„Der eiserne Rainer“
22.09.2010 | 19:04 Uhr 2010-09-22T19:04:00+0200
Köln. Sich Herausforderungen zu stellen, an Grenzen zu geraten und diese zu überschreiten: All das kann der Leichtathlet bei einem Triathlon erleben, der die Ironman-Bedingungen erfüllt.
Der Schermbecker Rainer Schikora hat diesen „Mount Everest für Jedermann“ in Köln erklommen.
„Es waren tausend Stimmen in mir, die während der härtesten Prüfung meines Lebens dringlich zum Aufgeben geraten haben. Wenn es den inneren Schweinehund gibt, dann war ein ganzes Rudel hinter mir her“, sagt Rainer Schikora, der sich dem mörderischen Triatlohn stellte. 3,8 lange Kilometer durch eine Regattabahn schwimmen, 180 Kilometer mit dem Fahrrad zurücklegen und dann zum Schlussakt die klassische Marathonstrecke von 42,195 Kilometer. Ein Programm, das langer Vorbereitung bedarf und den Athleten in eine Grauzone von Vernunft und Leichtsinn katapultiert. Rainer Schikora „verschwimmt“ sich: Er gerät in die falsche Bahn und hängt noch einmal zusätzliche Meter an die Schwimmdistanz. Künstlerpech. Dann geht es in die Wechselzone, die einem Ameisenhaufen gleicht und an sich schon fast eine Disziplin für sich ist. Mit der großen Scheibe und gleichmäßigen Tritt radelt Rainer Schikora zu sich, zu seinem Traum. Der hat allerdings ganz reale Tücken: Bei Kilometer 120 wird der Schermbecker überholt. Seine Kurvengeschwindigkeit und der Radius passen nicht mehr. Abflug über den Gehweg ohne Folgen. In der Aufregung fährt Schikora in die falsche Richtung. Helfer bringen ihn wieder auf den richtigen Kurs, der jetzt gegen den Wind führt und aus den letzten Kilometern eine Via Mala werden lässt. Das hohe Tempo und der Wind verzehren die Kräfte. Die Beine werden schwer und Schikora möchte nicht an das denken, was ihn nach dem Abstellen des Rades erwartet: Der Marathon.
Mit letzter Kraft fährt der Schermbecker in die Wechselzone. Ob es die frische Leibwäsche ist oder kurze Imbiss: Rainer Schikora macht sich auf den langen Weg. Wie hat der ehemalige Bundesaußenminister Joschka Fischer diesen Lauf getauft? Der lange Lauf zu sich? Rainer Schikora hat eine verdammt lange Radfahrt zu sich hinter sich gebracht und die rächt sich jetzt in den Beinen. Da hilft kein Training und auch kein Müsli-Riegel. Was jetzt passiert, ist begreifbare Metaphysik. „Nein, ich bleibe nicht stehen. Nein, ich gebe nicht auf. Ja, ich werde das Ziel erreichen. Rainer Schikoras Wille macht aus dem inneren Schweinehund an diesem Tag eine bedrohte Tierart. Setzt ihn auf die rote Liste und schafft den Zieleinlauf. Keine Treppen an der der Deutzer Brücke, keine Blase und keine innere Stimme konnte ihn aufhalten: Es ist geschafft. Schikora stellt ernüchtert fest, dass er jetzt ein Ironman ist. Nicht einer von denen, die in Hawaii gekürt werden, sondern einer, der im Schatten des Kölner Doms gelitten und gesiegt hat. Fast schon symbolisch: Das der Kölner Dom fertig wird, hat auch niemand gedacht. Visionen braucht der Sport.
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