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Oliver Dirr sagt Tschüss

09.02.2012 | 16:27 Uhr
Oliver Dirr sagt Tschüss

Schermbeck.Eigentlich wollte er bis Freitag mit der Bekanntgabe seines neuen Vereins warten, aber jemand in seinem Umfeld hat nicht dicht gehalten. „Ich gehe zu Rhenania Bottrop, ein Bezirksligist und zugleich eine neue Herausforderung. Ich wollte erst am Freitag damit an die Öffentlichkeit, aber manche Leute halten sich nicht an Versprechen“, sagt das Schermbecker Urgestein.

Mit Oli Dirr verlässt ein bunter Vogel die Dorstener Fußballszene, die er vor zwölf Jahren betreten hat. „Martin Stroetzel hat mich aus Kirchhellen geholt und ich hab mich gleich als Verbandsligatorwart mit einem Bandscheibenvorfall in Schermbeck eingeführt. Überhaupt ist meine Laufbahn von kuriosen Schicksalsschlägen geprägt“, sagt Dirr, der immer für einen lockeren Spruch gut ist. „Eine Rote Karte war für mich die Eintrittskarte in den hochklassigen Amateurfußball. Als ich nämlich in der Reserve von DSC Wanne-Eickel spielte, hat der Keeper der ersten Mannschaft Rot gesehen und der Ersatzmann war verletzt. Das war’s: Ich war Oberliga-Torwart“, sagt Dirr, der einmal Schmährufe von Lipp-städter Fans am dortigen Waldschloss mit einer Samba-Tanzeinlage kommentierte und auf der Pressekonferenz scherzte, er sei der einzige brasilianische Keeper der Liga.

Dirr, wie er leibt und lebt. Als kleiner Junge hat er in Röllinghausen seine Laufbahn begonnen. „Auf schwarzer Asche. Damals war ja auch noch Schwarz-Weiß-Fernsehen. Das hat mich hart gemacht. Ich habe nie ein Röckchen getragen und ich bin bis heute ein Gegner des Frauenfußballs. Auch, wenn das nicht modern ist“, sagt das Original, das zu seinen leichten Macho-Allüren steht. Auf dem Platz war Oli Dirr immer der Kommandant. Man konnte das laut und deutlich hören. Als er in die zweite Reihe wechselte und 2008 das Traineramt in der SVS-Reserve vom glücklosen Jörg Breski übernahm, freuten sich die Anwohner: Dirr ersetzte mit seinen lauten Kommandos jeden Lautsprecher.

Der Klasse-Torwart hat im wahrsten Sinne des Wortes Farbe in die Oberliga gebracht: Mal mit abenteuerlichen Haareinfärbungen und dann mit schrillen Trikots. „Giftgrün hat den Gegner misstrauisch gemacht und in Rosa haben sie mich unterschätz“, sagt der Spaßvogel, der allerdings bei aller Clownerei sehr ernst sein kann. „Es war für mich ein hartes Ding, als mich 2006 ein Herzinfarkt erwischte. Es war zwar nur ein kleiner Infarkt, aber da hatte mir jemand den Finger gezeigt. Ich hab da schon das Vollgas aus meinem Leben genommen“, sagt Dirr, der vier Monate später mit Glanzparaden die Rückkehr in die Oberliga sicher stellte. Stundenlang könnte der Torwart aus seinem Schermbecker Fußballleben plaudern. Er selbst macht die Tür leise zu und hält es mit der Kölner Sängerin Trude Herr: „Niemals geht man so ganz“. Seine Freunde können sicher sein, dass sie ihn nicht übersehen werden, wenn er sie einmal in der Volksbank-Arena besucht. Er wird immer ein bunter Paradiesvogel bleiben. Leider sind echte Typen wie er im Sport eine vom Aussterben bedrohte Spezies.

Jo Gernoth

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