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Bewegung im Deutschland-Achter

17.05.2011 | 19:34 Uhr

Dortmund.Der Deutschland-Achter des Jahrgangs 2011 steht vor einer schwierigen Mission. Der Weltmeister der vergangenen beiden Jahre soll im September bei der WM in Bled in Slowenien seinen Titel verteidigen, gleichzeitig aber laufen die Planungen für die Olympischen Spiele 2012 in London schon auf Hochtouren. Der Kampf um die wohl begehrtesten Rollsitze im Deutschen Rudersport ist im vollen Gange, zumal der Kader 14 Athleten umfasst. Um die Position des Schlagmanns bewerben sich gleich zwei aussichtsreiche Kandidaten. Zumindest zu Saisonbeginn in München wird Kristof Wilke den Vorzug erhalten.

Gestern Vormittag im Ruderleistungszentrum am Dortmund-Ems-Kanal. Der Deutschland-Achter und der Vierer ohne Steuermann werden der Öffentlichkeit vorgestellt. Der neue Sponsor „Wilo SE“ ebenfalls. Das Dortmunder Traditionsunternehmen sieht sich als Teil der Mannschaft, hat die Jungs samt Boot zur Betriebsversammlung eingeladen. „Unsere Mitarbeiter identifizieren sich mit den Ruderern. Wir sind Fans und Förderer des Achters“, sagte Wilo-Chef Oliver Hermes.

In der hinteren Reihe sitzt Sebastian Schmidt, der das Aushängeschild des DRV in den vergangenen beiden Jahren als Schlagmann zum WM-Titel führte. Schmidt macht alles andere als ein glückliches Gesicht, sieht ziemlich zerknirscht aus, der Kiefer malmt. Denn soeben musste der Medizinstudent aus Bochum hören, dass er nicht mehr im Achter sitzt, sondern mit dem Vierer vorlieb nehmen muss. Natürlich wusste er es schon länger - und dennoch tut es sichtlich weh.

Bundestrainer Ralf Holtmeyer ist um Normalität bemüht, versucht alles zu erklären. „Das Aufgebot für den Weltcup in München ist ja nicht endgültig. Aber wenn wir jetzt nicht etwas Neues ausprobieren, wann denn sonst. Es kann ja sein, dass ein Schlagmann kurz vor Olympia krank wird. Und was machen wir dann?“, sagte Holtmeyer. Der erfahrene Bundestrainer, der das Gerangel um die Position des Schlagmannes ja nicht zum ersten Mal seit Beginn seiner Bundestrainer-Karriere im Jahre 1985 erlebt, ist bemüht, der Situation die Schärfe und Brisanz zu nehmen: „Wie kann ich gucken, ob Kristof ein guter Schlagmann ist, wenn ich ihn nicht einsetze. Und Sebastian bekommt in Hamburg ja auch wieder seine Chance. Ich bin froh, dass er um seinen Platz kämpft.“

Das scheint den in den Vierer versetzten Schmidt alles nicht zu interessieren. Der 26-Jährige gilt als extrem ehrgeizig („Holtmeyer: „Selbst beim Fußball will er jedes Spiel gewinnen“). „Mein Ziel ist es nicht, Vierer zu fahren. Ich will in den Achter zurück - und ich muss auch nicht auf Schlag sitzen. Warum ich nicht im Achter sitze, das müssen Sie den Trainer fragen“, sagte Schmidt in die Runde der Journalisten. Seine Verärgerung darüber kann und will er auch nicht verbergen.

Die Gratwanderungen zwischen gesundem Konkurrenzkampf und Unruhe im Team ist ausgesprochen schmal. Das weiß auch Holtmeyer. Und Neu-Schlagmann Wilke, der mit der Situation ganz locker umgeht. 2008 sei er Leidtragender der geschlossenen Gesellschaft gewesen. Deshalb sei er für Offenheit und Durchlässigkeit, so Wilke: „Ich sehe das nüchtern. Ich muss nicht auf Schlag sitzen, ich hab’ mich auch auf Position drei oder vier wohlgefühlt.“

Eine aufregende Zeit steht bevor, und ein kurzweilige dazu. 14 Monate sind es noch bis zu Olympia in London. Im September steht der erste Höhepunkt mit der WM in Bled an. Danach geht es in drei Trainingslager. Die „Operation London 2012 “, sie begann gestern in Dortmund.

Peter Kehl

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