Ein Fußballer mit Leib und Seele

Fußballvereine, die 1909 gegründet wurden, haben in Dortmund einen guten Ruf. Beispiele sind der BVB, der FV Hombruch 09 und der ASC 09. Dabei ist der ASC 09, der als SC Aplerbeck 09 gegründet wurde, aktuell nach dem BVB, der schon einige Deutsche Meisterschaften feierte, der erfolgreichste Klub der Stadt.

Dortmund.. Hier ein paar Daten, Fakten und Zahlen, die das belegen: Vor wenigen Wochen noch errang das Team von Trainer Daniel Rios die Dortmunder Hallenfußball-Stadtmeisterschaft in der Helmut-Körnig-Halle mit einem 2:1 Endspielsieg gegen den SV Brackel.

Aplerbeck in der Oberliga

Und "draußen" spielen die Jungs aus Aplerbeck allein auf Dortmunds weiter Flur in der Oberliga Westfalen. Derzeit läuft die Saison allerdings etwas mühsam. Nach vier Niederlagen befand man sich kürzlich mitten drin im Abstiegskampf. Deshalb war der 2:0-Auswärtssieg am letzten Sonntag beim ebenfalls gefährdeten SV Zweckel von entsprechender Bedeutung auf dem Weg zum Klassenerhalt. Toi, toi, toi! Stichwort 1909:

In genau diesem Jahr arbeitete ein gerade einmal 17 Jahre alter Knabe aus Schwerte mit Namen Otto Balks als Verwaltungsgehilfe im Amtshaus der selbstständigen Gemeinde Aplerbeck. Man darf mit Fug und Recht vermuten, dass seine Gedanken verschiedentlich abschweiften, hatte er doch für sich und seine Freunde aus der Aplerbecker Nachbarschaft ein neues Hobby, Fußball genannt, entdeckt. Gespielt, besser gepöhlt, wurde übrigens bevorzugt auf dem "Möllers Kamp", unweit der Köln-Berliner Straße. Diverse Ermahnungen durch seine Vorgesetzten fruchteten nichts.

Grünschnäbel im Gepäck

Otto Balks war Fußballer mit Leib und Seele und ein erfolgreicher Werbestratege für seinen noch so jungen Sport. Deshalb gelang es ihm auch, eine ganze Anzahl bis dahin "unbescholtener" junger Männer in seinen Fußball-Bann zu ziehen. Sie waren im Schnitt durch die Bank ein Jährchen jünger als ihr "Spiritus rector" und gingen so gut wie alle noch zur Schule. Mit diesen Grünschnäbeln im Schlepptau gründete Otto Balks dann in der Setzerschen Wirtschaft in der Köln-Berliner Straße den Sport-Club Aplerbeck 09.

Der erste Vorsitzende, ein Junglehrer namens Küper, konnte sich seines neuen Amtes nur kurzzeitig erfreuen. Nach einem zackigen Anschiss durch seinen vorgesetzten Rektor zog er Leine und gab das Amt wieder ab. Von Stund an konzentrierte sich die gesamte Vereinsarbeit wieder auf den alten und neuen "Chef" Otto Balks aus Schwerte an der Ruhr.

Reife Leistung

Mit seinem überschaubar kleinen Fähnlein der Aufrechten zog Balks dann in die Spiele gegen die Gegner aus Hörde, Sölde und anderen umliegenden Dörfern. Der größte Erfolg jenseits des Spielfeldes bestand sicher darin, im Mai des Jahres 1910 in den Westdeutschen Spielverband aufgenommen zu werden. Eine reife Leistung, wenn man bedenkt, dass dies dem BVB erst ein gutes halbes Jahr später und dem FC Schalke über Jahre hinweg gar nicht gelang.

Und nicht zu vergessen: Kein einziger der Aplerbecker Vereinsfunktionäre war schon volljährig. Da muss man die Duisburger Verbandsoberen aber mit einigen Taschenspielertricks über den sprichwörtlichen Tisch gezogen haben.

Unter "alter Flagge"

Trotz dieses "Verbands-Coups" ging es fortan bergab. Zunächst suchte man 1911 beim heimischen ev. Jünglingsverein "Club-technisch" Unterschlupf. Dann löste sich der SC Aplerbeck 1913 sogar auf. Zahlreiche Akteure schlossen sich dem FC Berghofen an, den sie aus Trotz mitgründeten.

1919, der erste Weltkrieg war gerade vorbei, reaktivierte man den SC Aplerbeck 09, der elegant unter "alter Flagge" weitersegelte. 1925 entstand das Aplerbecker Waldstadion, in dem man eine sportliche Heimat fand. Das war ein ganz wichtiger Schritt und der Ausgangspunkt für die Einrichtung weiterer Abteilungen, zu denen zeitweise sogar das Boxen gehörte.

Leichtathleten setzten Akzente

Nach dem 2. Weltkrieg setzten die Leichtathleten Akzente, brillierten die Basketballer. Handball, Schwimmen, Volleyball und Schach fanden eine attraktive Heimat. Ein echter Großverein entstand, der sich seit 2006 offiziell "ASC Dortmund - Sport-Club Aplerbeck 09 e. V." nennt.

Zum 100. Geburtstag erstreckte sich das Sportangebot immerhin auf sage und schreibe 13 Abteilungen. Ein besonderes Augenmerk wurde und wird auf die Nachwuchsarbeit in den unterschiedlichsten Disziplinen und Altersgruppen gelegt.

Fußball war das Herzstück

Das Herzstück des Klubs war aber stets der Gründungssport Fußball, der in den letzten Jahren einen stetigen Aufstieg erlebte. Von der Bezirksklasse ging der Weg kontinuierlich bergauf bis in die Oberliga Westfalen, in der man sich derzeit allerdings um den Klassenerhalt bemühen muss.

Seit 2013 ist der ASC übrigens Eigentümer der gesamten Sportplatzanlage "Waldstadion". Mit der Stadt Dortmund wurde ein entsprechender Vertrag geschlossen, der den Aplerbeckern ihr sportliches Herzstück langfristig sichert.