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Der nimmermüde Dirk Müller

16.08.2012 | 20:00 Uhr
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Der nimmermüde Dirk Müller
Klasseleistung in Bochum: Hier muss sich Dirk Müller (r.) im Sprint um Platz zwei nur dem Deutschen Meister Fabian Wegmann geschlagen geben.

Natürlich muss er sich immer wieder diese Frage gefallen lassen, die auch immer ein wenig unangenehm ist. Fragen nach dem Alter hören Sportler nunmal alles andere als gerne. Verständlich, geht’s doch dabei immer um den Stand der biologischen Uhr, der nachlassenden Leistungsfähigkeit und dem damit zwangsläufig verbundenen Ende der Laufbahn. All das scheint an Dirk Müller abzutropfen wie Wasser auf einer Öllache. Der Kapitän des Dortmunder Radsportteams „Abus-Nutrixxion“ ist vergangene Woche 39 Jahre alt geworden, offenbar kein bisschen müde und seit Jahren der Leistungsträger der Dortmunder Rad-Equipe. Nur zu gern erwähnt er in diesen Tagen die Olympische Silbermedaille von Sabine Spitz im Mountainbikerennen. Und die, so Müller, sei ja schließlich schon 40.
 Der Hinweis auf die Kollegin ist deutlich. Für Dirk Müller ist noch nicht Schluss, auch wenn er zugibt: „Natürlich mache ich mir intensiv Gedanken darüber, was nach meiner Radsportzeit kommt. Alles andere wäre auch fahrlässig.“ Andererseits liefert er in kürzester Reihenfolge Beweise für seine offenbar nicht nachlassende Leistungsfähigkeit. Zunächst wiederholte er bei der Deutschen Bergmeisterschaft in Urnau am Bodensee seinen Sieg vom Vorjahr, dann glänzte er vor Wochenfrist mit Platz drei beim Bochumer Sparkassen-Giro. „Wichtig war für mich, dass ich bei der Berg-DM die gleiche Zeit gefahren bin wie ein Jahr zuvor. Die Leistungsfähigkeit stimmt also noch“, sagt Müller.

Wie wichtig Erfahrung und Renngespür im Radsport ist, bewies der Hesse eindrucksvoll bei der Berg-DM am Bodensee. Wie im Jahr 2011 galt es in einem 8,4 Kilometer langen Bergzeitfahren mit 360 Höhenmetern eine Zeitbonifikation herauszuholen, um so beim zweiten Lauf eine optimale Startposition zu erzielen. Als Tagesschnellster fuhr er einen Vorsprung von 50 Sekunden heraus, den er sich am zweiten Tag nicht mehr nehmen ließ. Nutrixxion-Nachwuchsfahrer Mathias Wiele - und das war die eigentliche Überraschung des Wettkampftages - überquerte mit 1:07:25 Minuten Rückstand auf Müller die Ziellinie und konnte so ganz überraschend den zweiten Platz für sich verbuchen.

 Zwei Wochen später beim „Sparkassen-Giro“ in Bochum legte Müller dann nach. Nach 80 km feierten die enthusiatischen Zuschauer nicht nur Sieger Marcel Sieberg und den Zweitplatzierten Fabian Wegmann, sondern mindestens ebenso Dirk Müller auf Rang drei. „Dieses Rennen ist für mich wie ein Heimrennen. Mit diesen Zuschauern im Rücken fährst du gleich noch einen Tick schneller“, zeigte sich der Routinier angetan von der Gänsehautatmosphäre in Bochum.

Seit 25 Jahren im Sattel - DM-Sieg 2006 war Höhepunkt der Karriere

Natürlich genießt Müller diese Zeit, wohlwissend, dass irgendwann mal Schluss ist. Vielleicht schon am Ende des Jahres, vielleicht aber auch erst Ende 2013. „Die Gespräche laufen“, sagte Müller. Und man spürt deutlich. Über dieses Thema möchte er lieber noch nicht reden.

„Noch“, sagt der Mann, der 2006 nach dem Gewinn der Deutschen Meisterschaft nach Dortmund wechselte, „habe ich Spaß und Erfolg. Außerdem ist es schön, als Teamkapitän die Erfahrung einzubringen.“ Müller, der gebürtige Nordhesse aus Bad Hersfeld, ist ein ruhiger Typ, keiner, der lautstark seine Erfolge nach außen verkauft. Der 39-Jährige überzeugt durch Leistung, nicht nur durch Worte. Bei der Taiwan-Rundfahrt im Frühjahr wurde er Dritter, ebenso bei den „Fünf Ringen von Moskau“, einer hochklassig besetzten Rundfahrt.

Während der Bayern-Rundfahrt musste er krankheitsbedingt etwas kürzer treten, ehe die Auftritte bei der Berg-DM und in Bochum folgten. Und was wünscht sich ein erfolgreicher Sportler, der seit 25 Jahren im Sattel sitzt, um die Jahrtausendwende für das Team Telekom fuhr, in Italien bei Mapei unter Vertrag war, dann zurücktrat, um 2006 wieder auf die Rennstrecke zurückzukehren. In Klingenthal in Sachsen deklassierte er in eindrucksvoller Manier die versammelte Elite und holte sich den Straßentitel. Höhepunkt einer langen Laufbahn.

Im September will er noch ein weiteres Mal für Furore sorgen. Natürlich wieder in Asien, besser gesagt bei der Tour of China, der renomiertesten Rundfahrt in Asien. Die gewann er 2010. Zwei Jahr später will er zumindest auf dem Podium stehen.

Peter Kehl

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