Ein Handballer mit Leib und Seele
13.02.2012 | 20:27 Uhr 2012-02-13T20:27:00+0100
Bestimmt gibt es zwei Walter Kraft. Oder drei. Kann gar nicht anders sein. Für einen allein jedenfalls ist das Programm nie und nimmer zu schaffen. Selbst im Ruhestand nicht, der sich bei der folgenden Aufzählung ohnehin von selbst erledigt hat.
Kraft ist oder war: Sitzungsvertreter, Schiedsrichter, Lehrwart, Mitglied des Lehrstabs, A- und B-Lizenzinhaber, stellvertretender Kreisvorsitzender, Bezirksvorsitzender, Zeitnehmer. Früher war er auch Trainer und selbstverständlich Spieler. Man kann wohl mit Fug und Recht behaupten, dass es schwierig wird, eine Aufgabe rund um den Handball zu finden, die er noch nicht bekleidet hat. Und eine Sporthalle, die er nicht kennt.
Angefangen hat das alles in der 50er Jahren, als sich Walter Kraft dem OSV Hörde, aus dem später der OSC werden sollte, anschloss. Damals wurde noch auf den Feld gespielt, „ich war nicht schlecht, aber auch nicht überragend“, hat Kraft mal gesagt. Es reichte aber, um sich mit der Mannschaft für die westdeutsche Endrunde zu qualifizieren und in die Westfalenauswahl berufen zu werden. In der Halle spielte er in der Regionalliga, damals die zweithöchste Spielklasse. Seine größten Erfolge feierte er indes als Trainer. Über ein Dutzend Teams betreute er in den Jahren, manche gleichzeitig. Mit der TSG Herdecke stieg er 1983 in die Regionalliga auf, beim OSC trainierte er Jugendmannschaften, vor 20 Jahren sprang er als Coach des damaligen Zweitligisten ein. In den 80er-Jahren war er auch Geschäftsführer des OSC und prägte die Glanzzeiten in der Bundesliga mit. Allerdings immer als einer, der anpackt, der sich kümmert. Der nicht lange fragt, sondern hilft. Wer so viel Verständnis hat, braucht jemanden, der dafür Verständnis hat. Seine Familie, zuallererst Ehefrau Gaby, stand und steht hinter ihm.
Vor zwei Jahren hat Kraft die Fritz-Kauermann-Plakette bekommen. Sie ist eine der höchsten Auszeichnungen, die im Dortmunder Sport vergeben wird. Sie geht an jemanden, der sich in besonderer Weise um den Sport verdient gemacht hat. Die Laudatio hat damals Jörg Rüppel gehalten, alles in allem kam Rüppel auf 198 Jahre ehrenamtlicher Tätigkeit, „und dafür“, sagte er, „siehst du aber verdammt frisch aus“. Kleine Korrektur: Am Dienstag wird Walter Kraft gerade mal 70 Jahre alt. Der Rest des Satzes stimmt aber.
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