Badminton - 2. Bundesliga
Freikarten und Gummibären
19.11.2009 | 18:30 Uhr 2009-11-19T18:30:00+0100Badminton und der BVH: Ein Kapitel im Dorstener Sport, das nicht unbedingt jeder mit einer präzisen Aussage belegen kann. Wenn am Sonntag (18 Uhr) der erste Ballwechsel gegen Wesel beginnt, dann wissen die wenigsten, dass einer der klassenhöchsten Dorstener Vereine zu Werke geht.
„Genau das ist unser Problem: Alle kennen Badminton, kaum einer kennt uns”, meint Andreas Lindner, der so etwas wie das sportliche Urgestein des Vereins ist. Badminton, dass ist Rasanz, Konzentration und so etwas wie ein Revolverduell, bei dem kein Blut fließt. Ein Publikumsmagnet. Überall auf der Welt, nur nicht in Dorsten und Deutschland. Eine Enklave ist vielleicht Bonn. Warum Bonn? Die Haribo-Goldbärchen-Familie hat ein Herz für diesen Sport und fördert ihn großzügig. Stehen deshalb Gummibärchen auf dem Speiseplan der Dorstener Badmintonspieler? Mit Sicherheit nicht. Da ist der Trainer dieser Bundesligamannschaft vor. „Wir trainieren richtig hart, denn die Fitness entscheidet beim Badminton”, weiß Lindner. Ist Badminton nicht Federball? Eine Frage, die einem tödliche Blicke vom Ass des BVH, Lotte Jonathans, einhandelt. Lotte kommt aus den Niederlanden und ist so etwas ähnliches wie eine Profispielerin. „Ja, unsere Arnheim-Connection. In den Niederlanden wimmelt es nur so von Spitzenspielern und es ist möglich, für einen überschaubaren Betrag erstklassige Spieler zu verpflichten”, weiß Lindner. Also doch Millionen aus den Colorado-Fruchtgummi-Minen der Haribo-Dynastie?
„Wäre toll, wenn das so wäre. Wir erfinden jedes Jahr das Rad neu und wenn es der Wirtschaft auch nur ein bisschen schlecht geht, dann brennt bei uns der Baum. Wir können nicht langfristig planen. Wir sind ja nur haarscharf an der Obdachlosigkeit vorbei geschliddert”, erklärt Lindner weiter in einem Tonfall, der Leidensfähigkeit und Gelassenheit vermittelt.
Ein weiteres Kapitel für sich, die Turnhalle der Josefsschule. Die Schule ist weggerissen und im Prinzip ist der BV Hervest der einzige ernsthafte Nutzer dieser Halle. Also ein gemütliches Domizil? Schicke Vereins-Kneipe? „Wenn wir unsere Jahreshauptversammlung durchführen, dann machen wir das in der Halle. Wer uns helfen will: Wir würden gerne etwas bauen. Eine feste Adresse wäre so etwas Identifikation und würde einem sicher vieles leichter machen. Aber woher nehmen, wenn nicht stehlen”, fragt sich Andreas Lindner zu Recht.
Dabei ist der Sport wirklich großartig, die Jugendarbeit im Verein funktioniert und die Bundesligamannschaft ist die Sahnehaube auf einem Sportcocktail der Extraklasse, von dem halt einfach zu wenige wissen, wo er zu genießen ist. Lindner tritt die Flucht nach vorne an: „Wir haben jedem Verein in Dorsten für unser kommendes Heimspiel gegen Rot-Weiß Wesel fünf Freikarten geschickt und sie herzlichst eingeladen. Es ist Totensonntag und es gibt keine Konkurrenzveranstaltung. Da müsste doch mal jemand kommen.”
Das ist den Badmintonspielern zu wünschen, dass die Hütte mal voll wird und Badminton nicht unter Ausschluss der Öffentlichkeit stattfindet. Das ist 2. Bundesliga und Werbung für die Stadt Dorsten. Auch wenn es die Turnhalle im Niemandsland von Hervest-Dorsten ist: Der BVH ist ein starkes Stück Dorstener Sport.
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