Das aktuelle Wetter NRW 15°C
Basketball - 1....

Der gordische Knoten

14.02.2010 | 14:24 Uhr
Der gordische Knoten

Dorsten.BSV Wulfen -
Schwelmer Baskets 93:78

Es knallt, wenn individuelle Ausnahmeklasse auf unbändigen Willen stößt. Es knallte auch am Samstag in der Petrinumhalle. 800 Zuschauer waren Zeugen eines außergewöhnlichen Spiels, in dem der BSV den Schwelmer Baskets eine schallende Ohrfeige verpasste. Wulfen besiegte den Spitzenreiter hochverdient mit 93:78.

Tabellarisch könnten Wulfen und Schwelm nicht dichter beieinander liegen. Sportlich liegen dennoch kleine Welten zwischen dem Tabellenzweiten und dem Spitzenreiter. Wulfens Durchschnittswert pro Spiel lag vor dem Gipfeltreffen bei einem knappen 83:78 (Korbverhältnis geteilt durch Anzahl der Saisonspiele). Schwelms Wert bei 96:75. Das erklärt nicht alles, sagt aber viel über das Selbstverständnis beider Mannschaften aus. Während Wulfen in jedem Spiel an seine Leistungsgrenzen gehen muss, um einen knappen Sieg davonzutragen, stapfen die Schwelmer von purer Kraft getragen wie die Elefanten durch die Gemüsebeete der Konkurrenz.

Doch Schwelm übersah am Samstag ein imaginäres Stopp-Schild. Das hatte Philipp Kappenstein in den Boden der Petrinumhalle gerammt. „Bis hier hin und nicht weiter“, hätten die Schwelmer darauf lesen können. Wenn sie denn hingeschaut hätten. Wulfens Trainer hatte die richtigen Schlüsse aus der derben Niederlage im Januar gezogen, als Wulfen in Schwelm mit 83:109 gescheitert war.

Der Lerneffekt war enorm. Wulfen spielte von Beginn an clever. Die beherzte Aggressivität, die im Januar für den BSV schon in den ersten Spielminuten den KO-Schlag bedeutet hatte, setzte nun in der richtigen Dosierung Nadelstiche, die Schwelm vollkommen aus dem Konzept brachten. Der BSV spielte wie aus einem Guss. Konsequent in der Verteidigung, druckvoll im Angriff und mit der nötigen Mischung aus Mut und Glück in heiklen Situationen. Von der Schwerfälligkeit und der Verunsicherung der letzten Wochen war nichts mehr zu sehen. Kappenstein hatte sein Team auf den Punkt fit bekommen. Körperlich und mental.

Eine unschlagbare Kombination, die Schwelm schon im ersten Viertel zu spüren bekam. Mike Gordon eröffnete mit einem Korberfolg die Partie. Romeo Bakoa (2), Chris Commons und Jan Letailleur bauten die Führung mit vier Drei-Punkte-Würfen auf 17:9 aus.

Acht Punkte sind im Basketball kein großer Vorsprung. Erst recht nicht, wenn gerade einmal fünf Minuten gespielt sind. Doch Wulfen gelang das Kunststück, diesen Vorsprung solange aufrecht zu erhalten, bis der Gegner kurz vor Ende der Partie resignierte. Schwelm kam nicht ein einziges Mal zum Ausgleich. Nach einer Wulfener 44:38-Pausenführung verkürzte Schwelm zwar auf 45:46 (23. Minute), doch Wulfener lieferte die passende Antwort, auch wenn sich Chris Commons in dieser Phase mit einem blutenden Kinn an der Seitenlinie behandeln lassen musste. Nur drei Minuten später war der BSV wieder im Besitz einer Sieben-Punkte-Führung (52:45). Wulfen gelang im dritten Viertel noch ein weiteres Kunststück: Der BSV ließ in zehn Minuten nur zwölf Schwelmer Punkte zu. Das gelang in dieser Saison bis dahin nur den Bochumer AstroStars. Wulfen profitierte zudem von Schwelmer Undiszipliniertheiten. Ein unsportliches Foul gegen Achim Beiersmann und ein technisches Foul gegen Max Dohmen waren mit dafür verantwortlich, dass sich der BSV auf 63:50 absetzte.

Im Schlussviertel kämpften beide Mannschaften mit offenem Visier. Der BSV baute seine Führung auf bis zu 20 Punkte aus (82:62) und ließ die Zügel erst schleifen, als die letzten Zweifel an einem Wulfener Sieg aus dem Weg geräumt waren. Schwelm blieb unter 80 Punkten. Erst zum zweiten Mal in dieser Saison. Nur Schalke 04 hatte am dritten Spieltag noch weniger Punkte (72) gegen den Spitzenreiter zugelassen. Und ebenfalls gewonnen.

Die Schwelmer Baskets verzweifelten an einem „Gordischen Knoten“, einer Kombination aus Trainergeschick, einem alles überragenden Mike Gordon und einer mehr als grundsoliden Teamleistung. Ein verdienter Sieg, der Vorfreude auf das Pokal-Viertelfinale am Donnerstag macht, der aber nur schwer zu toppen sein dürfte.

Felix Hoffmann

Facebook
 
Kommentare
Trackbacks

Die Trackback URL zu diesem Artikel ist: http://www.derwesten.de/services/trackbacks/article/3419009/create

Aktuelle Fotos und Videos
100 Jahre DTC
Bildgalerie
Dorsten
FC Rhade holt den Titel
Bildgalerie
Fotostrecke
U11 krönt die Saison
Bildgalerie
Fotostrecke
SVS besiegt Wettringen
Bildgalerie
Fotostrecke
Aus dem Ressort
Lembeck geht in Dülmener Torflut unter
Frauen-Fußball
Nicht den Hauch einer Chance hatte die Mannschaft von Lembecks Trainer Jörg Ponanta gegen den Tabellenzweiten Dülmen.
Trockel-Elf tappt in die Konterfalle
Fußball
Mit dem letzten Aufgebot war der FC Rhade zu seinem Bezirksligaspiel nach Hochlar gereist und kassierte bei vier perfekt gespielten Konterangriffen der Gastgeber vier Tore.