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20 Minuten lang darf der BVB träumen

05.02.2012 | 16:38 Uhr
20 Minuten lang darf der BVB träumen
Mit zehn Treffern erfolgreichste Spielerin: Die Borussin Svenja Spriestersbach.

Das Ergebnis war standesgemäß. Mit 36:26 setzte sich Handball-Bundesligist Bayer Leverkusen gegen den BVB im Achtelfinale des DHB-Pokals durch. Die Dortmunderinnen durften dennoch erhobenen Hauptes vom Parkett gehen. Sie hatten sich achtbar geschlagen,die Partie aber nur bis zur 20. Minuten ausgeglichen gestalten können.

Am Ende eines unterhaltsamen Handball-Abends waren alle Beteiligten zufrieden. Mehr oder weniger. Die Fans - offiziell waren es 403 - in der gut gefüllten Halle Wellinghofen, weil sie endlich mal wieder Erstliga-Handball sehen und feiern durften. Renate Wolf, die Trainerin von Bayer Leverkusen, weil ihre Mannschaft ohne ganz große Mühe ins Viertelfinale des DHB-Pokals einzog. Und Alice Vogler, die Trainerin des BVB, weil sich die Pokal-Niederlage gegen den Bundesliga-Dritten mit 26:36 (12:19) noch einigermaßen im Rahmen hielt.

Zweifel, der wer das Parkett als Sieger verlassen würde, gab es zu keinem Zeitpunkt. Die Verhältnisse waren einfach zu deutlich. Wann immer es nötig war, legte Leverkusen einen Gang zu, zog das Tempo an und spielte seine physischen und technischen Vorteile locker aus.

Und dennoch durften die Borussinnen träumen. Auch wenn es nur ganze 15 Minuten waren. Nach einem schnellen 0:3-Rückstand legte die Borussinnen ihre übergroße Nervosität ab und fanden ins Spiel zurück. Besonders Svenja Spriestersbach machte richtig Spaß, glich zum 3:3 (7.) aus und hielt den BVB im Rennen. Allerdings auch nur Svenja Spriestersbach allein. Denn sowohl Dagmara Kowalska, für die das Spiel einfach eine Nummer zu schnell war, als auch Natasa Koceska erwischten nicht gerade ihren besten Tag. So war es Svenja Spriestersbach vorbehalten, die Akzente zu setzen. Bis zum 6:7 in der 14. Minute hatte sie im Alleingang den BVB auf Tuchfühlung gehalten. Und als Stella Kramer und Karina Schäfer sogar zum 8:8 ausglichen, da roch es ein ganz klein wenig nach einer Pokalsensation.

Träumen durfte man ja, allerdings nicht wirklich lange. Denn als Bayer-Trainerin Renate Wolf reagierte und Svenja Spriestersbach kurz decken ließ, da war es mit der Herrlichkeit vorbei. Aus dem 9:10-Rückstand in der 18. Minute wurde sieben Minuten später ein 11:18. Das stark aufspielende Duo Nadine Krause und Elli Garcia hatte Gas gegeben, die Fronten zwischen dem Erstligisten aus Leverkusen und dem Zweitligisten aus Dortmunder waren geklärt.

Der Rest war schnell erzählt. Leverkusen erhöhte auf 23:13 (33.), führte zwischenzeitlich sogar mit elf Toren und schaltete dann professionell einen Gang zurück. Was Borussias „zweite Reihe“ nutzten, um sich in Szene zu setzen. Karina Schäfer bewies Führungsqualitäten, Steffi Glathe kam zu ihrem ersten Einsatz, Julia Wolf warf ihr erstes Tor nach ihrer Babypause, Anna-Lena Tomlik hatte eine hohe Fehlerquote, unterstrich aber mit fünf Toren ihr Talent, Stella Kramer hatte einige sehenswerte Einzelaktionen und versenkte den Ball dreimal von Außen. Und selbst die in den letzten Minuten eingewechselte Carolin Stallmann zeigte keinen Respekt vor großen Namen.

„Das war über weite Strecken eine ordentliche Leistung und die zehn Tore Vorsprung waren auch okay“, bilanzierte Renate Wolf sichtlich zufrieden. Absolute Zufriedenheit durfte man von Alice Vogler natürlich nicht erwarten. Die BVB-Trainerin konnte mit dem Ergebnis zwar leben, haderte aber mit den „großen Schwankungen“. „Uns fehlte einfach die Abgeklärtheit, das hohe Tempo konnten wir nicht durchstehen“, sagte Vogler. Die die Niederlage nicht schön reden. „Bayer hat uns vom Feinsten ausgekontert“, sagte Vogler und ging auch auf die schwache Vorstellung ihrer Leistungsträgerinnen Kowalska und Kocevska ein. „Natasa wollte Verantwortung übernehmen, war aber zu hektisch. Und Dagmara hat einfach einen schlechten Tag erwischt. Ihre sieben Tore, die sie im Schnitt erzielt, fehlten natürlich.“

Info: Starke Svenja Spriestersbach

BVB: Chemicz, Trodler; Kramer (2), Vietz (1), Spriestersbach (10/4), Kocevska (2/1), Kowalska (1), Wolf (1), Schäfer (3), Tomlik (5), Brandes (1), Glathe, Stallmann.

Bayer Leverkusen: Hagel, vanDorst, Salamakha; Zapf (2), Egger (2), Hambitzer, Elis Garcia (8), Bovenberg, Glankovicova (8), Krause (9/1), Naidzinavicius (2), Franziska Garcia (3), Steinbach (2), Jochin.

Peter Kehl

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