Die Verwandlung
14.04.2010 | 22:19 Uhr 2010-04-14T22:19:00+0200
Recklinghausen.Ryon Howard ist Basketballer, ein richtig guter dazu. Das wissen die Fans des BSV Wulfen seit dieser Saison. Ob Ryon Howard auch ein guter Footballer ist, wissen die Fans der Recklinghausen Chargers noch nicht wirklich. Eigentlich kennen sie den US-Amerikaner auch noch gar nicht.
Damit sie ihn in Zukunft vielleicht besser kennenlernen, versuchte sich der 23-Jährige in einem Probetraining beim American Football-Zweitligisten. Doch damit aus dem Basketballer Howard der Footballer in Spe Howard wird, musste er sich erst einmal verwandeln. Und das dauerte. Nicht nur Frauen haben manchmal ein Schuh- und Klamottenproblem. Wobei die Problematik beim US-Amerikaner eher in seinen Körpermaßen begründet liegt. Football-Schuhe in Größe 54 gibt es auch nicht überall. Doch Coach Heiko Czarnotta hatte zumindest in diesem Punkt vorgesorgt. Einen passenden Schulterschutz, der das breite Kreuz von Howard gegen die harten Tackels seiner Teamkollegen schützt, fand sich nach eifrigem Suchen im Geräteraum relativ zügig. Dafür müsste er auf einen Helm erst einmal verzichten. Das einzige Modell, das noch zur Verfügung stand, war ein alter Helm von Coach Heiko Czarnotta. Und der war – trotz guter Durchschnittsgröße L – zu klein.
Zunächst war der fehlende Kopfschutz kein Problem. Los ging die Rückkehr in die Welt des American Football für Howard relativ sanft. Keine Spur vom harten Körperkontakt, der auf den Zwei Meter-Mann in der Zweiten Liga warten könnte. Aufwärmen war angesagt. Und das erledigte er mit Leichtigkeit. Eine Runde Warmlaufen, ein bisschen Stretching und Koordination – für den Modellathleten kein Grund sich wirklich anzustrengen und groß zu konzentrieren.
Zeit genug also, erste Bekanntschaften zu schließen. Mit Phillip Craig etwa. Der ist Running Back (Ballträger) und kommt aus Los Angeles. Oder mit dem Kanadier Jag Ball. Der spielt in der Defense Line (Vorderste Verteidigungslinie) und kommt aus Kanada. Und dann ist da noch Robert Prescott, der spielt Linebacker (zentraler Verteidiger) und kommt aus Oklahoma. Da zudem auch Czarnotta seit seiner Zeit an der High School in den USA ein ebenfalls mehr als passables Englisch spricht, ist die Verständigung kein Problem.
Problematischer könnte da eher schon die Umstellung auf das neue Spielgerät sein. Das ist Eiförmig statt rund. Doch die ersten Eindrücke waren auch hier vielversprechend.
Denn nach dem Warm up wartete das Units-Training auf Howard. Auf gut Deutsch – das Spezialtraining für die Spezialteams bei den Footballern. Dabei ging es für den Neuling ab zu den Wide Receivern (Passempfänger). Das soll, wenn alles klappt, sein zukünftiger Job werden. Möglichst viele Bälle, oder Eier, die Quarterback (Spielmacher) Thomas Iking in seine Richtung wirft, möglichst sicher zu fangen.
Soweit ging es zunächst einmal noch nicht. Die ersten Bälle warf Czarnotta selber. Die kamen noch relativ langsam und ohne Druck eines Verteidigers. Doch wie Howard die Bälle mit einer Hand, abwechselnd mit rechts oder links, aus der Luft pflückte - das erinnerte schon an großes Football-Kino. Und es hätte die Fans des BSV, wenn denn welche da gewesen wären, an manche Szenen aus der vergangenen Regionalliga-Saison erinnert. Da gab Aufbauspieler Mike Gordon den Passgeber und Howard versenkte den ein oder anderen Ball per Alley-oop im gegnerischen Korb. Ob er nun auch in Zukunft solche spektakulären Punkte für die Chargers erzielt – das stand bei Redaktionsschluss noch nicht fest. Eines aber auf jeden Fall – mit dem Fangen eines Balles, gleich ob rund oder eiförmig – hat Howard so überhaupt keine Probleme.
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