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Am Tiefpunkt angelangt

11.02.2010 | 20:06 Uhr
Am Tiefpunkt angelangt

Früher war Dortmund eine Radsporthochburg, knapp 20 Rennen wurden hier im Jahr veranstaltet. Übriggeblieben sind davon nur noch vier - die Stadt, die sich jahrelang einen erfolgreichen Kampf gegen die Konkurrenz aus Köln lieferte, ist quasi in der Versenkung verschwunden.

Die Zeiten, in denen die Radsportsaison in NRW durch die Traditionsverstaltung „Rund um den Nordmarkt” in Dortmund eröffnet wurde, liegen schon so lange zurück, dass sich nur noch die Älteren daran erinnern. Möchte man meinen. Stimmt aber nicht. Gerade 15 Jahre ist es her, dass am Nordmarkt Sport getrieben wurde.

Vor 15 Jahren gab es noch fast 20 Radrennen in Dortmund, im Jahre 2010 sind es noch ganze vier Rennen. Auch der RSV Wellinghofen mit seinem Bergkriterium hat nach 24 Austragungen das Handtuch geworfen. Wer gedacht hatte, dass die Wellinghofer zumindest noch das Jubiläumsrennen über die Bühne bringen würden, der sah sich getäuscht.

Der Tiefpunkt sollte damit erreicht sein. Das ist jedenfalls die durchaus traurige Auswertung des Jahreskalenders NRW 2010, der insgesamt 109 Renntage vorsieht. Die einstige Hochburg Dortmund, die sich jahrelang einen erfolgreichen Kampf gegen die Konkurrenz aus Köln lieferte, ist mit ihren vier Rennen quasi in der Versenkung verschwunden.

Günter „Bill” Schäfer ein einsamer Kämpfer

Man fragt natürlich nach dem Warum. Denn wenn eine Fast-Millionen-Stadt wie Köln trotz noch größerer Verkehrsprobleme mehr als 20 Rennen auf die Beine stellen kann, kann das Argument „Radsport in Großstädten läuft nicht mehr” nicht wirklich als Begründung herhalten. In Dortmund, so heißt es jedenfalls, seien die Kosten und Auflagen für die zahlreichen Helfer besonders hoch, die Sponsoren dagegen ausgesprochen selten.

Abgefahren: Wer professionellen Radsport sehen will, muss ausweichen.

Einsamer Kämpfer ist noch immer Günter „Bill” Schäfer, der Vorsitzende von Curve Brackel. Schäfer stellt - trotz aller Probleme - noch zwei Rennen auf die Beine - den Großen Westfalenpreis am 13. Mai und das Rad-Championat am 4. September. Nur einen Tag nach dem Westfalenpreis startet zum 36. Mal das Dortmunder Nachtkriterium des RV Sturmvogel. Eine Auflage mehr bringt sogar noch der RuMC Sturm Hombruch mit seiner 37. Int. Meisterschaft von Dortmund zustande.

Von 20 Fragebögen kamen acht zurück

„Ob der Tiefpunkt damit erreicht ist, kann ich nicht wirklich beantworten, es geht ja noch tiefer”, sieht Peter Laudanski, der Vorsitzender der Interessensgemeinschaft der Dortmunder Radsport-Vereine, noch pessimistischer in die Zukunft. Laudanski muss es wissen, er sitzt sozusagen an der Quelle. Zuletzt verschickte der Hombrucher einen Fragebogen an die Vereine, um deren Nöte und Probleme zu erfahren. Von 20 Fragebögen kamen acht zurück. Da sei schon traurig, so Laudanski.

Auf die Mitarbeit der Vereine kann Laudanski offenbar nicht zählen, also wählte er einen anderen Weg. Im kommenden Jahr soll eine U 19-Rennmannschaft in Zusammenarbeit mit dem Team Nutrixxion entstehen. Erste Gespräche mit Nutrixxion-Chef Mark Claußmeyer seien schon positiv verlaufen, so Laudanski.

15 Kilometer weíter funktioniert es

Wer professionellen Radsport sehen will, muss also ausweichen. Zum Beispiel nach Bochum. Dort veranstaltet der Dortmunder RC Olympia seit Jahren den Sparkassen Giro. Höchst erfolgreich und mit geschätzt 250 000 Zuschauern am Wochenende. Warum funktioniert dies, nur 15 Kilometer Luftlinie entfernt, und in Dortmund nicht? Ganz richtig ist das auch wieder nicht. Denn bis vor einigen Jahren lief auch das Continentale-Classic auf der Kleppingstraße „wie geschnitten Brot”.

Als der Veranstalter dann aber wegen eines genau 60 Minuten zu früh aufgestellten Absperrgitters eine Anzeige und die Zahlungsaufforderung über 1 000 Euro erhielt, war's auch um dieses kostenlose Sportereignis für Dortmunder Fans geschehen.

Peter Kehl

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