Absage stößt in Vereinen auf wenig Gegenliebe

Wie berichtet, haben die Verantwortlichen des Stadtsportverbandes (SSV) beschlossen, 2016 keine Jugendfußball-Stadtmeisterschaften stattfinden zu lassen. Der Tenor aus den Vereinen dazu ist nahezu einhellig: Bei allem Verständnis dafür, dass das Verhalten einiger Betreuer und Eltern zu verurteilen ist, sei eine Absage die falsche Entscheidung.

Schwerte.. "Ich bin seit acht Jahren mit meinen Jungs dabei und fände es schade, wenn diese beliebte Veranstaltung nicht mehr stattfinden würde. Vieles bei so einem Turnier ist eine Frage der Kommunikation, da hat es diesmal leider gehapert. Es war zum Beispiel nicht klar, ob mit oder ohne abseits gespielt wird. Da ist dann der Ärger vorprogrammiert", sagt Rosario Frustace, B-Juniorentrainer des TuS Holzen-Sommerberg.

Frustace weiter: "Es ist klar, dass nach diesem Turnier ein Gedankenaustausch stattfinden muss. Aber jetzt zu sagen, wir lassen es sein, finde ich Quatsch."

Frustaces Trainerkollege der SG Eintracht Ergste, Markus Leyk, stößt ins selbe Horn und berichtet von Reaktionen seiner B-Jugendspieler, die gerade Stadtmeister geworden sind: "Die regen sich alle tierisch auf und sind enttäuscht. Für viele ist die Stadtmeisterschaft der Höhepunkt des Jahres - gerade, weil nicht alle Vereine in einem Kreis spielen und man nur auf der Stadtmeisterschaft die Gelegenheit hat, mal gegen Klassenkameraden zu spielen."

Von "gemischten Gefühlen" spricht Nicole Finkhaus, Jugendleiterin des SC Hennen. Sie selbst war am Freitagabend bei den hitzigen Diskussionen am Rand des B-Jugendturniers mittendrin. "Im Nachhinein tut es mir leid, dass es so emotional geworden ist, dafür habe ich mich auch persönlich und im Namen des SC Hennen bei Jutta Krüger entschuldigt", sagt Finkhaus.

Das wichtigste Turnier

"Einfach nur schade" sei es aber, dass die Turniere 2016 nicht stattfinden sollen. "Für die Kinder ist es das wichtigste Turnier des Jahres. Und das Fehlverhalten lag auf Seiten der Erwachsenen", stellt Finkhaus fest. Falls es bei der Absage bleibe, regt sie an, dass die Vereine sich untereinander kurz schließen und eine inoffizielle Stadtmeisterschaft ausspielen könnten.

Zwiegespalten ist auch Michael Kipka, Jugendleiter des Geisecker SV. "Auf der einen Seite kann ich die Verantwortlichen verstehen. Aber mir missfällt, dass eine Kollektivstrafe ausgesprochen wird. Das ist nicht im Sinne des Sports und ist letztlich eine Kapitulation vor den Störenfrieden", meint Kipka.

Nicht erst hü, dann hott

Es gibt aber auch einen offiziellen Vereinsvertreter, der der Denkpause nicht negativ gegenübersteht: Heiko Fedeler, Jugendleiter des Ausrichters VfL Schwerte und als Turnierleiter an allen drei Tagen mitverantwortlich für den Ablauf, sieht es so: "Sicher waren Ausrichter und Stadtsportverband nicht ganz unschuldig - man hätte konsequenter entscheiden müssen und nicht erst hü, dann hott. Aber man muss auch sagen, dass der eine oder andere beinahe durchdreht. Das hat Ausmaße angenommen, die gar nicht gehen." Deshalb sei eine einjährige Pause vielleicht gar nicht so schlecht.

"Aber die Stadtmeisterschaften dauerhaft abzuschaffen, wäre über das Ziel hinausgeschossen. Dazu werden sie viel zu gut angenommen. Und prinzipiell sind sie ja auch eine tolle Sache."

Hallenmeisterschafts-Termin schon storniert

Dass die Entscheidung, die Jugendfußball-Stadtmeisterschaften aus dem Schwerter Sportkalender 2016 zu streichen, bei den Vereinen keine Beifallsstürme auslöst, dürfte dem Stadtsportverbandsvorsitzenden Heiner Kockelke klar gewesen sein.

Kockelke unterstreicht, dass es sich bei der Entscheidung um keinen Schnellschuss gehandelt habe und dass es bei der "Denkpause" 2016 bleibe - auch wenn es wenig Zustimmung aus den Vereinen gibt. "Ich habe mir schon anhören müssen, ich mache den Schwerter Jugendfußball kaputt", berichtet Kockelke.

Auf den Einwand, dass man mit einer Kollektivstrafe auch die Falschen bestrafe, sagt der Stadtsportverbands-Chef: "Das ist eben so bei Gesetzgebungen." Er stehe zu seiner Entscheidung, so Kockelke. Den für die Hallentitelkämpfe 2016 in der Alfred-Berg-Sporthalle geblockten Termin Mitte Januar nächsten Jahres habe er bei den Verantwortlichen der Stadt Schwerte schon storniert.