Beim BVB brodelt es - Busch erhält anonyme Anrufe

In der Dortmunder Jugendhandball-Abteilung brodelt es weiter, und offenbar werden zunehmend die Regeln des Anstands und des vernünftigen Umgangs miteinander verletzt. Sechs Anrufe erhielt Jochen Busch am Samstag in der Mittagszeit, "ich solle aufpassen, dass mit meinen Kindern nichts passiert", so die unverhohlene Drohung.

Dortmund.. "Sicher kein angenehmes Gefühl", sagte der Sportliche Leiter der BVB-Frauen auf Anfrage. Er wolle den Vorgang nicht dramatisieren, aber zu denken gebe ihm diese Aktion schon, zumal auch noch die Nummern aller Anrufer unterdrückt waren. Jochen Busch hat fünf Kinder im Alter zwischen 15 und 27 Jahren.

"Schlechter Stil"

Am selben Samstag hatte diese Redaktion berichtet, dass ein Großteil der Spielerinnen der aktuellen A-Jugend beim BVB keine Zukunft mehr habe. Dies war den Mädchen und den betroffenen Eltern auf der Tribüne der Halle Wellinghofen mitgeteilt worden, während unten der Trainingsbetrieb der 1. Mannschaft lief. Eine Spielermutter hatte dem BVB daraufhin "schlechten Stil" vorgeworfen, Jochen Busch hatte eingeräumt, dass es sicher "nicht optimal" verlaufen sei.

Neben den anonymen Anrufen, fünf Männer, eine Frau, erhielt Jochen Busch noch eine weitere Nachricht. Im Autohaus Ebbinghaus sei ein verärgerter Anruf eingegangen, ebenfalls anonym, in dem das Autohaus mit Hinweis auf den Artikel gefragt wurde, ob es sich als Sponsor richtig positioniert habe oder nicht doch lieber eine gezielte Jugendförderung in Dortmund unterstützen sollte.

Kooperation mit dem ASC

Jochen Busch gibt sich leicht "geschockt, welche Ausmaße die Sache" annimmt, "das steht in keinem Verhältnis". Den Spielerinnen sei die Perspektive eröffnet worden, künftig beim ASC Dortmund zu spielen, mit dem die Borussia gerade eine Kooperation eingegangen ist.


Ildiko Barna betonte, die Auswahl sei streng leistungsbezogen erfolgt. "Wir haben sehr genau hingesehen, und wir schicken kein Talent weg, das aus unserer Sicht höheren Ansprüchen genügt. Wenn wir das tun würden, hätten wir doch nicht alle Tassen im Schrank", sagte die Trainerin der BVB-Frauen. Der BVB habe sich für diesen Weg "Klasse statt Masse" entschieden, "wir wollen sehr starke Mannschaften von der E- bis zur A-Jugend haben".

Kein Hobby, sondern Leistungssport

Es gehe darum, das Beste herauszuholen für den Verein, die besten Strukturen zu schaffen, qualifizierte Trainer zu verpflichten und diesen Weg mit Spielerinnen zu gehen, die diesen Belastungen gewachsen seien und die auch wirklich das nötige Talent mitbringen. "Das ist mehr als Hobby, das ist mit steigendem Alter eben Leistungssport." Und gerade die A-Jugend solle in der Bundesliga eine gute Rolle spielen.

Ildiko Barna versicherte, man werde die Spielerinnen beim ASC auf keinen Fall aus den Augen verlieren, jede Spätentwicklerin könne jederzeit auf sich aufmerksam machen. Und eine große Bitte hat die BVB-Trainerin noch: "Es darf im Sinne des Sports nicht darum gehen, sich gegenseitig zu schlagen."