Bundestrainer Holtmeyer hat die Qual der Wahl

Wenn Ruder-Bundestrainer Ralf Holtmeyer einen Wunsch frei hätte, er würde gerne mal "mit 16 Sportlern im Deutschland-Achter fahren, denn die Nominierung war diesmal wirklich schwierig". 20 Anwärter gibt es für die acht beliebten Rollsitze.

Dortmund.. Eigentlich ist es die Idealsituation für einen Trainer: 20 leistungsbereite und -starke Athleten (nebst zwei Steuerleuten) bieten sich Tag für Tag am Dortmund-Ems-Kanal mit zupackendem Einsatz für einen der Rollsitze im prestigeträchtigen Großboot an.

Präsentation am Donnerstag

Am Donnerstag nun präsentierte Holtmeyer das Ergebnis seiner Qual der Wahl: Mit dem neuen Schlagmann Hannes Ocik, Anton Braun und Maximilian Munski kehren drei Riemen-Recken in den Achter zurück, der am Monatsende bei der Europameisterschaft im polnischen Poznan seinen Titel verteidigen will. "Unser Ziel ist ganz oben", gibt Holtmeyer, der Mann, der das Paradeboot des Deutschen Ruderverbandes (DRV) zu zwei olympischen Goldmedaillen führte, unmissverständlich vor, "wir wollen die Position 1 in der Welt zurückholen."

Sein Blick geht dabei auf die britische Insel, wo der Sport und besonders das Rudern einen anderen Stellenwert besitzt. Besonders schmerzen die beiden Achter-Niederlagen gegen Großbritannien bei der WM 2013 und 2014. "Das geht mir langsam auf die Nerven", gesteht Athletensprecher Richard Schmidt, seit Jahren eine feste Größe im Olympiasieger-Boot, und erklärt weiter: "Die werden einfach besser unterstützt von ihrem Land, da ist mehr Geld im System. Aber wir sind gut drauf, versuchen sie auszukontern".

Wilo verlängert sein Engagement

Dabei hilft sicherlich der Hauptsponsor des Teams Deutschland-Achter, der Dortmunder Pumpenhersteller Wilo, der gestern sein Engagement bis 2020, also bis Olympia in Tokio, verlängert hat.

Die harte Arbeit am Ems-Kanal liegt klar auf Kurs Rio de Janeiro 2016, im vorolympischen Jahr aber werden die Grundlagen gelegt. Trainingslager in Italien, Spanien und in Dortmund haben die Athleten auf ein für den stets kritischen Trainer "gutes Niveau" gebracht, nach der EM in Polen werde man sehen, wo man stehe, so Holtmeyer.
Danach gebe es, wenn überhaupt, nur noch punktuell Umbesetzungen, grundsätzlich wolle er "keine Dauerselektion. Jeder, der drin sitzt, soll erst einmal Ruhe haben".

Entscheidener Schritt im August möglich

Den entscheidenden Schritt nach Rio können seine Mannen Ende August bei der Weltmeisterschaft im französsichen Aiguebelette machen: Kommt der DRV-Achter im Finale unter die Top 5, ist das Ticket gebucht. Olympiasieger Eric Johannesen stellt klar, bevor er gestern für die Fotografen ins Boot klettert: "Wir wollen zeigen, wer der Herr im Hause ist", und sein Wort duldet in diesem Augenblick keinen Widerspruch.