Kein Boykott gegen RWS

Nach dem letzten Lohberger Derby kam es zu Tumulten.
Nach dem letzten Lohberger Derby kam es zu Tumulten.
Foto: FUNKE Foto Services
Dinslaken. Darstellung im Sportausschuss war nicht korrekt. Dinslakener Vereine wollen weiter gegen Rot-Weiß Lohberg antreten. Der SuS und Wacker aber unter Vorbehalt.

Die Aussage von Heinrich Mühmert im Dinslakener Sportausschuss war unmissverständlich. Die vier Vereine VfB Lohberg, SuS Dinslaken 09, TV Jahn Hiesfeld und SC Wacker Dinslaken hätten in den Geschäftsräumen der Offensive Dinslaken gemeinsam beschlossen, in Zukunft nicht mehr gegen Rot-Weiß Selimiyespor Lohberg anzutreten. Im Publikum nahm das auch der RWS-Vorsitzende überrascht zur Kenntnis: „Die Dinslakener Vereine sind doch alle aufeinander angewiesen. Das ist doch einfach dummes Zeug, so ein Treffen unter dem Dach dieser Ein-Prozent-Partei“, ärgerte sich Ali Acabuga.

Als ziemlich unglücklich bewertete auch die neue Präsidentin des VfB Lohberg die Zusammenkunft im Nachhinein. „Ich bin von Herrn Mühmert eingeladen worden und dann auch hingegangen, zumal ich erst ganz frisch im Amt war. Da wir jetzt in die Bezirksliga aufgestiegen sind, betrifft uns das sowieso nicht mehr“, erklärte Karina Wistuba, die außerdem deutlich machte, in Zukunft einen respektvollen Umgang mit dem Nachbarverein pflegen zu wollen: „Man muss sich respektieren. Wir wollen keinen Krieg, keine Anfeindungen. Ich möchte grundsätzlich mit allen anderen Vereinen gut klar kommen.“

Der SC Wacker Dinslaken trifft am letzten Spieltag der Kreisliga A noch auf RWS und bat fast zeitgleich mit Mühmerts Feststellung im Sportausschuss bei den Lohbergern um das Einverständnis zu einer Spielverlegung. Auch die Feldmärker wollen also weiter gegen Selimiyespor antreten. Zumindest dann, sagt Wacker-Obmann Karl Sehlke, „wenn es in naher Zukunft keine weiteren Vorfälle gibt.“ Sehlke will das nach den Vorkommnissen im Lohberger Derby vor allem als „Schuss vor den Bug“ der Rot-Weißen verstanden wissen.

Eine ähnliche Einstellung zum Thema hat auch Oliver Grimm, Präsident des SuS 09: „Von den letzten sechs Partien gegen RWS gab es fünfmal Stress. Das brauchen wir nicht. Wir wollen doch alle nur einen entspannten Sonntag verleben. Als Präsident habe ich auch eine gewisse Fürsorgepflicht für unsere Spieler.“ Grundsätzlich habe er nichts gegen die „Leute bei RWS“, viele hätten schließlich auch schon beim SuS gespielt: „Wir wollen Fußball spielen. Ich brauche keine Nebenschauplätze“, sagt Grimm. „Wenn sich bei RWS nicht ein bisschen was ändert“, so der 09-Präsident, sei es tatsächlich eine Option, dort nicht mehr anzutreten.

Kaya ist erschüttert

Für den TV Jahn Hiesfeld nahm Klaus Kohaupt, Technischer Leiter der Fußball-Abteilung, an der Sitzung teil. Kohaupt musste sich aber wegen eines anderen Termins früher verabschieden, ein Protokoll sollte er später erhalten. Das gab es aber nicht mehr. „Bis ich weg war, gab es kein Ergebnis. Zu den beschriebenen Vorfällen konnte ich ja auch gar nichts sagen. Aus unserer zweiten Mannschaft sind mir außerdem keine Beschwerden bekannt“, erklärte Kohaupt. Entscheidungen treffen könnten bei den Hiesfeldern sowieso nur Abteilungsleiter Thomas Bökelmann und sein Stellvertreter Thorsten Ippendorf. Die Tendenz gehe aber ganz klar dahin, sich rauszuhalten und weiter gegen den Nachbarn anzutreten.

Als sich die Vereinsvertreter in den Räumen der Offensive Dinslaken zum Austausch trafen, blieb nicht nur Rot-Weiß Lohberg außen vor. Auch die SGP Oberlohberg war nicht eingeladen. „Ich war erschüttert, als ich davon hörte. Für mich ist das ein konspiratives Treffen und ein Vertrauensbruch ohne Ende gegenüber der SGP“, ist der Oberlohberger Vorsitzende Ali Kaya ziemlich sauer auf seine Kollegen.

Auch hält Kaya einen Boykott für nicht zielführend. Die jüngsten Vorfälle im A-Liga-Derby wolle er sicher nicht gutheißen, „aber seit ich Obmann in Oberlohberg bin, gab es nie einen Vorfall mit RWS. Die Vereine haben es alle nicht einfach. Es bringt doch nichts, sich gegenseitig kaputt machen zu wollen“, sagt Kaya, der die Rot-Weißen grundsätzlich auf einem guten Weg sieht, auch mit der aktuellen Besetzung des Vorstandes: „Der Ali Acabuga reißt sich da den Hintern auf.“

Acabuga hat nach der Sportausschusssitzung viel telefoniert und ist nun sehr zuversichtlich, dass die anderen Dinslakener Vereine weiter gegen RWS antreten. Ein Boykott sei „sportlich der falsche Weg. Wir freuen uns auf die Spiele.“

EURE FAVORITEN IN DIESER STUNDE