Es mangelt an Qualität und Cleverness
22.11.2009 | 18:27 Uhr 2009-11-22T18:27:00+0100Natürlich ist die Erkenntnis nicht neu. Aber die 1:4-Niederlage beim VfL Osnabrück, die gleichbedeutend war mit dem Sturz auf den vorletzten Tabellenplatz, führte es allen noch einmal deutlich vor Augen: Es wird extrem schwer für den BVB 2 im Abstiegskampf der 3. Liga.
Vor allem wenn so viele wichtige Spieler wegbrechen wie in diesen Wochen.
Um es gleich zu sagen: es lag nicht an den Nachrückern, dass die kleine Revanche für das Pokal-Aus der Profis nicht gelang. Marcel Großkreutz, für Christian Eggert auf der „Sechs”, zählte als neuer Partner des starken Nedim Hasanbegovic gar zu den besten Borussen, Kai-Bastian Evers, Vertreter von Julian Koch in der Abwehr, ist zumindest bis in die zweite Halbzeit hinein ein ordentliches Drittliga-Debüt zu attestieren. Aber in dieser Konstellation mangelt es Team und Kader als Ganzes an Qualität. Ein routinierter und in den entscheidenden Situationen einfach cleverer Gegner wie Osnabrück deckte diese Defizite schonungslos auf.
Theo Schneider hatte es schon vorher geahnt, nach den 90 Minuten durfte er sich bestätigt fühlen. „In dieser Besetzung hätten wir nur dann eine Chance gehabt, wenn ausnahmslos alle am oberen Level gespielt hätten.” Doch nach einer ausgeglichenen ersten Halbzeit, in der es durch die späten Treffer von Björn Lindemann (40.) und Lasse Sobiech (45.+1, per Kopf nach Ecke von Sebastian Tyrala) leistungsgerecht 1:1 stand, förderte der ständig steigende Druck der Platzherren ein erhebliches Fehlerpotenzial in der Borussen-Defensive zu Tage, von dem nicht einmal ein so gestandener und unverzichtbarer Spieler wie Kapitän Uwe Hünemeier verschont blieb. Seine missratene Rückgabe auf Marcel Höttecke hätte Heinrich Bencik gleich nach der Pause zur erneuten Führung nutzen können (47.). Doch das Unheil nahm seinen Lauf. Der Elfmeter von Matthias Heidrich, als Benjamin Siegert von Kai-Bastian Evers zu Fall gebracht worden war (64.), das 3:1 durch Aleksandar Kotuljac, nachdem Höttecke zuvor noch glänzend reagiert hatte (70.) - das war's.
Lange bevor erneut Kotuljac in der Schlussminute für ein allerdings zu hohes Endresultat sorgte, war klar, dass der BVB, wenn überhaupt, nur durch eine gelungene Standard-Situation noch einmal hätte zurückkommen können. Aus dem Spiel heraus ergaben sich für die Gäste keinerlei zwingende Torchancen, beide Stürmer (zuerst Daniel Ginczek, dann Christopher Kullmann) blieben abermals ohne Wirkung. Aber auch das offensive Mittelfeld machte in dieser Phase keinen guten Job mehr. „Es wurde kein Ball gehalten”, monierte Schneider, „so fehlte jegliche Entlastung.”
Der Trainer versuchte alles, nahm neben dem diesmal enttäuschenden Marcus Piossek mit Sebastian Hille auch seinen zweiten Flügelspieler vom Feld, musste aber mit Michael Oscislawski und Mehmet Boztepe zwei Leute bringen, die schon in der letztjährigen Regionalliga-Saison keinen Stammplatz hatten. Das sagt alles über das aktuelle Dilemma. Das kann punktuell mal gutgehen. Wohl kaum aber gegen einen mit Zweitliga-erfahrenen Spielern gespickten Gegner wie Osnabrück.
BVB 2: Höttecke - Evers, Sobiech, Hünemeier, Vrzogic - Hasanbegovic, Marcel Großkreutz - Piossek (71. Oscislawski), Tyrala, Hille (76. Boztepe) - Ginczek (43. Kullmann). - Tore: 1:0 Lindemann (40.); 1:1 Sobiech (45.+1); 2:1 Heidrich (FE, 64.); 3:1 Kotuljac (70.); 4:1 Kotuljac (90.)
Info:
Glück für Höttecke
Marcel Großkreutz stand erstmals in dieser Saison in der Startelf und hat sich bei seinem Comeback für weitere Einsätze empfohlen.
Sein Drittliga-Debüt gab Kai-Bastian Evers. Schneider war mit dem Jugend-Nationalspieler zufrieden. Dass er nach der Pause abbaute, führte der Trainer auf ein Kraftproblem zurück: „Er wurde in seinem ersten Spiel auf diesem Niveau enorm gefordert.”
Mit einer schweren Hüftprellung musste Daniel Ginczek vom Platz. Ob er am Samstag in Regensburg spielen kann, bleibt abzuwarten.
Glück hatte Marcel Höttecke, als er beim Versuch, einen zweiten Ball vom Feld zu befördern, einen Ordner ins Gesicht traf. Hätte der Schiedsrichter dies als Absicht gewertet, wäre es glatt Rot gewesen. Florian Steinberg beließ es bei Gelb.
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