Gemeinsame Staffel wäre die Chance
09.09.2010 | 19:36 Uhr 2010-09-09T19:36:00+0200
Am Wochenende starten die Handballer in die Saison. Erstmals stehen mit dem OSC, Hombruch und Höchsten drei Teams in der höchsten Klasse, der Verbandsliga. Ein Gespräch mit den Trainern Thorsten Stoschek, Kai Ruben und Carsten Hergert über Möglichkeiten und vergebene Chancen.
Jahrelang gab es eine Männermannschaft, die in Dortmund den Ton angegeben hat. Heute sind es gleich drei, allerdings spielen die nur in der Verbandsliga. Ist das eine Chance oder ein Armutszeugnis?
Ruben: Für den Dortmunder Handball im Allgemeinen ist es ein Armutszeugnis. Wenn ich es aber aber aus der Vereinsbrille betrachte: Für Hombruch ist das sensationell, davon haben wir ja die letzten fünf, zehn Jahre geträumt.
Hergert: Ich weiß nicht, ob das ein Armutszeugnis ist. Man muss ja auch die Umstände sehen. Der OSC war damals so stark, weil es Uli Büker gab, in Schwerte war das zu meiner Zeit ähnlich. Das hängt viel von Einzelpersonen. Was ich schade finde ist, dass die drei Mannschaften nicht in einer Staffel spielen. Das hätte dem Dortmunder Handball sehr gut getan.
Stoschek: Das sehe ich auch so. Wenn in einen Derby die Halle richtig gut gefüllt ist und die Stimmung dementsprechend – sowas bringt den Dortmunder Handball nach vorn. Grundsätzlich meine ich aber auch, dass die Verbandsliga als höchste Klasse ein Armutszeugnis ist. Sehr viel besser war es aber in den letzten Jahren auch nicht. Da hat HC Süd in der Oberliga stets gegen den Abstieg gespielt.
Sind die Probleme nicht auch hausgemacht? Besonders im älteren Jugendbereich ist die Stadt - mit wenigen Ausnahmen - in der Spitze nicht vertreten.
Hergert: Klar sieht es da mau aus. Höchsten und Hombruch starten in dieser Beziehung eher unter ferner liefen.
Ruben: Bei uns gab es einen Bruch vor einigen Jahren, da haben wie einen Neuanfang gestartet. Es ist aber immer schwierig: Du verlierst ein, zwei Leute, schon gehen dadurch ganze Mannschaften kaputt. Besser sieht es da schon beim OSC aus.
Stoschek: Das war aber auch nicht immer so. Ein Beispiel: Mittlerweile haben wir allein in der B-Jugend über 30 Spieler. Es ist aber auch noch gar nicht ganz so lange her, da waren es 29 – in der gesamten Jugendabteilung.
Hergert: Das ist eben auch eine Sache der Kontinuität. Man kann das nicht nur mal eben ein, zwei Jahre machen.
Sie haben es eben bereits angesprochen: Drei Verbandsligisten auf zwei Staffeln verteilt – eine unglückliche Situation.
Ruben: So langsam ist jetzt auch mal der Kreis gefordert. Wieso müssen immer die Mannschaften aus Dortmund oder Schwerte in der Verbandsliga die Klasse wechseln? Warum nicht auch mal Mannschaften aus dem Kreis Recklinghausen? Ich habe das mal zusammengerechnet: Höchsten muss allein durch die Tatsache, dass sie in der Ostwestfalen-Gruppe spielen in der Summe 1700 Kilometer mehr fahren. In der Landesliga lässt sich solch ein Staffelwechsel sicher hinnehmen. Aber in der Verbandsliga...
Hergert: Wir haben den Vorschlag gemacht, eine Gruppe mit einer Mannschaft mehr spielen zu lassen. Das lässt sich organisatorisch in der Saison sicherlich hinbekommen – aber: keine Chance, der Vorschlag wurde abgelehnt. Kostet uns an Fahrtkosten auf die Saison gesehen locker 4000 Euro.
Hombruch und Höchsten sind neu in der Liga, der OSC stellt aber den Trainerneuling. Zufrieden mit der neuen Aufgabe und der Vorbereitung, Herr Stoschek?
Stoschek: Für mich kam der Wechsel auch sehr überraschend, ich hatte bereits eine komplette A-Jugend-Vorbereitung in der Schublade. Nun ist es anders gekommen. Wir haben eine junge Mannschaft, das Durchschnittsalter ist 22. Es macht Spaß mit den jungen Leuten zu arbeiten, wenn das zahlenmäßige Verhältnis von jüngeren zu älteren Spielern umgekehrt gewesen wäre, hätte ich die Aufgabe nicht übernommen. Wir wollen uns Schritt für Schritt verbessern, in diesem Jahr wollen wir mit einem anderen Deckungssystem, einer aggressiven 3:2:1-Deckung, arbeiten. Man darf nicht versuchen, zu viel auf einmal zu wollen.
Und wie sehen die Aussichten für die Saison aus?
Stoscheck: Wir wollen uns in der Liga konsolidieren. Viel hängt davon ab, wie wir starten werden. Am ersten Spieltag gegen Schwerte, einer der Ligafavoriten, am zweiten gegen Absteiger Volmetal, das ist schon mal ein ganz ordentliches Programm.
Mit welchen Erwartungen geht Liganeuling Hombruch in die Saison?
Ruben: Wir hatten keine zufriedenstellen Vorbereitung, aus beruflichen Gründen haben uns immer vier, fünf Leute gefehlt. Sicher ist aber: Die Euphorie ist da, wir freuen uns auf die Verbandsliga. Wir haben in den vergangenen drei Jahren fünf oder sechs Spiele verloren. Wir sind keine Fantasten und erwarten, dass das jetzt so weiter geht. Unser Ziel ist ein Platz über dem Strich, also den Klassenerhalt zu schaffen.
Und vor dem OSC landen?
Ruben: Na ja, mir wäre es noch wichtiger, beide Derbys zu gewinnen.
Wie sieht es bei Borussia Höchsten aus?
Hergert: Wir sind froh, dass es endlich losgeht, auch wenn wir personell ein paar Probleme haben. Wo wir landen werden, ist schwierig zu sagen. Ich weiß noch gar nichts über die Gegner. Meine Truppe hat das Zeug, in der Verbandsliga zu bestehen, da bin ich sicher. Auch wir müssen wieder lernen, das ein oder andere Spiel zu verlieren. Auch wenn die Fahrten für uns länger sind, ich kenne das noch aus meiner Schwerter Zeit: In Ostwestfalen zu spielen macht schon Laune – wenn man erst mal da angekommen ist.
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