Handball-Weltenbummler verstärkt den MTV

Goran Djurovic (2.v.l.) könnte am Sonntag sein erstes Spiel für den MTV machen.
Goran Djurovic (2.v.l.) könnte am Sonntag sein erstes Spiel für den MTV machen.
Foto: Heiko Kempken / FUNKE Foto Servi
Was wir bereits wissen
Dinslaken. Goran Djurovic aus Serbien soll in den kommenden Monaten helfen, den Oberliga-Klassenerhalt zu sichern. Max Reede kommt im Sommer vom Nachbarn TV Jahn Hiesfeld.

Alles andere als begeistert war Heinz Buteweg anfangs von der neuen vierten Liga, die der Verband ab der übernächsten Saison einführen wird. Die besten Teams vom Niederrhein sollen sich dort mit den besten Mannschaften vom Mittelrhein messen, der Handball-Obmann des MTV Rheinwacht fürchtete hohe Kosten und wenig Ertrag. Mittlerweile hat sich Buteweg aber seine Gedanken macht, sagt nun ganz bestimmt: „Wir wollen hoch.“ Erste Voraussetzung ist dafür der Klassenerhalt in der aktuellen Spielzeit, und um den definitiv zu realisieren hat sich der Dinslakener Oberligist einen spektakulären Neuzugang geangelt. Vom serbischen Erstligisten RK Crvenka kommt Goran Djurovic. Der 37-jährige Linkshänder kann wahrscheinlich am Sonntag im Heimspiel gegen Remscheid erstmals für den MTV auflaufen.

In der kommenden Saison müsste Rheinwacht dann unter den ersten sieben Mannschaften landen. Helfen soll dabei dann auch Maximilian Reede, der im Sommer vom Nachbarn TV Jahn Hiesfeld zum MTV wechseln wird. Der lange Rückraumspieler, der 2012 vom Bezirksligisten Sterkrade zu den „Veilchen“ ging und sich dort sehr gut entwickelte, hat den Dinslakenern mittlerweile seine feste Zusage gegeben.

Ob Reede dann noch gemeinsam mit Djurovic auflaufen wird, ist allerdings fraglich. Weil Serbien nicht zur EU gehört, darf sich der 1,96 Meter große und 100 Kilo schwere Halbrechte vorerst nur drei Monate in Deutschland aufhalten. Zudem ist die langfristige Finanzierung des Handball-Weltenbummlers noch nicht gesichert. „Ich würde auf jeden Fall gerne länger bleiben“, sagt der Serbe, der mittlerweile einige Trainingseinheiten mit der Mannschaft absolviert hat und sich richtig wohl fühlt: „Ich bin sehr gut aufgenommen worden. Die Jungs sind alle sehr nett“, sagt Djurovic. Kommuniziert wird bisher ausschließlich auf Englisch, doch der erfahrene Handballer will schnell die deutsche Sprache lernen. „Noch einmal etwas Neues kennenlernen“, wollte der Serbe, als er sich dazu entschloss, seinen Heimatverein nach zwei Jahren wieder zu verlassen. Über einen Spielerberater kam der Kontakt zu Buteweg zustande. Der reagierte schnell, hätte den wurfgewaltigen und technisch versierten Linkshänder am liebsten schon in Solingen und gegen Düsseldorf eingesetzt, doch in Sachen Spielberechtigung taten sich einige Schwierigkeiten auf.

Djurovic genoss in Crvenka, nördlich von Belgrad, eine der besten Handball-Schulen des Landes, gehörte unter anderem der U 21-Auswahl im ehemaligen Jugoslawien an und holte mit Novi Sad auch Meisterschaft und Pokal. Dann machte er sich auf, als Profi die Welt zu erkunden. Der Rückraumspieler holte in Israel mit Asa Tel Aviv mehrere nationale Titel, spielte in Spanien für Malaga, in Portugal für Sporting Lissabon und in Schweden für den HC Malmö. Auch in Griechenland lief der Linkshänder für einen Verein auf, ehe er in die Heimat zurückkehrte. Nun hat Djurovic die Abenteuerlust noch einmal gepackt, wovon der MTV ziemlich schnell profitieren sollte. Als enorm erfahrener Spieler wird der Serbe wohl keine großen Probleme haben, sich zu integrieren, und mit einem torgefährlichen Linkshänder, der auch aus der zweiten Reihe werfen kann, waren die Dinslakener schon lange nicht mehr gesegnet. Zudem dürfte Djurovic allein mit seiner Größe auch eine Verstärkung in der Defensive darstellen.

Team nahm Buteweg in die Pflicht

Mit vier Punkten aus den letzten beiden Spielen ist die Abstiegsgefahr zwar ohnehin nicht mehr so akut, mit Djurovic kann sie sich aber ganz schnell völlig erledigt haben. Buteweg kann dann weiter für die nächste Spielzeit planen. Die aktuelle Mannschaft hatte den Obmann im Rahmen der Zukunftsplanungen um Verstärkungen gebeten. Alle sagten zu, dafür gab der Abteilungsleiter sein Wort, den Kader quantitativ und qualitiv zu verbessern.

Mit der Verpflichtung von Max Reede ist ein erster Schritt getan, weitere sollen folgen, damit der Angriff auf die neue Oberliga auch erfolgreich ist. „Man kann sich überlegen, ob man einfach runter geht, weil man vielleicht in der Bezirksliga auch nicht weniger Zuschauer hat, oder ob man sportlich nach den höchst möglichen Zielen strebt“, sagt Buteweg. Er hat sich für die zweite Variante entschieden.