Eine Regatta im Wandel

Kraft pur: Um das 250 Kilogramm schwere Boot zu beschleunigen, müssen sich die Paddler voll reinhängen.
Kraft pur: Um das 250 Kilogramm schwere Boot zu beschleunigen, müssen sich die Paddler voll reinhängen.
Foto: FUNKE Foto Services
Was wir bereits wissen
Voerde. Aufgebot bei der 16. Drachenbootregatta schrumpfte auf zwanzig Teams. Die Thunder Dragons fuhren auf dem Wesel-Datteln-Kanal locker zum Sieg.

Vom Start weg schoss das Drachenboot der Thunder Dragons auf dem Wesel-Datteln-Kanal unaufhaltsam dem Ziel entgegen und erreichte es in der Klasse Fun Sport wenig überraschend als Erstes. Das Team aus dem Umfeld Voerde, Wesel, Duisburg kam nicht nur deswegen mit drei Sekunden Vorsprung auf der 250-Meter-Strecke vor den Aussenbordern und den Flürener Schwalben ins Ziel, weil es den besten Rhythmus hat, zu einer Maschine auf dem Wasser verschmilzt, sondern auch, weil die Konkurrenz ausblieb. Die Schleusen-abhängige Zeitmessung sorgte bei einigen Teams, darunter die Vruchtzwerge und Titanix, für Ärger, so dass das Kräftemessen bei der 16. Auflage eher harmlos ausfiel. Zwar hatten die meisten Zuschauer der Regatta den neuen Termin am Pfingstsonntag auf dem Schirm, aber die Zahl der Boote brach in diesem Jahr auf 20 ein. „Klein und fein“, beschrieb daher Herbert Ickert, Vorsitzender des KC Friedrichsfeld, das Wassersport-Fest.

Thunder Dragons-Kapitän Dirk Breburda fand das kleine Teilnehmerfeld schade, die Abkehr von der Zeitmessung hin zu einer Punktevergabe aber fair: „Je nachdem ob die Schleuse auf oder zu ist, verlierst du sechs, sieben Sekunden.“ Das kann entscheidend sein für das Finale und für die Bahn. Am Nordufer ist das Wasser tiefer, die Bahn gilt als schneller. „Jedes Jahr hat es deswegen Ärger gegeben“, erklärte KC-Pressewart Volker Kaminski die Neuregelung. „Nichts ist beständiger als der Wandel.“ An dem Punktesystem, das nicht zum ersten Mal angewandt wurde, wolle man in Zukunft festhalten, versicherte Ickert: „Wir werden das beibehalten.“

Die Umstellung ist jedoch nicht die eigentliche Ursache des geschrumpften Team-Aufgebots. Zum einen werden Drachenbootregatten mittlerweile vielerorts angeboten, zum anderen fällt es schwerer, eine Crew aus 18 Mitgliedern zusammenzustellen, wenn man nicht gerade im Fußballverein spielt.

Die Thunder Dragons feierten lautstark ihren Sieg auf ihrem Trainingsgewässer. 2009 fing es locker an, aber in den Folgejahren stieg der Ehrgeiz. Seit einiger Zeit wird zweimal wöchentlich trainiert, fünf Wettkämpfe im Jahr angesteuert. Neben der Zusammenarbeit und einer geklärten Hierarchie sei das eigentlich Ausschlaggebende etwas ganz anderes. „Wir haben starke Frauen im Team, die richtig mitziehen und ehrgeizig sind. Sonst hast du keine Chance“, so Dirk Breburda.

Die richtige Mischung hatten auch die Grizzly Bears, die im Open Finale nach nur 58 Sekunden ins Ziel kamen, gefolgt von den Big Kings, die sich anschließend unter der Brücke das Siegesgebrüll der Bären anhören durften. Im Finale der Frauen gab es eine glorreiche Wiedergutmachung: Im Vorjahr verloren die Pröbsting Ladies mit nur zwei Zehntel Rückstand, unter strahlendem Sonnenschein räumten die Damen endlich den Pokal ab.

Im großen Finale der Fun-Klasse gab ein Huhn den richtigen Takt an. Die Trommlerin mit Tiermütze auf dem Kopf passierte an der Spitze der Homeraner Wellenbrecher vor den Fyling Dragons und den Hackstädtern das Ziel.

Fast genauso laut zelebrierte der Nachwuchs des KCF seinen Sieg in der Jugendklasse. Die acht bis 16 Jahre jungen Sportlerinnen und Sportler des Gastgebers ließen den grün-gelben Handball-Engeln und den JRK Dragons keine Chance. Dabei hatte Trainer Werner Emde vorab Bedenken: „Am Samstag haben wir mit dem Drachenboot trainiert und ich dachte: Oh Gott, wir kriegen einen drüber.“ Der Friedrichsfelder Oldie, der seit 45 Jahren dabei ist und nach einer kurzen Pause wieder als Trainer aktiv wurde, irrte sich gewaltig. Obwohl die Mannschaft auf zwei Kräfte verzichten musste, sahnte die KCF-Jugend erneut ab. „Für die Kids ist das ein richtiges Event“, freute sich der Übungsleiter.