Kreislaufprobleme und Schwächeanfälle

Torwart Sebastian Wickl blieb zur Pause mit Kreislaufproblemen in der Kabine. Am 0:3-Rückstand bis dahin war er schuldlos.
Torwart Sebastian Wickl blieb zur Pause mit Kreislaufproblemen in der Kabine. Am 0:3-Rückstand bis dahin war er schuldlos.
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Was wir bereits wissen
Fußball-Oberligist TV Jahn Hiesfeld lud Gastgeber TuS Bösinghoven beim 0:4 (0:3) mit einer schwachen Leistung zu Toren ein.

Die Voraussetzungen schienen ganz simpel. Nach oben geht nicht mehr viel, nach unten besteht keine Gefahr, also könnten die Oberliga-Fußballer des TV Jahn Hiesfeld ganz befreit aufspielen, dachte sich Trainer Jörg Vollack am Sonntag vor dem Anpfiff beim TuS Bösinghoven. Dass sein Team so frei wäre, dem Gegner leichtes Spiel zu machen, die Gastgeber zu Treffern einzuladen, hatte der Coach damit nicht gemeint. Irgend etwas muss da in der Kommunikation gründlich schief gelaufen sein – denn nach einem zwischenzeitlichen Höhenflug mit einer Serie von vier Partien ohne Niederlage landeten die „Veilchen“ beim 0:4 (0:3) unsanft auf dem Boden.

Es gibt natürlich diverse Gründe für das Debakel. Die Aufstellung: Ein Notgebilde. Offensiv musste der TV Jahn in Meerbusch improvisieren. Wegen der verletzungsbedingten Ausfälle der Stürmer Kevin Menke, Danny Rankl und Dennis Hecht blieben Vollack nicht mehr viele Möglichkeiten, um den aggressiv antretenden Tabellenelften unter Druck zu setzen. In vorderster Reihe stellte er während des Spiels zweimal um: In den ersten zwanzig Minuten versuchte sich der kräftige Fabian Gombarek, nach dem 0:2-Rückstand rückte der eher schmächtige Pascal Spors nach vorn und eine knappe halbe Stunde vor Schluss schickte der Coach den langen Verteidiger Joel Schoof als Sturmspitze auf den Platz. Zählbarer Erfolg: Null.

Umstellungen im Angriff

Es passte ins Bild, dass Torhüter Sebastian Wickl zur Pause abwinkte: „Mir geht’s komisch“, sagte der Keeper und verschwand in der Kabine. „Basti hat Kreislaufprobleme“, klärte Jörg Vollack auf – und fügte angesichts des 0:3-Rückstands sarkastisch hinzu: „Die hätte ich eher bei den Feldspielern vermutet.“

Dass seine Mannschaft drei Gegentreffer binnen 45 Minuten kassiert hatte, daran trug Wickl in der Tat keine Schuld. Viel mehr leisteten sich seine Vorderleute diverse Schwächeanfälle mit schwer wiegenden Folgen. Vor dem 0:1 servierte Dominik Borutzki ohne Not einen Fehlpass zu Kevin Dauser, der im Alleingang vollstreckte (12.), das 0:2 wenig später resultierte aus einem Missverständnis zwischen Kevin Corvers und Borutzki nach dem Motto „Nimm du den Ball, ich hab ihn schon“: Enes Öz war lachender Dritter und schob nach 21 Minuten mühelos ein. Und zu schlechter Letzt ließen sich die Gäste nach einer knappen halben Stunde auskontern. Den schnellen Angriff aus der eigenen Hälfte schloss Torjäger Takehiro Kubo nach einer Kombination über links zum 3:0 ab (28.).

Kevin Hillebrand erging es derweil nicht besser als seinem Kollegen zwischen den Pfosten. Der Keeper hatte Wickl gerade drei Minuten lang abgelöst, als er den Ball aus dem Netz holen musste: Nach einer Flanke von links achtete niemand auf Kubo, der im Rücken der Abwehr in der 49. Minute flach das 4:0 erzielte.

Angesichts der haarsträubenden Fehler in der Defensive und fehlender Durchschlagskraft im Spiel nach vorn, wo diesmal nicht nur Soufian Rami vieles schuldig blieb, sondern durch die Bank kein Gefahrenmoment vor dem Bösinghovener Tor gelang, waren die Hiesfelder mit dem 0:4 bei einem keineswegs überragenden Gegner sogar noch gut bedient. Jörg Vollack hatte jedenfalls genug: „Anspruch und Wirklichkeit klaffen bei einigen ganz weit auseinander“, erklärte der Trainer stocksauer und gab im Anschluss an das Debakel noch auf dem Kunstrasen eine neue Devise vor – „Klappe halten, duschen und nach Hause fahren.“