Borussen setzen meisterlichen Schlusspunkt
13.04.2009 | 18:52 Uhr 2009-04-13T18:52:00+0200
Aufwühlende Momente hatten die Tischtennisspieler des BVB in dieser Saison zu Genüge. Erst stand die Zweitligazukunft der Abteilung auf der Kippe, das war schon aufregend genug.
Und als in letzter Sekunde doch noch die sportliche Perspektive gesichert war – wenn auch weiterhin in Liga zwei – war das nicht minder emotional. Doch ausgerechnet dem größten sportlichen Triumph in dieser Saison fehlte es an Spannung, dafür ging es zu deutlich zu. Mit dem 9:3-Sieg gegen den TTS Borsum feierten die Borussen die Meisterschaft in der zweiten Bundesliga.
Nach Martin Gluza vom TSV Schwalbe Tündern steht mit Florian Wagner vom TTC Ruhrstadt Herne der zweite Neuzugang für die nächste Saison fest.
Der 14-jährige Wagner zählt zu den stärksten Schülern Deutschlands und gilt als eines der größten Talente seiner Altersklasse.
Auch die letzte noch freie Position soll mit einem Jugendspieler besetzt werden. Es wird allerdings – so weit die Planung – kein deutscher Nachwuchsspieler sein.
Das letzte Spiel, das er für den BVB hätte absolvieren müssen, wäre eines der überflüssigsten in der Tischtenniskarriere des Jochen Lang geworden. Der Umstände wegen. Ein paar Minuten zuvor hatte Evgueni Fadeev noch genau an jener Platte, an der Lang nun stand, die Fäuste in die Luft gestreckt und danach, für alle gut sichtbar, acht Finger. Sollte heißen: Die acht Punkte haben wir, das Unentschieden gegen Borsum ist uns nicht mehr zu nehmen. Und damit die Meisterschaft.
Doch Sieger ist nunmal die Mannschaft, die neun Punkte gewinnt. So lange wird weitergespielt. Was die Aufgabe von Hermann Mühlbach werden sollte. Er führte gegen Kai-Olaf Matz bereits mit 2:0-Sätzen, im dritten 4:0. Und Matz machte keine Anstalten, den Borussen das Warten auf die Feier unnötig verlängern zu wollen. Doch Reglement ist Reglement, und das besagt: Solange Mühlbach seine Partie noch nicht beendet hat, muss sich das nächste Paar, Jochen Lang und der Borsumer Marius Hagemann, schon mal an die Platte begeben. Übers Einspielen kamen beide aber nicht mehr hinaus. Mühlbach, der Junior bei den Borussen, gewann Satz drei mit 11:1 und sorgte dafür, dass Lang, der Mannschafts-Senior, sich ganz aufs Feiern konzentrieren konnte. Es war das Ende einer ungewöhnlichen Partie: Spätestens nach der anfänglichen 3:0-Doppelführung war klar, das die Borussen eigentlich gar nicht mehr verlieren konnten.
Sie feierten den Titelgewinn so, wie sie sind: bescheiden. Ein paar Flaschen Sekt wurden geöffnet, danach die Meister T-Shirts verteilt. Schwarze Shirts, auf der Vorderseite bedruckt in Gelb: „TT-Meister 09” stand drauf. „Ganz schlicht”, witzelte Abteilungsvorstand Bernd Möllman, „unseren finanziellen Möglichkeiten angemessen.”
Es war nicht nur der Höhepunkt einer über Jahre erfolgreiche Mannschaft, und es war ihr Ende. Für die Hälfte der Mannschaft – Jochen Lang (zu Zweitligaaufsteiger Hamm), Sebastian Somorjai (Neuss) und Christoph Waltemode (Neviges) – war es das letzte Spiel. Dies ist der zweite Aspekt des Tages. „Jeder Abgang schmerzt”, sagte Borussias sportlicher Leiter Bertram Brust, „aber wird sind froh, dass die Spieler so gute Vereine gefunden haben.” Es gibt dem BVB auch die Möglichkeit, ein neues Team aufzubauen. Um die beiden Profis Wencheng Qi und Evgueni Fadeev und den Nachwuchsmann Herman Mühlbach herum. Es wird ein jüngeres Team werden, auch ein kostengünstigeres, „mit dem wir sicherlich nicht jedes Jahr Meister werden müssen”, blickte Möllman voraus.
Doch das ist Zukunftsmusik. Am Sonntag wurde die erfolgreiche Vergangenheit gefeiert. Nach dem Spiel haben sie vor der Halle noch ein bisschen gegrillt. Ein paar Fans waren dabei, die Spieler aus Borsum auch. Wie man das so macht in einer großen Familie.
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