Abstiegskampf - nicht Wilke gegen Happe
15.02.2010 | 19:15 Uhr 2010-02-15T19:15:00+0100
An der Niederlage gab es nichts schön zu reden. Wer von einem Zweitligisten über lange Zeit so beherrscht wird (1:5, 3:10, 15:21, 25:30, Endstand 27:30), kommt nicht umhin, seine eigene Klasse in Frage zu stellen.
Und wird vermutlich desillusioniert, wenn er - wie im Fall der BVB-Handballerinnen - von den letzten sechs Spielen fünf gewinnen muss, um den Kampf um den Klassenverbleib erfolgreich zu bestehen.
„Der Sieg der Nellinger war verdient”, sagte Jochen Busch, der Sportliche Leiter, „wir haben einfach nur schlecht gespielt.” Aber um den Damen gerecht zu werden, muss man auch berücksichtigen, dass „wir zuvor achteinhalb Stunden im Bus gesessen haben. Allein für die letzten 130 Kilomter brauchten wir über drei Stunden. Und dann kann niemand - weder Fußballer, Handballer oder Leichtathleten - seine Bestleistung abrufen.” Um 10:30 Uhr hatte sich der BVB-Bus am Freitag auf den Weg nach Ostfildern (bei Stuttgart) gemacht „und dabei auch die winterlichen Bedingungen miteinbezogen. Aber mit achteinhalb Stunden Fahrzeit war nicht zu rechnen.” Was tun? Geld für eine Übernachtung war nicht da...
Das Pokalaus war nicht der einzige Grund für die gedrückte bis schlechte Stimmung. Auch seine Veröffentlichung der Namen, mit denen Abteilungsleiter Andreas Heiermann den Neuaufbau einleiten will, hat Spuren hinterlassen. Tessa Cocx, Gesine Paulus und Inge Roelofs fehlen auf diesem Papier. Dabei sollten die Spielerinnen eigentlich bis zum vorentscheidenden Spiel gegen Trier am Samstag die Chance erhalten, sich zu empfehlen. Alles nur ein Missverständnis?
Dass es dabei zu dem Duell der beiden erfolgreichsten und prägendsten BVB-Trainer kommt, die jeweils einen Titel mit den Borussinnen gewann (Wilke Pokalsieg 1997, Happe Challenge-Cup 2003) und insgesamt fast 17 Jahre in Amt und Würden sind bzw. waren (Wilke 11 Jahre, Happe 5,5), sorgt zusätzlich für einen gewissen Reiz. „Doch es darf nicht heißen Wilke gegen Happe oder Happe gegen den BVB, sondern allein Kampf um den Klassenverbleib”, fordert Busch den Blick auf das Wesentliche.
Im letzten Jahr blieb die Borussia durch den Lizenzentzug von zwei Klubs (Rhein-Main-Bienen, 1. FC Nürnberg) in allerletzter Sekunde in der Liga. Die Anfrage des Ligaverbandes kam im Juni. „Solch ein Spielchen würden wir nicht mehr mitmachen”, sagt Busch, „wir hatten keine faire Chance uns vorzubereiten.” Die Meldefrist läuft am 31. März ab, eine Fristverlängerung für Insolvenz- oder Rückzugs-Kandidaten gibt es nicht mehr. Die Gerüchteküche brodelt schon wieder...
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