Werbonat knackte die Schallmauer

Jens Werbonat auf einer seiner vielen Runden in Delmenhorst.
Jens Werbonat auf einer seiner vielen Runden in Delmenhorst.
Foto: Thomas Springer
Was wir bereits wissen
Dinslaken. Dinslakener lief in Delmenhorst in 24 Stunden über 207 Kilometer. Immer im Kreis

Die deutsche Band „Element of Crime“ veröffentlichte 2005 einen Song mit dem Namen der Stadt als Titel. Die Sängerin Sarah Connor wurde hier geboren und der TV Voerde trug im Mai im städtischen Stadion ein Faustball-Bundesliga-Spiel gegen den gastgebenden Ahlhorner SV aus. Seit zwölf Jahren findet in Delmenhorst aber auch eine populäre Laufveranstaltung statt. Jens Werbonat hat sich am letzten Wochenende auf den Weg nach Niedersachsen gemacht, um beim 24-Stunden-Burginsellauf an den Start zu gehen. Die Teilnahme hat sich gelohnt. Der Dinslakener knackte nicht nur die für diese Disziplin ausgewiesene Schallmauer von 200 Kilometern, sondern holte am Ende neben dem Sieg in der Altersklasse M 40 auch den zweiten Gesamtrang.

Die Veranstaltung diente dem Dinslakener Ultraläufer vor allem als Vorbereitung und Gradmesser für den legendären Spartathlon von Athen nach Sparta, den er Ende September bestreiten will. Seit Sonntagmittag ist die Zuversicht des Architekten, auch diese große Herausforderung meistern zu können, deutlich gestiegen, denn die Generalprobe gelang. 207,26 Kilometer schaffte der Hiesfelder auf dem 1205 Meter langen Rundkurs – der zehntbeste je in Delmenhorst erreichte Wert.

Platz zwei „gewonnen“

Zwar hatte sich Werbonat auf Grund der Vorjahresergebnisse im Vorfeld sogar Siegchancen ausgerechnet, konnte mit Rang zwei am Ende aber trotzdem sehr gut leben. Zumal er den Letten Uldis Klavins, der lange weit vor ihm lag, noch „einkassierte“ und der Gewinner Thomas Eberhardt mit über 210 Kilometern wirklich ein beeindruckendes Rennen lief. „Ich habe den ersten Platz nicht verloren, sondern den zweiten gewonnen. Der Führende hatte das im Griff. Keine Ahnung, wo ich die fehlenden drei Kilometer noch hätte her nehmen sollen“, erklärte der Dinslakener, der vor Ort von Ehefrau Stefanie und Söhnchen Julius (vier Jahre) unterstützt wurde.

Die mentale Belastung des ewigen im Kreis laufen hätte sich Werbonat vorher schlimmer vorgestellt. „Das ist natürlich schon hart, aber für einen solchen Lauf war Delmenhorst wohl noch das Beste, was man machen konnte. Durch Staffelläufe und verschiedene andere Wettbewerbe war auf der Strecke immer etwas los“, erzählt der Ultraläufer. Die vielen Zuschauer – auch in der Nacht – und die schön hergerichtete und im Dunkeln beleuchtete Strecke halfen zusätzlich – wie der bestens ausgestattete Verpflegungsstand im Zielbereich: „Die beste, die man sich nur vorstellen kann.“ Trotz der reichlichen Aufnahme von verschiedenen Getränken (rund 16 Liter) und jeder Menge fester Nahrung (überwiegend Obst, aber auch ein paar Kekse und Salziges), blieb die Erschöpfung natürlich nicht aus. Nach den ersten 100 Kilometern lief es noch wie am Schnürchen, der Dinslakener hatte das Gefühl, „dass ich da erst so richtig drin war“, aber in der letzten Phase des Rennens musste sich auch Werbonat richtig quälen. Bis auf ein paar Geh-Abschnitte an der Verpflegung kämpfte sich der „Ultra“ aber im Laufschritt bis zur erlösenden Fanfare, die das Ende des Rennens signalisierte.

„Nach einem solchen Lauf ist man vollkommen müde und platt. Alles tut weh. Füße und Fußgelenke sehen aus wie aufgepumpte Fahrradschläuche. Schlafen geht auch zwei bis drei Tage nicht richtig, weil der Kreislauf noch auf Hochtouren arbeitet, um den Körper zu regenerieren“, beschreibt Werbonat und gibt durchaus zu: „Man betreibt da schon ein wenig Raubbau an seinem Körper.“

Das wird sicher auch beim Spartathlon der Fall sein, dem nächsten großen Ziel des Hiesfelders.