Borussinnen haben gegen Leipzig nichts zu verlieren
24.09.2008 | 18:46 Uhr 2008-09-24T18:46:00+0200
Jochen Busch schaute auf die Tabelle. „Wir spielen Donnerstag gegen den HC Leipzig und Samstag beim FHC Frankfurt - keine leichten Gegner”, sagte der Sportkoordinator der BVB-Handballerinnen.
Schließlich ist Frankfurt Tabellenführer (6:0), Leipzig Zweiter (4:0). Trotzdem widersprach Trainer Dieter Trippen: „Für mich sind das die leichtesten Spiele.” Was er meinte, liegt auf der Hand: gegen die Mannschaften aus Sachsen (heute, 19.30 Uhr, Halle Wellinghofen) und Brandenburg (Samstag, 16 Uhr) sind die Chancen auf den ersten Saisonsieg eher gering. Wenn die Borussinnen die Niederlagen in der englischen Woche in Grenzen halten könnten, wäre dies schon ein Erfolg. Im Grunde hat der BVB nichts zu verlieren und kann locker aufspielen. „Ich werde bei der Stadt noch eine zusätzliche Bank beantragen, damit der komplette Leipziger Kader Platz findet”, scherzte Busch. Von diesen Voraussetzungen kann Trippen nur träumen.
Eine Schwäche hat der Trainer beim HCL bislang nicht ausmachen können, zum einen, weil das versprochene Video aus Leipzig bis gestern noch nicht eingetroffen war, zum anderen, weil der Kader mit 20 Spielerinnen so groß ist, dass er alle Formschwankungen und Schwächen einzelner kompensieren kann. Der HCL wird professionell geführt, hat die größte Unterstützung in der Stadt und einen Etat, von dem der BVB nur träumen kann. Er wird gerne mit dem FC Bayern München oder dem THW Kiel verglichen. Beide sind ihren Konkurrenten um Meilen voraus.
Die Stars der Mannschaft, die einen starken skandinavischen Einschlag hat, sind Torfrau Katja Schülke (24 A-Länderspiele), Sara Eriksson (96 A für Schweden), Karolina Kudlacz (62 A für Polen), die hochtalentierte Susann Müller (13 A), Mette Ommundsen (5 A für Norwegen), Ulrike Stange (22 A) und Sara Holmgren (94 für Schweden).
Aber so ganz hat Trippen die Hoffnung nicht aufgegeben. Denn es ist ein wesentliches Merkmal des Sports, dass er nicht ausrechenbar ist und deshalb Überraschungen immer möglich sind. Und so weit brauchen die Fans, die sich an einen Strohhalm klammern wollen, gar nicht zurückdenken: 2005 siegte der BVB gegen den damals haushohen Favoriten Leipzig mit 23:22, 2003 mit 25:24 und 2002 sogar mit 32:22 (2004 gab es wegen des damals geänderten Modus kein Heimspiel).
Willemijn Karsten hat am Montag wegen ihrer Grippe noch pausiert, ist aber auf dem Weg der Besserung. Annika Busch verspürt wieder Schmerzen im Knie, dürfte aber alternativ auf der Bank sitzen. Sonst sind alle Mann, pardon: alle Frauen an Bord.
Die 23:24-Niederlage gegen Trier hat die Mannschaft verarbeitet. Die positive Erkenntnis: dass sie den gut besetzten Angriff des Gegners weitgehend neutralisiert hat, positiv auch, dass sie gegenüber Sulzbach die Anzahl der technischen Fehler minimiert hat (von 25 auf 8).
Doch unangenehm bleibt das Verhalten in Überzahl im Gedächtnis. Und die unsäglichen Fehlwürfe. „Ich habe mich fast heiser geschrieen”, sagt Trippen, „immer wieder habe ich gerufen: werft hoch! Was machen sie? Sie werfen flach.” Oder halbhoch, aber diese Bälle sind für eine schon beim Wurfansatz auf dem Hosenboden sitzende Torfrau ebenfalls noch erreichbar.
Wenn Trippen überhaupt um eine kleine Schwäche weiß, dann ist es die, dass die Leipziger den Gegner schon mal gerne unterschätzen. Damit sie das auch in Dortmund tun, schickte der listige Dortmunder Trainer dem HCL ein Video vom Spiel in Sulzbach: „Da hatten wir höchstens Oberliga-Format.”
INFO:
Die Handballerinnen des BVB sind auf den ungewöhnlichen Termin am Donnerstag ausgewichen, weil die Fußball-Profis am Mittwoch das Pokalspiel gegen Hertha hatten. Am Freitag steht regeneratives Laufen, eine Vi-deobesprechung und Bowling auf dem Trainingsplan. Nur 43 Stunden nach Leipzig erfolgt bereits der Anpfiff in Frankfurt an der Oder. Dorthin reisen die Borussinnen am Samstag, um 7 Uhr, per Bus an. Am 4. Oktober steht die Partie gegen Mitaufsteiger Frischauf Göppingen (19 Uhr, Halle Wellinghofen) auf dem Programm.
Danach folgt eine knapp dreieinhalbwöchige Pause, ehe der BVB am 28. Oktober (Dienstag Abend) beim VfL Oldenburg antritt.
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