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Appetit auf Fufu

22.02.2012 | 17:14 Uhr
Appetit auf Fufu

Schermbeck.   Durchtrainiert, fröhlich lachend und energisch: So kennen die Schermbecker Fußball-Fans ihren Abdou-Nassirou Ouro-Akpo, den alle nur Akpo nennen. Der torgefährliche Publikumsliebling stammt aus Togo. Mit dem westafrikanischen Land verbindet uns mehr, als die meisten von uns wissen.

Durchtrainiert, fröhlich lachend und energisch: So kennen die Schermbecker Fußball-Fans ihren Abdou-Nassirou Ouro-Akpo, den alle nur Akpo nennen. Der torgefährliche Publikumsliebling stammt aus Togo. Mit dem westafrikanischen Land verbindet uns mehr, als die meisten von uns wissen.

1982 wurde der Sportler in Bafilo geboren. Diese kleine Stadt, oder besser Dorf, liegt im Norden des Landes, das wie ein Handtuch zwischen Ghana und dem Benin eingequetscht an der westafrikanischen Küste ist. Dieses Land, das bis 1916 deutsches Schutzgebiet war, ist voller Gegensätze. „Ich habe eine große Familie. Familien in Togo sind immer groß“, sagt Akpo, der schon als kleines Kind mit dem Fußball den Weg aus der Armut heraus fand.

Die Landschaft um Bafilo ist karg, die Temperaturen sind ganzjährig tropisch und im Winter, der bei uns Sommer ist, wehen aus der Sahara, die gleich hinter Burkina Faso im Norden des Landes anfängt, Sandstürme in das Land. Togo ist eine Autokratie, die von der Familie Gnassingbé mit eiserner Hand durchgesetzt wird. Als Gustav Nachtigal 1884 den so genannten Schutzvertrag durchsetzte, hieß die westafrikanische Küste auch Sklavenküste, weil von dort der grausame Sklavenhandel betrieben wurde. Ein Problem, das in Togo allgegenwärtig ist: Bis zum heutigen Tage ist der Menschenhandel in diesem Land eine Tatsache. Über 300 000 togolesische Kinder im Alter zwischen fünf und 15 Jahren werden in anderen Ländern als Arbeitskräfte ausgebeutet. Als Drehkreuz des internationalen Handels mit Kindersklaven gilt die Hauptstadt des Landes, Lomé. Ein dunkles Kapitel.

„Das ist eine Schande in unserem Land. Genauso wie die hohe Kindersterblichkeit und die immer mehr ansteigende Arbeitslosigkeit“, sagt Akpo, der seit 2003 in Deutschland als Fußballspieler arbeitet. Auch privat hat der sympathische Sportler sein Glück in Deutschland gefunden: Er ist mit einer Einzelhandelskauffrau verheiratet und hat zwei Kinder im Alter von drei und sechs Jahren. Die sind sein ganzer Stolz. „Ich liebe es, mit den Kindern in den Wald zu gehen und mit ihnen ganz viel Zeit im Freien zu verbringen. Das ist sehr schön“, sagt Akpo, der dann doch dazu zu bewegen ist, über die Schönheiten seines Landes zu sprechen.

„Die Menschen sind einfach gastfreundlich und grundsätzlich trotz des harten Lebens fröhlich. Fußball ist so etwas wie ein Nationalheiligtum und ich habe ihm alles zu verdanken. Ich habe bei dem berühmten Club Maranatha FC gespielt und habe für die Sperber gespielt“, sagt Akpo stolz. Die Sperber, Les Eperviers, ist der „Kampfname“ des togolesischen Teams. Diese Elf war 2006 Teilnehmer bei der WM in Deutschland. Die Sperber schieden in der Vorrunde aus. Allerdings leben Fußballer auch gefährlich: Auf dem Weg zum Afrika-Cup 2010 in Angola geriet der Mannschaftsbus der Sperber in einen Hinterhalt von Freischärlern. Der Pressesprecher und der Assistenztrainer starben, zwei Spieler wurden verletzt.

„Es ist tragisch. Ich fühle mich in Deutschland und da speziell in Schermbeck total wohl. Trotzdem freue ich mich, wenn ich Kontakt mit meiner Familie in Togo habe und das Land besuche. Dann essen wir gemeinsam Fufu und haben alle ganz viel Spaß“, sagt der Torjäger. Fufu ist eine Art Kartoffelbrei aus der Maniokwurzel und das togolesische Nationalgericht. Maniok hat in dem Agrarland Togo eine große Bedeutung.

Abdou-Nassirou Ouro-Akpo hat in Deutschland Wurzeln geschlagen, doch seine Heimat Togo liebt er. Ob es der schmale Küstenstreifen vor der Hauptstadt Lomé ist, oder das wilde Hinterland: Togo hat ist ein Land voller Kontraste und voll von herzlichen Menschen, deren Gastfreundschaft sprichwörtlich ist.

Jo Gernoth

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