„Wütend, traurig und schockiert“

Jugendleiter Stephan Beneke verkündete André Cermak die Trennung.
Jugendleiter Stephan Beneke verkündete André Cermak die Trennung.
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Was wir bereits wissen
André Cermak war bis Dienstag vergangener Woche Fußball-Trainer der Bambini-Mannschaft und der B-Junioren des TV Jahn Hiesfeld.

Dinslaken..  André Cermak war bis Dienstag vergangener Woche Fußball-Trainer der Bambini-Mannschaft und der B-Junioren des TV Jahn Hiesfeld. Dann schickte ihm der Jugendvorstand die fristlose Kündigung. Im Gespräch mit der NRZ blickt der geschasste Coach nun zurück: „Ich war zu 100 Prozent mit Herzblut dabei. Dreimal in der Woche trainierte ich die B-Junioren, zweimal in der Woche betreute ich die Bambini. Ich habe meine Freizeit geopfert, um mit meinen Jungs zu trainieren. Das war und ist meine Leidenschaft“, so Cermak.

Ebenfalls betont er, dass auch seine Frau ehrenamtlich für den Verein gearbeitet hätte, etwa beim sogenannten „Budenverkauf“ am Wochenende. Seine Mannschaften sind ihm ans Herz gewachsen. Er spricht davon, wie die jüngsten Fußballer des Vereins mit leuchtenden Augen das Training und die Spiele bestreiten und er schwärmt vom Zusammenhalt der B-Junioren.

Jugendleiter Stephan Beneke wollte sich am Mittwoch und Sonntag vergangener Woche nicht zum Fall Cermak äußern und gab auch danach weiterhin auf Anfragen keine Stellungnahme gegenüber der NRZ ab. Die Gründe für die Trennung wurden André Cermak schriftlich mitgeteilt. Laut Jugendleitung habe er den „Vereinsfrieden massiv gestört“ und bestimmten Personen „Gewalt angedroht“, heißt es in dem Schreiben. Dies streitet der ehemalige Trainer allerdings vehement ab. Den wahren Grund für den Rauswurf kennt er selbst nicht, da bisher jegliches Gespräch in die Richtung abgeblockt wurde. „Mich belastet das alles sehr. Ich bin wütend, traurig und schockiert.“

Kritik an der Jugendleitung

André Cermak möchte der Öffentlichkeit zumindest einen kleinen Teil der Geschichte erzählen, kann jedoch nur vermuten, was die wahren Beweggründe für die Trennung waren. Er habe „einiges kritisiert. Beispielsweise wurde ein Ehrenkodex eingeführt, den Kinder ab der F-Jugend unterzeichnen müssen. Dieser Ehrenkodex musste bis zu einem bestimmten Datum unterschrieben werden, sonst wäre der Spieler nicht mehr eingesetzt worden. Des Weiteren habe ich bemängelt, dass Spieler, die laut der Jugendleitung sportlich nicht helfen können, einfach aussortiert werden. Auch Spieler, die schon jahrelang für den Verein auflaufen, werden einfach nicht mehr berücksichtigt und im Regen stehen gelassen. Ein weiterer Punkt, der mich wütend macht, ist, dass Mädchen, die gerne mit dem Fußball beginnen wollen, oft einfach abgelehnt werden, da sie dem Verein in der Zukunft sportlich nichts bringen. Das kann nicht sein“, erklärt Cermak.

Der geschasste Coach gerät regelrecht in Rage, wenn er darüber spricht, dass er für seinen fünf Jahre alten Sohn einen neuen Verein suchen muss. Der Grund: Gegen André Cermak wurde ein Platzverbot ausgesprochen. Ihm ist es also nicht mehr gestattet, seinen jüngsten Sohn zum Kleinfeld des Kunstrasens zu bringen. „Ich darf ihn lediglich am Eingangstor der Platzanlage abgeben und nach dem Training wieder abholen. Das will ich meinem Sohn aber nicht zumuten, deshalb habe ich ihn schon abgemeldet und wir suchen einen neuen Club.“

B-Junioren bedauern die Trennung

Die B-Junioren der „Veilchen“ bedauern den Rauswurf Cermaks sehr. Ein Spieler, dessen Name der NRZ bekannt ist, äußerte sich so: „Er hat immer alles für den Verein gegeben, war immer für uns Spieler da. Wir hatten einen super Teamgeist. Jeder hat für jeden gekämpft und wir hätten sicherlich gemeinsam mit André den Abstieg vermieden. Traurig, dass er gehen muss. Er war sportlich und menschlich eine echte Bereicherung. Wir haben ihn alle sehr gemocht.“

Die B-Junioren bestreiten am Sonntag das erste Meisterschaftsspiel ohne Cermak. Ohne den erfolgsbesessenen Fußballexperten, der, wie man hört, auch außerhalb des Fußballplatzes ein echter Freund war.