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Ruderer müssen auf den...

Aus Spanien zurück in Dortmunds Winter

12.01.2010 | 19:03 Uhr
Aus Spanien zurück in Dortmunds Winter

Allein schon der Gedanke sorgt für ein kräftiges Frösteln, das ganz schnell zu einem kräfigen Schüttelfrost wird. Bei diesem Wetter auf dem Dortmund-Ems-Kanal rudern?

Auf dem Wasser treiben dünne Eisschollen, das Ufer dick mit Schnee bedeckt, ein unangenehm kalter Wind pfeifft übers Wasser, die stählernen Spundbohlen versprühen den spröden Charme eines verrotteten Eisschranks.

Gerade sind Dortmunds Elite-Ruderer aus Spanien zurückgekehrt, jetzt müssen sie erstmal den Bootssteg vom Schnee befreien, die Boote vom Anhänger holen, das Material ins Bootshaus tragen. Und wollen sie die nächsten Tage nicht ausschließlich auf dem Ergometer trainieren, müssen sie auf die Suche nach eisfreiem Wasser gehen.

„Solange einzelne Schollen auf dem Wasser treiben, geht gar nichts. Dafür sind die Boote viel zu empfindlich”, erklärt U 23-Trainer Peter Thiede. Es sind also diese schmalen, sündhaft teuren Sportgeräte aus Carbon und Kohlefaser, die Probleme machen, nicht die Athleten. „Wir rudern das ganze Jahr durch, egal welches Wetter herrscht, ob Schnee oder Regen. Nur bei Eis läuft nichts mehr”, sagte Bundestrainer Ralf Holtmeyer. Empfindliche Naturen sind an der falschen Stelle.

Jetzt sitzen diese harten Jungs im warmen Kraftraum, schwitzen wie in der Sauna und ziehen mit gewaltiger Kraft an den Griffen ihrer Ruder-Ergometer. Knappe 600 Watt bringen die Kräftigsten zustande. Zum Vergleich: Otto-Normalsportler schafft vielleicht 200 Watt - und müsste danach einen Krankenschein einreichen. Die Ruder-Hünen knüppeln Tag für Tag zweimal 45 Minuten.

Natürlich sei das ein guter Ausgleich für das Training im Boot, aber eben nicht auf Dauer, so Ex-Achter-Steuermann Peter Thiede. Das Bootsgefühl gehe verloren. Und wenn man nach drei Wochen wieder an die Riemen müsste, dann würde es schnell schmerzhafte Blasen an den Händen geben, so der Ex-Steuermann.

Also hinauf aufs Wasser, so schnell wie möglich. Angeblich soll der Kanal hinter Waltrop eisfrei sein, hat Thiede herausgefunden. In der Höhe von Castrop-Rauxel soll ebenfalls ein normales Training möglich sein. Aber was heißt schon normal in diesen Tagen bei Eis und Schnee?

Noch wird Ralf Holtmeyer nicht nervös. Ein Zustand, der ungefähr eine Woche lang hält. „Eine lange Pause dürfen wir uns nicht erlauben, in Sevilla haben wir zwei Wochen lang gut gearbeitet, jetzt müssen wir nachlegen”, forderte der Bundestrainer, den auch nach 21 Jahren in verantwortlicher Position offensichtlich kaum noch etwas aus der Ruhe bringen kann. Gelassenheit scheint in diesem Job allerdings auch nötig zu sei, wie die letzten Wochen beweisen. Das Trainingslager in Sevilla fiel zwar nicht ins Wasser, doch in auch Südspanien regnete es zeitweise kräftig. Und dann die Rückreise. Während sich die knapp 50 Athleten aus dem Dortmunder Stützpunkt per Flugzeug auf den Rückweg machen wollten - und dabei eine wahre Odyssee mit witterungsbedingten Flugverschiebungen und -ausfällen erlebten - legten Bundestrainer Holtmeyer und Bootsmeister Markus Schmitz den 2400 km langen Weg im Transporter zurück. Im Schlepptau ein riesiger, fast vier Meter hoher und zehn Meter langer Anhänger mit 24 Booten. Nach mehr als 30 Stunden durch das verschneite Spanien und Frankreich hatten sie ihr Ziel in Deusen erreicht. Und standen schon wieder mitten in einer prächtigen Winterlandschaft.

Peter Kehl

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