Barna, Heiermann und Busch über die neue Saison

Die Mission Aufstieg ist mit Bravour geglückt, der Blick geht entschlossen nach vorn. Die Handball-Abteilung von Borussia Dortmund plant die Erstliga-Saison, die am 12. September beginnt. Dirk Krampe und Gerd Strohmann sprachen mit Trainerin Ildiko Barna, Abteilungsleiter Andreas Heiermann und dem sportlichen Leiter Jochen Busch über Ziele, Visionen, Möglichkeiten und Wünsche.

Dortmund.. Selten wurde ein Verein derart vom Verletzungspech gebeutelt wie die Borussia, trotzdem wurde das große Ziel Aufstieg erreicht...
Andreas Heiermann: Ja, weil es Jochen Busch und Ildiko Barna unter schwierigsten Bedingungen immer wieder gelang, neue Spielerinnen, die auch charakterlich passten, für uns zu begeistern. Und ohne die finanzielle Unterstützung des Hauptvereins wäre das nicht möglich gewesen. Welcher Klub kann es sich schon leisten, nachzurüsten. Das muss in aller Demut mal gesagt werden.


Die neuen Namen klingen schon wieder sehr verheißungsvoll...
Ildiko Barna: Allein schon mit Clara Woltering, Anne Müller und Nadja Nadgornaja haben wir sicher drei absolut erstklassige Neuverpflichtungen. Aber jede muss sich erst einmal reinfinden, wir haben gerade in der letzten Saison vom Teamgeist gelebt, das muss so bleiben, das gilt es zu vermitteln. Sie müssen sich wohl in diesem Verein fühlen.
Andreas Heiermann: Und wir leiden auch nicht an Großmannssucht. Viele Spielerinnen machen finanziell Riesen-Abstriche. Das alles geht nur über den Namen und die Reputation der Trainerin, das geht nur über die gute Marke Borussia Dortmund im deutschen Handball und dann auch über das entsprechende Umfeld, etwa Studienmöglichkeiten.
Jochen Busch: Wir dürfen bitte bei all den Neuverpflichtungen nicht vergessen, dass wir die Voraussetzungen für eine glänzende Nachwuchsarbeit geschaffen haben. Jede Jugendmannschaft spielt in der höchsten Klasse. Wir haben einen regen Zulauf an jungen Talenten und wir wollen Talente an den Erstliga-Kader heranführen. Diesen Weg wollen wir weitergehen, wir wollen nicht nur Geld abgeben.

Was wird die größte Herausforderung in der neuen Saison sein?
Ildiko Barna:
Es wird wieder ganz große Veränderungen im Team geben. Wir werden mit einer neuformierten Mannschaft in einer neuen Klasse spielen. Und das alles geht nur in kleinen Etappen.


Neuformiert heißt aber auch, dass einige der Langzeitverletzten ja auch wieder zurückkehren...
Ildiko Barna: Ja, Carolin Schmele ist hoffentlich zum Saisonstart wieder dabei, und Virag Vaszari, die vor ihrem Kreuzbandriss in der letzten Saison nur wenige Spiele machen konnte, hoffentlich auch. Sie wäre quasi ein weiterer Neuzugang.
Jochen Busch: Leider gibt es aber schon wieder schlechte Botschaften. Torfrau Mandy Burrekers wird nach einer Hüftoperation in diesem Jahr wohl nicht mehr spielen, Nelly Kovacikova muss jetzt auch am hinteren Kreuzband operiert werden, und Rafika Ettaqi fällt nach einer Schulteroperation vier Monate aus.


Also doch wieder Abstiegskampf pur in der ersten Liga?
Andreas Heiermann: Wir sind völlig anders aufgestellt als bei den letzten Aufstiegen, als wir eigentlich von vorn herein chancenlos waren. Wir gehen nicht mit einer Abstiegsangst in die Saison, wir müssen uns nicht verstecken, wir sind in einer Situation, in der wir gegen jeden gewinnen können.
Jochen Busch: Wir werden das Ganze sehr besonnen angehen. Da sind sicher viele, die uns wegen der klangvollen Namen schnell nach oben heben wollen. Wir wollen einen gesicherten Mittelfeldplatz und nichts mit dem Abstieg zu tun haben.
Ildiko Barna: Es wird ganz wichtig sein, ruhig zu arbeiten. Wir hatten in der letzten Saison keinen Druck, und das hat uns sehr gut getan. Das darf diese Saison nicht anders sein.

Das heißt diese Saison als Zwischenetappe für höhere Ziele?
Andreas Heiermann: Wir wollen natürlich die Früchte unseres Aufbaus ernten. Die Grundlagen sind gelegt, wir wollen eine richtig gute Mannschaft etablieren und konsolidieren. Die Marschtabelle sieht drei Jahre vor, im dritten Jahr wollen wir dann unter den ersten Drei der Tabelle sein. Das muss unser Anspruch sein. Und keine Sorge: Das Ganze bleibt finanziell im Rahmen.


Wird dann auch in einer neuen Halle gespielt?
Andreas Heiermann: Die Halle Wellinghofen ist sicher nicht erstliga-würdig, die Umkleiden sind eigentlich unzumutbar, da ist noch ganz, ganz viel Luft nach oben. Aber es gibt nichts verbindliches zu vermelden bezüglich einer neuen Halle. Es liegt vor allem an der Finanzierung, und wir dürfen auch nicht zuviel vom Verein verlangen. Aber natürlich muss auch allen klar sein, wie wichtig ein Handball-Bundesligist für den Standort Dortmund ist. Zumal wir auch optisch eine sehr attraktive Mannschaft haben.
Jochen Busch: Natürlich wäre ein neues Wohnzimmer für die den Dortmunder Handball sehr schön. Wir wären glücklich, wenn wir künftig 1500 Zuschauer im Schnitt empfangen könnten. Damit würden wir bei den Fans im ersten Drittel der Bundesliga liegen.


Wird es in der neuen Saison auch wieder zu einer Zusammenarbeit mit einem Mental-Coach kommen?
Ildiko Barna: Wir haben sie in der letzten Saison punktuell eingesetzt, sie hat super Arbeit geleistet, die Mädels waren begeistert. Bei Bedarf werden wir das gern wiederholen. Aber die Bedürfnisse sind unterschiedlich: Einige der Spielerinnen lehnen Einzelgespräche ab.

Am Ende haben Sie alle einen Wunsch frei...
Ildiko Barna: Bitte, bitte keine Verletzten mehr. Und es wäre schön, wenn wir jetzt schnell unsere Kaderplanungen abschließen könnten und uns dann alle im Urlaub erholen können.
Andreas Heiermann: Es wäre schön, wenn die Handball-Abteilung noch mehr mit dem Hauptverein verschmilzt. Es ist immer schön zu sehen, wenn bei den Bayern-Basketballern Uli Hoeneß und Bastian Schweinsteiger auf der Tribüne sitzen. Aber ich bin da sehr zuversichtlich.
Jochen Busch: Ich hoffe, dass wir wieder ein richtiges Handball-Fieber in Dortmund entfachen. Und dass wir bei den Neuverpflichtungen weiter ein so glückliches Händchen haben.