Zwischen Schicht und Anpfiff
03.12.2009 | 19:03 Uhr 2009-12-03T19:03:00+0100Es ist erst wenige Wochen her, da konnte der Trainer der Raesfelder Fußballfrauen, Michael Eilers, seine Pokalträume begraben. Der Grund war nicht der übermächtige Gegner, sondern die Arbeitsverpflichtungen seiner Fußballerinnen: Es war verkaufsoffener Sonntag.
Jetzt hat das Bundesverfassungsgericht auf Grund einer Klage der Kirchen des Landes Berlin den Sonntag davor bewahrt, gewöhnlicher Arbeitstag zu werden. Ausdrücklich hoben dabei die Richter hervor, dass der Sonntag ein generell arbeitsfreier Tag bleiben müsse, um auch den Interessen des Amateursports gerecht zu werden. Ab 2010 wird dieser Richterspruch bundesweite Bedeutung gewinnen und die Zahl der verkaufsoffenen Sonntage sicher beschränken.
„Jetzt ist nach meiner Einschätzung rechtzeitig und vor dem Gewohnheitsrecht ein Riegel vor die ganze Sache geschoben worden. Das ist sicher gut für den Amateursport”, kommentiert Stadtsportverbands-Chef Helmut Winkler das Berliner Urteil, das im nächsten Jahr bundesweite Auswirkungen zeigen wird. Winkler wäre ein schlechter Sportfunktionär, wenn er nicht auch die Schattenseite der Medaille sehen würde. „Unternehmen müssen im Wettbewerb bestehen können. Dazu gehört auch die optimale Ausnutzung der möglichen Arbeitszeiten. Was sollen Schichtarbeiter oder Krankenschwestern sagen? Generell ist eine Beschränkung der Sonntagsaktivitäten sicher für die Zuschauersituation gut, denn Sonntagsverkäufe sind Konkurrenz für Sportveranstaltungen”, sagt Winkler.
Natürlich löst die Berliner Entscheidung auch bei den Trainern Reaktionen aus. Der Raesfelder Michael Eilers macht da aus seiner Freude keinen Hehl. „Die Mädchen stehen im Laden und das für wenig Geld und verpassen einen Teil ihres Lebens. Natürlich müssen wir arbeiten, aber es gehört doch auch noch mehr zum Glück. Soziale Kontakte, das Gemeinschaftserlebnis im Sport. Die sind nach Feierabend weg von der Straße, wenn die in einem Verein aktiv sind”, meint Eilers und schiebt noch seine ganz persönlichen Erkenntnisse hinterher: „Die Leute kaufen doch im Volumen nicht mehr. Es geht doch darum, seinen Alltag zu planen. Ich bin ein vielbeschäftigter Mann, aber ich habe perfekt mit den alten Ladenschlusszeiten gelebt. Ich will nicht von früher reden, aber es wurde auch Geld verdient und zwar ohne die Hektik, die heute die Mädels am Wochenende verrückt macht. Ich freue mich über das Urteil. Das zeigt, dass da mal jemand in die richtige Richtung denkt.”
Jochen Buckstegge, Betreuer der Lembecke Fußballfrauen, sieht in dem Urteil eher eine gesellschaftliche Auswirkung. „Uns trifft jetzt hier beim SVL individuell mehr das Thema Schichtarbeit in Heilberufen, aber generell bin ich froh, dass auch der Aspekt des Amateursports das Urteil mit beeinflusst hat. Der Sonntag als verstetigter Verkaufstag wäre sicher für den gesamten Sport eine bittere Pille, so wie das auch die neuen Sonntagsspiele in der Fußball-Bundesliga sind. Gut, dass da jetzt mal Klartext vom höchsten Gericht geschrieben wird”, sagt Buckstegge.
Natürlich gibt es auch das schlüssige Argument, dass nur finanziell starke Unternehmen intensives Sponsoring im Amateursport betreiben können. Da sind Ladenöffnungszeiten und Maschinenlaufzeiten sicher in Punkto Rentabilität ein wichtiges Thema. Die Lösung wird wie so oft im Dialog und in der Mitte liegen.
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