Karakas befürchtet großen Imageschaden

Auf dem Spielfeld blieb es 90 Minuten lang friedlich.
Auf dem Spielfeld blieb es 90 Minuten lang friedlich.
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Was wir bereits wissen
Dinslaken. Sportlicher Leiter von RWS Lohberg verurteilt die Vorkommnisse beim Derby gegen den Nachbarn VfB scharf.

Murat Karakas ist einer, für den das Wort „Urgestein“ erfunden worden sein muss. Genauso wie der Begriff „Mädchen für alles“ in seiner positivsten Bedeutung. Schon als Nachwuchsspieler kickte Karakas Anfang des neuen Jahrtausends für den damals noch ganz jungen Verein RWS Lohberg. Einmal, da schoss er Rot-Weiß in Bucholtwelmen mit einem traumhaften Fallrückzieher zum Sieg. Bis zu seiner Einwechslung durch den damaligen Trainer Andreas Matyjaszek hatte er am Rand die Fladenbrote für die Zuschauer verkauft. Es gibt wohl nur wenige Menschen, denen Selimiyespor so am Herzen liegt wie dem aktuellen sportlichen Leiter und Co-Trainer. Dementsprechend bestürzt zeigte sich Karakas auch gestern, einen Tag nach den hässlichen Szenen beim Kreisliga-A-Derby zwischen seinem Verein und dem Nachbarn VfB Lohberg, noch.

„Keine 100 Ordner“

Karakas gehört zu denen, die sich seit Jahren bemühen, das Image der Rot-Weißen und ihrer Anhängerschaft aufzupolieren. Dass die Schläge gegen VfB-Trainer Thomas Grefen nach dem Abpfiff und die anschließenden Tumulte da überaus kontraproduktiv sind, weiß er natürlich: „Es ist sehr schwer, in der öffentlichen Wahrnehmung einen Schritt nach vorne zu machen. Aber so fällst du ganz leicht wieder um zwei, drei Schritte zurück“, sagt der ehemalige Cheftrainer, der den Faustschlag von Hakan Tütüncü gegen Grefen zwar nicht mitbekam, weil er beim Schiedsrichter stand, wohl aber die anschließende Eskalation: „Man kann sich nur für die Vorfälle entschuldigen. So etwas gehört einfach nicht auf einen Fußballplatz. Dass viele Kinder so etwas miterleben mussten, das ist das Schlimmste“, sagt Karakas.

Die Gewalt von Seiten der Zuschauer könne man als kleiner Verein, der für ein Spiel keine 100 Ordner zur Verfügung habe, allerdings auch nicht so leicht verhindern, „aber wir wollen das auf keinen Fall tolerieren, wenn sich ein Pulk von Idioten so aufführt.“ Sollte eine hohe Geldstrafe auf den Verein zukommen, dann wollen die Verantwortlichen auch die vermeintlichen Fans zur Kasse bitten, die sich aktiv an den gewaltsamen Auseinandersetzungen beteiligt haben.

„Angenehme Gespräche“

Vor allem hofft Karakas jetzt aber, dass sich das zuletzt deutlich bessere Verhältnis zum Nachbarn VfB Lohberg nicht wieder auf Dauer verschlechtert. Jüngst konnten sich beide Vereine auf Vermittlung der Stadt sogar darauf verständigen, dass die Rot-Weißen auch die Umkleidekabinen der „Knappen“ am benachbarten VfB-Ascheplatz nutzen dürfen. „Das waren zuletzt immer sehr gute und angenehme Gespräche mit dem VfB“, sagt Karakas. Der RWS-Vorsitzende Ali Acabuga habe sich auch bereits offiziell beim Nachbarn für die Vorkommnisse entschuldigt.

Das Spiel sei, das betont Karakas, übrigens auch 90 Minuten lang völlig fair und friedlich verlaufen. Die anschließenden fünf Minuten reichten allerdings, um diese Tatsache und das 1:1-Remis, das definitiv eher Spitzenreiter VfB hilft, völlig in den Hintergrund rücken zu lassen.