Ex-Nationalspieler Klaus-Dieter Petersen spricht über "YoungStar"

Es ist ein Projekt für den Handball-Nachwuchs. Ex-Nationalspieler Klaus-Dieter Petersen betreut YoungStar seit zwei Jahren - möchte junge Hanballer weiterentwickeln. Über YoungStar und die WM in Katar sprach Petersen mit mit Redakteur Tobias Jöhren im Interview.

Dortmund.. Herr Petersen, wie würden Sie Ihren Job beschreiben?
Petersen: Unser Projekt heißt YoungStar. Wir betreuen jugendliche Handballer aus ganz Deutschland oder auch aus dem ganzen europäischen, deutschsprachigen Raum, individuell und differenziert. Wir versuchen sie in ihrem Leistungsvermögen zu verbessern. Die Jugendlichen bleiben in ihrer Heimat und spielen dort weiter Handball.
Sie müssen nicht raus aus ihrem gewohnten Umfeld, sondern können von zu Hause aus trainieren. Zusätzlich absolvieren sie in den Schulferien rund 100 Trainingseinheiten im Jahr hier bei uns in Kiel. Für die Zeit in der Heimat bekommen sie entsprechende Trainingspläne, um sich weiter zu entwickeln.

Ist Ihr Programm ein Umweg in den Leistungssport für die Talente, die bei den Spitzenklubs durchs Sieb gefallen sind?
Peterson: Jeder Mensch betreibt auf seinem Niveau Leistungssport. Es geht immer darum, sich leistungsmäßig zu verbessern. Der eine macht das beim Bundesligaverein, der andere macht es in anderen Vereinen oder über den Landesverband. Unsere Athleten versuchen es über Handball-Camps und jetzt über das Young-Star-Programm.
Jan Niklas (Jan Niklas Sinnwell (17), Teilnehmer am Young-Star-Programm, Anm. d. Red.) spielt in der A-Jugend-Bundesliga (HC Wölfe Nordrhein, Anm. d. Red.), ist jüngerer Jahrgang und muss sich da jetzt einfach weiterentwickeln. Das geht bei dem einen schneller, bei dem anderen ein bisschen langsamer.

Lautet das Ziel, maximal gut Handball zu spielen und Spaß zu haben oder geht es immer darum, Profi zu werden?
Petersen: Wenn man die YoungStar fragen würde, würden sie sicherlich sagen, dass sie mal Profi werden wollen. Wir müssen sehen, ob wir sie dahin führen können.

Jan Niklas Sinnwell aus Duisburg ist jetzt 17 Jahre alt, Zoe Steens aus Schwerte ist 14 und ebenfalls im Young-Star-Programm. Haben sie das Zeug zum Profi?
Petersen: Das Potenzial haben sicherlich beide. Sie müssen jetzt in die richtigen Bahnen gelenkt werden und dann einfach fleißig sein und an sich arbeiten. Wie weit es am Ende geht, bleibt abzuwarten. Aber dass sie mal Bundesliga spielen können, das traue ich beiden zu.

Wie sieht die Betreuung der Talente aus, während sie in der Heimat sind?
Petersen: Das läuft über telefonischen Kontakt. Wir bekommen die Trainingspläne von ihnen. Wir bekommen dann natürlich auch Nachricht, in wie weit sie die Pläne umsetzen konnten. Es nützt nichts, wenn man nur den Soll-Trainingsplan hat, sondern man muss auch die Ist-Situation betrachten.
So steht man dann im Kontakt und versucht den Athleten in den Phasen, in denen sie beim Heimatverein sind, von hier aus zu helfen. Dafür stehen wir auch mit ihren Trainern aus der Heimat in ständigem Kontakt.

Sie haben fünf Mädchen und in Jan Niklas einen Jungen in Ihrem Young-Star-Programm. Zufall?
Petersen: Das hat sich so ergeben. Sicherlich ist in Deutschland der Bereich der männlichen Nachwuchsförderung aber stärker ausgebaut als der Bereich der weiblichen Nachwuchsförderung, soll heißen: Es gibt wesentlich mehr Handball-Akademien und Handball-Internate im männlichen als im weiblichen Bereich.

Wie hoch ist finanzielle Belastung für die Talente?
Petersen: Die Talente zahlen ihr jährliches Budget an uns und bekommen dafür eine exklusive Leistung. Einmal in der Vor-Ort-Betreuung, wenn sie hier bei uns Kiel sind inklusive Unterkunft - und wie beschrieben, wenn sie in der Heimat sind.

Bedeutet das, dass die Jugendlichen ihre Schulferien komplett in den Dienst des Handballs stellen?
Petersen: Nicht komplett, aber zum Teil natürlich. Von zwei Wochen Osterferien zum Beispiel sind die Talente eine Woche hier bei uns.

Wie hoch ist Ihre Erfolgsquote?
Petersen: Die gibt es noch nicht. Das Projekt läuft jetzt im zweiten Jahr. Wir sind bemüht, das Projekt weiter auszubauen. Eine Erfolgsquote kann es aber zum jetzigen Zeitpunkt noch nicht geben.

Ganz allgemein gefragt: Warum ist es so schwer, die deutschen Talente in die Handball-Bundesliga zu integrieren?
Petersen: Die Bundesliga ist die stärkste Liga der Welt. Da ist es schwierig sich durchzusetzen, weil ja nicht nur die Nachwuchstalente aus Deutschland dort rein wollen, sondern die aus ganz Europa.
Wir in Deutschland haben das Potenzial und wir bringen ja auch unsere Toptalente in der Bundesliga unter. Das sieht man auch an dem erweiterten WM-Kader der A-Nationalmannschaft. Da sind viele Spieler dabei, die vor drei Jahren Jugend-Europameister geworden sind. Das beinhaltet schon die Aussage, dass wir die jungen Leute dahin bringen können.

Der deutsche Handball ist also auf dem richtigen Weg?
Petersen: Meiner Meinung nach, ja. Wir müssen diesen Weg natürlich nachhaltig untermauern. Wir müssen den jüngeren Spielern ein bisschen Zeit geben. Das war bei den Spielern, die 2004 und 2007 (Europameister 2004, Weltmeister 2007, Anm. d. Red.) die großen Erfolge gefeiert haben, auch nicht anders. Man muss den Spielern Zeit geben, dann kann man irgendwann auch Erfolge ernten.

Warum ist der Erfolg nach dem Wintermärchen 2007 plötzlich ausgeblieben?
Petersen: Wir haben nach der WM 2007 viele starke Spieler verloren, die ersetzt werden mussten. Das war nicht so einfach. Da ist man jetzt aber wieder auf einem guten Weg. Wir haben in den Kadern der Bundesligisten viele gute Nachwuchsspieler, die das nötige Potenzial haben, um auch bei den großen Turnieren wieder erfolgreich zu sein.

Wie erfolgreich kann der deutsche Handball denn bei der WM in Katar sein?
Petersen: Ich hoffe, dass wir Dritter werden.