Hermanns Denkmal
03.02.2012 | 16:39 Uhr 2012-02-03T16:39:00+0100
Dorsten. In der 15. Folge unserer Serie „Kapitel Dorstener Sportgeschichte“ berichten wir über die sportliche Laufbahn von Hermann Imping, der sich nach zwei Jahrzehnten an der Vereinsspitze des Radsportclubs Dorsten in die zweite Reihe zurückzieht.
Hermann Imping ist ein erfolgreicher Unternehmer, ein glücklicher Familienvater und Radfahrer: All das betreibt er mit Passion und er weiß, dass diese Dreiecksbeziehung sein Schlüssel zum Erfolg war und ist. Nach über zwei Jahrzehnten Vorstandsarbeit im Radsportclub Dorsten ist Hermann Imping in die Box gerollt und erzählt aus diesem ungewöhnlichen Sportlerleben.
„Ich bin mit 14 Jahren bei meinem Vater in die Lehre gegangen. Als Bäcker hat man um vier Uhr in der Früh mit der Arbeit begonnen und war Mittags fertig. Da musste ein Ausgleichssport her, der ohne Zeitvorschriften stattfinden konnte. Fahrradfahren war mich immer ein Spaß und deshalb habe ich mit mit Hilfe meiner Eltern ein gebrauchtes Rennrad gekauft“, sagt Hermann Imping. Mit diesem Drahtesel ging es in die Freiheit, die Imping meinte. Ein paar Jahre später veranstaltete der Radsportclub Essen in Schermbeck eine Radtouristik. Die 40 Kilometer der Nachwuchsklasse riss Imping auf der linken Pobacke ab, wie er selbst sagt. Da der Mensch bekanntlich über zwei davon verfügt, legte Imping noch eine zweite Runde nach und umrundete auch die 20 Kilometer im Familienstart: Eine kleine Radsportkarriere hatte begonnen und in dieser Zeit ist auch das Rad angeschafft worden, das Imping ein Leben lang begleitete.
„In einer kleinen, aber feinen Schmiede namens Schumacher in Dortmund habe ich mir das Rad bauen lassen und ich habe die Investition nie bereut“, sagt Imping. Viel Zeit für eine Sportkarriere blieb dem jungen Mann nicht, denn als er gerade einmal 18 Jahre alt war, musste er praktisch die Bäckerei seines Vaters leiten. „Mein Vater war krank und ich musste ran. Mit 21 war ich der jüngste Meister im gesamten Kammerbereich und dann hatte ich mich um den Aufbau der Firma zu kümmern. Mir war klar, dass nur Wachstum das die Existenzsicherung sein konnte“, so Imping. Nicht kleckern, sondern klotzen. Was mit einem Gesellen und einer Aushilfe im Laden begann, ist heute 24 Filialen groß und beschäftigt rund 170 Mitarbeiter. Das Prinzip, keine halben Sachen zu machen, verfolgte Imping auch im Radsport. Der unvergessene Heinz Brändel hatte den Gedanken der Wiederbelebung des Radsports in Dorsten wieder angeschoben und Imping war mit von der Partie sich einst unter dem Dach des VfL RW Dorsten wieder gründete.
„Es wird immer erzählt, dass ich der erste Chef in diesem Verein war. Das stimmt nicht. Ernst Korte und Manfred Brauckhoff waren die beiden Macher. Ich war später gemeinsam mit Paul Schürmann einer der vermeintlichen Verschwörer, die den RSC ins Leben gerufen haben. Später habe ich dann als 2. Vorsitzender das Amt von Paul Schürmann übernommen und bis gestern inne gehabt“, sagt Hermann Imping. Mit seinem Schumacher Renner ist er einer ganzen Generation von Radlern vorne Weg gefahren. Mit Jochen Pöpperl hat er eine Jugendgruppe aufgebaut, die alles in Grund und Boden gefahren hat. Er selbst ist mit dem Drahtesel und dem Bäckerauto in dieser Zeit der Tour de France gefolgt. „Nachts haben wir auf der Ladefläche gepennt und tags dort die Fahrräder gelagert. Es war einfach toll“, sagt Imping, für den Ehrenamt und Unternehmerarbeit immer eine wichtige Dualität in seinem Leben bedeutete. „Ich habe durch den Sport so viele Kontakte knüpfen können und so viel Inspiration für mein Leben gewinnen können, dass ich nur eine positive Bilanz ziehen kann“,sagt der Radsportenthusiast. Er hat nur zweimal in seinem Leben den Maschinentelegrafen auf halbe Kraft gesetzt: Als die beiden Kinder klein waren, da war Hermann Vater und hat auch das Wachstum des Betriebes und des Vereins hinten angestellt.
„Es gibt Momente im Leben, die wollte ich nicht verpassen. Ich ernte jetzt. Meine tollen Kinder sind beide im Betrieb und lieben den Radsport“, sagt er nachdenklich. Die zweite Auszeit bescherte dem Mann, der Dorsten aufs Rad setzte, ein tragischer Unfall. „Ich war auf dem Weg, meinen Sohn aus einem Trainingslager abzuholen, als mich ein bis heute unbekannter PKW-Fahrer erfasste und meinen Wagen in den Graben der A31 stieß. Dass ich nicht gelähmt bin und überlebt habe, ist ein Wunder. Das lässt einen nachdenken“, sagt Hermann Imping und man spürt, dass der gläubige Christ aus dieser Lektion des Lebens etwas gelernt hat. Er hat die Kraft gefunden, sein Unternehmen und seinen Verein weiter zu führen und weiter blühen zu lassen.
Jetzt tritt Stefan Rokitta für den RSC in die Pedale. Rokitta war schon einmal als junger Rennradler zu Gast in Dorsten und ist ein würdiger Nachfolger. Imping hat Spuren hinterlassen. Sein altes Schuhmacher-Fahrrad, von dem er immer dachte, er hätte es noch, ist weg. Irgendwie, irgendwo, aber es bleibt in der Erinnerung von Hermann Imping so etwas wie ein treues Pferd, mit dem er oft in den Sonnenuntergang geritten ist. Es ist Hermanns Denkmal.
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