Dank Phoenixsee: Segelboom im Herzen

Georg Sümer, Betriebsleiter bei der Stadtentwässerung, spricht gerne über den Segelsport auf dem Dortmunder Phoenix-See. Denn das, was sich auf dem rund 24 Hektar großen Gewässer in Hörde entwickelt hat, nachdem der See auf dem ehemaligen Stahlwerksareal Phoenix-Ost entstand, ist eine Erfolgsgeschichte.

Dortmund.. "Citynah im urbanen Raum segeln zu können, das ist eine tolle Gelegenheit. Dass es aber so einschlägt, hätte ich mir nicht vorstellen können", betont er. Gleich sieben gemeinnützige Vereine sind auf dem Phoenix-See unterwegs - einige von ihnen bilden hier Nachwuchs aus.

Yachtclub Phoenixsee

Der Yachtclub Phoenixsee etwa, der mit dem Dortmunder Stadtgewässer entstanden ist und schon "hunderte Mitglieder hatte, bevor überhaupt der erste Tropfen Wasser in die Grube gelassen wurde". Nicht unmaßgeblich habe der Club die Entwicklung in Sachen Segeln auf dem neuen See von Beginn an protegiert, unterstreicht Sümer.

Neben dem DSV-Jüngstenschein (7 bis 13 Jahre) auf 12 vereinseigenen Booten (Optimisten) gibt es für die Jungsegler, die sich schon im Besitz des Jüngstenscheins befinden, seit April Regattatraining auf 2-Mann-Jollen und für ganz Ambitionierte Segeltraining auf 1-Hand-Jollen.

Positive Entwicklung

Der Segelsport in Dortmund habe eine Entwicklung genommen, die "noch vor wenigen Jahren undenkbar gewesen wäre". Das Thema Segeln, sagt Sümer, sei zwar durch traditionsreiche Dortmunder Vereine schon platziert gewesen - diese hätten sich ihre Reviere aber zwangsläufig woanders suchen müssen. Die Sporthochseeschiffer-Vereinigung (SHV) etwa, Dortmunds ältesten Segelverein, die ihr Ausbildungsboot früher auf dem Möhnesee liegen hatten - und nun mit vier Schiffen und vier Optimisten-Jollen auf dem Phoenix-See fit für den Jüngstensegelschein machen.

"Jetzt gibt es eben die einzigartige Möglichkeit, einige Manöver auch hier fahren zu können", sagt Sümer.
Diese nutzt auch Dortmunds zweitältester Verein, der Universitäts-Segel-Club (USC). Fast 45 Jahre besteht er bereits, hat in der Zeit mehr als 3600 Menschen zum Segelsport gebracht. Drei Segeljollen stellt er seinen Mitgliedern auf dem Phoenix-See zur Verfügung. Die Ausbildung - in der der USC regelmäßig die größten Prüfungsgruppen im Ausschussbereich stellt - findet jedoch am zweiten Standort des USC auf dem Hengsteysee statt.

Es fehlen Kabinen

Warum? Man halte die Segelausbildung an diesem Standort zurzeit nicht für seriös, so der Vorsitzende Hajo Runge. Was fehle, seien die Räumlichkeiten. Duschen, Toiletten, Umkleidekabinen und Co., die unbedingt nötig seien, da Kenterübungen Pflicht seien - und auch ein unbeabsichtigtes Kentern nicht auszuschließen sei. Sobald es diese Vorkehrungen am Phoenix-See gebe, werde der Verein - der neben einer vereinseigenen Hochseeyacht in den Niederlanden insgesamt elf verschiedene Jollen hat - auch in Hörde Nachwuchs ausbilden.

Wann das ist? Dahinter steht ein Fragezeichen. Bereits zur Eröffnung des Segelrevier 2012 hätte der Sportstützpunkt stehen sollen - bis jetzt blieb die Wiese grün. Er wolle und könne dazu keine genaueren Wasserstandsmeldungen abgeben, so Sümer, der Bau liege in den Händen einer Investorengemeinschaft. Das Stützpunktgebäude fehlt - die Möglichkeiten für die Segler am Phoenix-See haben sich seit 2012 dennoch weiterentwickelt.

40 Liegeplätze

Von 80 Liegeplätzen am See stellt die Stadt rund 40 den Vereinen zur Verfügung, seit Beginn der Segelsaison 2014 steht am Südufer eine Steganlage zur Verfügung. "Das hat noch einmal für einen richtigen Push gesorgt", so Sümer - auch, was das Vereinsleben angehe: "So kann man auch mal zusammensitzen, Seemannsgarn spinnen, gemeinschaftliche Reparaturen machen."


Und für den Verein Sail Together e.V., der sich der Inklusion verschrieben hat und barrierefreies Segel möglich macht, eröffnet die Anlage neue Möglichkeiten: "Das ist ohne Frage ein Highlight in der Region - und durch die Stege können auch Rollstuhlfahrer besser mit eingebunden werden", so Sümer.

Auch Schulen auf dem See

Auch der Sport HochseeSegler Verein aktiv e.V., Kreuzknoten e.V. (Verein der evang. Kirchengemeinde Schüren) und der Deutscher Yacht Club e.V. sind auf dem Stadtsee unterwegs - ebenso wie das gewerbliche Adriatic Sailing Team. Und wie Schulen, die den Sport im Rahmen von Projekten für sich entdecken. "Das soll mehr Fuß fassen", so Sümer. Denn auf dem 24 Hektar großen Gewässer beginnt der Segler-Traum: Vom Phoenixsee aufs Meer. Zu einem echten Blauwassersegler.