen und nicht stehlen? Gut, man spielte hier und da gegen Turnbrüder verschiedenster Couleur, wenn diese sich mal unbeaufsichtigt fühlten.


Trotzdem: Der DFC dümpelte vor sich hin. Gemeinsam mit dem Berliner Karl Lüdecke, der an der Maschinenbauschule studierte, reaktivierte der sportbegeisterte Walter Sanß kurz vor der Jahrtausentwende die 95er und festigte die Club-Strukturen. Der Spielbetrieb wurde durch die "Abteilungen"Schlagball und Faustball ergänzt. Später kamen die äußerst erfolgreichen Leichtathleten hinzu.

Die Presse berichtet

Am 6. Juli 1995 war zum ersten Mal in der örtlichen Presse von der Existenz dieses Fußballclubs zu lesen: "Nichtachtend der Anfeindungen, trotz aller Strafen, die ihnen, den heimlich Fußballbesessenen, seitens der Lehrer und Väter drohten, schlossen sich am 10. Mai 1895 16 junge Männer, vorwiegend ehemalige Schüler des Realgymnasiums, die in oder nach ihrer Schulzeit heimlich auf irgendeine Weise außerhalb der Wälle wieder 'geklütet' hatten, zum ersten Dortmunder Fußball-Club (DFC) zusammen. Noch im Gründungsjahr konnte das erste Wettspiel ausgetragen werden, und zwar gegen eine heimlich spielende Mannschaft des Realgymnasiums. Es wurde 1:0 gewonnen."

Ein Zeitzeuge wundert sich

Ein Zeitzeuge beschrieb die damaligen ersten Gehversuche wie folgt: "Als wir wieder einmal sonntags zur Radrennbahn kamen, war da was Neues los. Im Innenraum spielten etwa 15 Mann mit einem dicken Ball, und zwar mit den Füßen. Kurz und gut, es war der Dortmunder Fußballclub.
Wir verstanden das noch gar nicht, kamen aber bald dahinter. Kleidung der Spieler war blaue Hose und ein weißes Trikot mit einem blauen Stern auf der Brust. Dazu die übliche Ausrüstung. Als Tor dienten zwei Stangen mit einer Schnur darüber."

Die Vereinslandschaft entsteht

Mittlerweile war ein weiterer Fußballverein entstanden: Der VfB 1897 wuchs in der westlichen City aus dem Evangelischen Jünglingsverein heraus. Im Süden folgte 1904 der BV 1904, der 1914 mit dem DFC zur Dortmunder Sportvereinigung 1895 fusionierte.

Das ist unser Autor Gerd Kolbe:
Fußball-Historiker, lange Jahre Pressesprecherin Dortmund und zwischenzeitlich auch beim Ballspielverein Borussia 09.

Dann ergänzten ab 1906 der Fußballclub Phönix, der Ballspielklub Sportfreunde 06, der Fußball-Club Merkur, der Sportklub Alemannia und der Dortmunder Spielverein 07 die Vereinspalette. Namentlich sollen aber an dieser Stelle zwei Clubs genannt werden, die beide 1909 gegründet wurden und die zu den erfolgreichsten Dortmunder Vereinen avancierten:

Der BVB mit seinen signifikanten nationalen und internationalen Titeln - darunter 1997 sogar der Sieg im Weltpokal der Vereinsmannschaften - und Hombruch 09. Die Hombrucher, die 1958 in großartiger Manier Deutscher Fußball-Amateurmeister wurden, kicken heute in der Westfalenliga. Etwa 1914 folgte dann auch der damalige Landkreis Hörde mit zahlreichen Vereinsgründungen.

Die Namensänderung

Doch zurück zum DSC 95, wie man sich ab 1919 nannte. Er wurde Dortmunds erster Renommierclub, der übrigens auch in der Leichtathletik reüssierte. Mit zwei Teams beteiligte man sich 1902/03 an der ersten Meisterschaftsrunde des Rheinisch-Westfälischen Spielverbandes. Die weiteren Spielzeiten brachten ein fulminantes Auf und Ab, der 1. Weltkrieg ließ den Fußball fast zum Erliegen kommen.

Der erste große Erfolg

Der erste signifikante Erfolg für den DSC folgte 1921 mit der Ruhrgaumeisterschaft. Nach einer Fusion mit Sportfreunde 06 durfte man 1934 in der neuen Gauliga antreten - und scheiterte. Die Fusion wurde aufgehoben. Deutlich erfolgreicher waren jetzt Arminia Marten und der BVB. Letzterer avancierte in dieser Zeit zur Nummer eins in Dortmund.

Die letzte Fusion

Richtig freuen konnte man sich als DSCer erst wieder Mitte der 1950er Jahre. 1955/56 errang man die Westfalenmeisterschaft; ab 1956 spielten die Thater, Schrimpf und Co. in der 2. Liga West. Damit war die Fußball-Geschichte der Pioniere von der Flora auch schon so gut wie abgehakt. Nach der Fusion mit Eintracht Dortmund nennt man sich seit 1969 nämlich TSC Eintracht 48/95.

So geht es mit der Serie weiter:
Den dritten Teil der Serie "125 Jahre Dortmund am Ball" können Sie bei uns am Donnerstag (26. Februar) im Internet lesen.

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