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Allianz gegen das Söldnertum

29.07.2010 | 22:18 Uhr
Allianz gegen das Söldnertum

Hagen. Die durch den TV Werne gekippte Ausländerbeschränkung spaltet die Liga. Götz Rohdewald, Trainer des UBC Münster, fordert eine „Allianz gegen das Söldnertum“ und sagt: „Notfalls müssen wir die Spiele beim TV Werne boykottieren.“

Das Echo lässt nicht lange auf sich warten: „Auf welchem Planeten lebt der eigentlich?“, entgegnet Jens König, Sportlicher Leiter des TV Werne. Eine Diskussion zwischen Emotion, EU-Recht und dem einenden Gedanken an die Nachwuchsförderung:

Regelkunde
Was kostet ein Spielboykott?

Götz Rohdewald, Trainer des UBC Münster, fordert die Vereine zu einem Solidarpakt auf, der die Ausländerfrage in der Regionalliga klären soll. Vereine, die sich dem entziehen, solle mit einem Spielboykott gedroht werden. Doch was kostet das eigentlich? Der Strafenkatalog des WBV bezieht sich auf die Spielordnung des Deutschen Basketball-Bundes. Dort steht unter §38, Absatz 1a: Die Spielleitung hat gegen die betreffende Mannschaft auf Spielverlust zu entscheiden, wenn das Spiel ausgefallen ist, weil die Mannschaft nicht angetreten ist und dies zu vertreten hat. Neben den verlorenen Punkten wird laut Strafenkatalog des WBV für Regionalligisten ein Betrag in Höhe von 50 Euro fällig. Im Wiederholungsfall verdoppelt sich das Strafgeld.

Die Ausländerbeschränkung in den Regionalligen des Westdeutschen Basketball-Verband (WBV) ist seit dem 20. Juli Geschichte. Sie hat gegen geltendes EU-Recht verstoßen. Die Liga ist jetzt offen. Vereine können in der Spielzeit 2010/11 beliebig viele Ausländer in ihren Regionalliga-Teams einsetzen. Der TV Werne hatte mit einem Normenkontrollverfahren auf die fehlerhafte Spielordnung hingewiesen und hat sich damit nicht nur Freunde gemacht. Denn der Großteil der Liga hatte die Ausländerbeschränkung durchaus für sinnvoll erachtet. Sie war ein Instrument, das den deutschen Nachwuchs fördern sollte.

Götz Rohdewald vom UBC steht zu seinen Worten. Er habe im Sinne des deutschen Basketballs gesprochen. Und Rohdewald hat innerhalb der 1. Regionalliga auch Zustimmung erfahren. Der SV Derne Dortmund, Noma Iserlohn und die BG Hagen wollen dem angestrebten Solidarpakt beitreten. Die Absprache soll die Ausländerbeschränkung neu regeln. Etwa derart, dass zu jedem Zeitpunkt eines Spiels drei deutsche Spieler auf dem Feld stehen müssen.

„Wir teilen die Ansichten von Rohdewald. Auch wenn die Ausländerregelung juristisch falsch ist, so ist sie doch moralisch richtig“, sagt Hanno Stein, Sportdirektor des SV Derne Dortmund. Es könne nicht sein, dass dass ein Verein mit seinen Maßnahmen gegen die Interessen aller anderen Clubs handele. „Ein Boykott der Spiele gegen Werne wäre nur der letzte Ausweg, doch können wir auch das nicht ausschließen“, so Stein weiter. Anders positioniert sich die BG Dorsten. „Den TV Werne für sein Vorgehen zu geißeln kommt für uns überhaupt nicht in Frage. Über eine freiwillige Selbstkontrolle kann man sich dagegen unterhalten“, sagt Vorsitzender Bruno Kemper. Das unterschreibt auch Georg Kleine von Aufsteiger Citybasket Recklinghausen: „Ein Ehrenkodex könnte helfen, von einem Boykott halte ich jedoch nichts.“

Der TV Werne kann den ganzen Rummel nur bedingt nachvollziehen und sieht sich zu Unrecht in der Schusslinie. „Die Aufforderung zum Boykott unserer Spiele ist grober Unfug“, sagt Jens König. Der Sportliche Leiter des TV Werne will nicht einmal ausschließen, dass sich auch der TV Werne einer freiwilligen Selbstkontrolle anschließt. „Warum sollten wir das nicht? Wir haben doch nicht vor, die Saison mit zehn US-Amerikanern zu bestreiten. Auch wir haben vier Spieler aus der eigenen Jugend, die wir integrieren möchten.“

Doch warum hat der TV Werne dann eine Spielordnung auf den Kopf gestellt, die von allen Vereinen inhaltlich getragen wurde?

„Wir benötigen eine Rechtssicherheit. Und die war durch die Spielordnung nicht gegeben“, erklärt König und ergänzt: Auch wir sind der Meinung, dass der deutsche Nachwuchs gefördert werden muss und halten eine Ausländerbeschränkung für sehr sinnvoll. Doch die Regelungen müssen mit geltendem Recht vereinbar und im Sinne der Vereine sein.“

Der Schwarze Peter liegt damit beim Westdeutschen Basketball-Verband. Denn der war schon im letzten Jahr darauf aufmerksam gemacht worden, dass die Ausländerbeschränkung nicht mit geltendem EU-Recht konform ist. Die SG Aachen hatte mitten in der Saison geklagt und Recht bekommen. Logische Folge hätte eine Überarbeitung der Spielordnung sein müssen. Doch die blieb aus.

Die Vereine werden sich nach Einladung durch WBV-Spielleiter Lothar Drewniok nun am Sonntag, 8. August, in Hagen treffen. Dort soll dann nicht nur über drohende Spielboykotte und einen Solidarpakt geredet werden. Vielmehr wird es darum gehen, die Haltung der Vereine zu Paragraf 9 der nichtigen Spielordnung zu ermitteln. Denn der regelte zuletzt die Ausländerfrage in der Regionalliga.

Felix Hoffmann

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Kommentare
01.08.2010
20:36
Allianz gegen das Söldnertum
von CyborgBSv | #3

„Für die Spielordnung der Regionalligen ist der Westdeutsche Basketball-Verband verantwortlich und nicht der DBB.“

Gegen die Regelung, gegen welcher der TV Werne erfolgreich Beschwerde einlegte, hat der WBV auf dem DBB-Bundestag in Bad Kreuznach gestimmt. Bitte erklären Sie mir, inwiefern dem WBV hier der Schwarze Peter zugeschoben werden kann.

01.08.2010
17:40
Allianz gegen das Söldnertum
von felix.hoffmann | #2

Für die Spielordnung der Regionalligen ist der Westdeutsche Basketball-Verband verantwortlich und nicht der DBB.

01.08.2010
12:16
Allianz gegen das Söldnertum
von CyborgBSV | #1

„Der Schwarze Peter liegt damit beim Westdeutschen Basketball-Verband.“

Das ist so nicht richtig, Herr Hoffmann. Die Regelungskompetenz lag, nachdem der DBB dem WBV jene entzogen hatte, auch bei selbigem.

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