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Fortuna ist keine Schermbeckerin

05.05.2009 | 20:03 Uhr

Schermbeck. Nein, die launische Göttin Fortuna ist derzeit nicht polizeilich in Schermbeck gemeldet. Es scheint eher, dass sie den Bereich der Volksbankarena zuweilen hartnäckig meidet.

Schermbeck. Nein, die launische Göttin Fortuna ist derzeit nicht polizeilich in Schermbeck gemeldet. Es scheint eher, dass sie den Bereich der Volksbankarena zuweilen hartnäckig meidet. Beispiele für diese These gibt es genug, doch am heutigen soll alles ganz anders werden. „Wir haben zwar im Hinspiel verloren, aber das haben wir gegen Aachen auch. Wir sind längst nicht tot und gegen Köln werden wir das beweisen”, gibt sich Martin Stroetzel kämpferisch.

Ganz offensichtlich scheint der Schwebezustand der Schermbecker Fußballwelt höchst unterschiedliche Motivationen bei den Spielern auszulösen. Mathias Pfände mutierte am Sonntag zum Sammelbegriff für eine nicht messbare Wirkungslosigkeit eines Stürmers. Nedim Djulimann eroberte sich seine gut erledigte Position im defensiven Mittelfeld gegen Duisburg durch eine lausige Leistung in der Abwehr. Keine Methoden, die einen Trainer unbedingt in einen Freudentaumel versetzen.

Immer rätselhafter wird indes Sascha Siebert. Der Junge kann Fußballspielen. Aber dieser sorgfältig und nachhaltig frisierte schlaue Fußballkopf ist das, was man auch als Dickkopf und zuweilen auch als Querkopf bezeichnen kann. Aber ganz offensichtlich scheint Siebert Spaß an Spielen zu finden, in denen Schermbeck nach Expertenmeinung chancenlos zu sein scheint. Begegnungen wie die gegen Hüls scheinen zu langweilen. Gegen Duisburg lenkte Siebert das Spiel und übernahm die Verantwortung, als er beide Elfer mit profimäßiger Eiseskälte unhaltbar versenkte. Wie gesagt: In Laune und motiviert ist ein Sascha Siebert der Schermbecker, der das Spiel macht, ein Spiel dreht und letztlich auch entscheidet. Gegen Köln wird hoffentlich diese Eigenschaft bei ihm die Aktivitäten lenken, denn im Hinspiel gehörte Siebert auch zu der Fraktion von Spielern, die beim Stande von 1:1 das Feld im Geiste verließen und den Kölnern freie Bahn gewährten. Damals am Tag der Deutschen Einheit blamierte sich der SV Schermbeck im Kölner Südstadion und der selige Kölner Fußball-Mäzen Jean Löhring saß bestimmt auf der berühmten Wolke sieben.

Von dort könnten ihn allerdings die SVS-Jubelgesänge eines Pele Niebuhr verscheuchen, wenn die Schermbecker es schaffen, sich auf ihre Tugenden zu konzentrieren. Und diese Tugenden sind nun einmal Kampf bis zum umfallen. Gegen die Nummer neun der NRW-Liga-Tabelle wird auch nichts anderes helfen.

Der Frust dürfte bei den Domstädtern allerdings auch ein wenig am Nervenkostüm nagen, denn mit dem Start in der NRW-Liga hatten die Kölner auch in der so typisch rheinischen Unbefangenheit in höhere Regionen des Fußballs geschunkelt. Das vom Regisseur des „Wunders von Bern” auf den Weg gebrachte Internet-Projekt hinkt mit derzeit 10.444 Fortuna-Mausklick-Managern ein wenig hinter den Erwartungen her.

Der SV Schermbeck hat sicher das Potenzial, auf dem Rasen Revanche zu nehmen. Aber neben der Dame Fortuna haben es die Schermbecker in dieser Woche noch mit einer ganz anderen Lady zu tun. Die heißt Justitia und wird am Freitag um 18 Uhr in Gestalt eines gewissen Heinz-Hubert Werker und seinem Verbands-Sportgericht eine Entscheidung in Sachen NRW-Liga fällen, die sicher den SV Schermbeck länger als eine Viertelstunde beschäftigen wird. So oder bei „O”. „O”, das ist die Vereinskneipe.

Jo Gernoth

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