Der Verteidiger, der aus dem Angriff kam

Maik Goralski (M.) kam von der U 23 des MSV Duisburg zum TV Jahn Hiesfeld.
Maik Goralski (M.) kam von der U 23 des MSV Duisburg zum TV Jahn Hiesfeld.
Foto: Funke Foto Services
Was wir bereits wissen
Der neue Innenverteidiger Maik Goralski (23) soll die Defensive des Fußball-Oberligisten TV Jahn Hiesfeld stabilisieren.

Dinslaken..  Wer bei der Analyse der Saison 2014/15 beim Fußball-Oberligisten TV Jahn Hiesfeld nach Fehlern im System suchte, blieb schnell bei Zahlen hängen. 60 erzielte Tore sind in 34 Partien eine passable Quote, lediglich sieben Teams jubelten öfter. Doch 58 Gegentreffer – im Durchschnitt 1,7 pro Spiel – vermiesten den „Veilchen“ die Bilanz. In der Defensive war das Team nicht gut genug aufgestellt, vor allem der langzeitige verletzungsbedingte Ausfall des Kapitäns Kevin Corvers konnte nie wirklich kompensiert werden. Der Handlungsbedarf war offensichtlich, für Abhilfe soll unter anderem einer sorgen, der im Vorjahr noch bei einem Hiesfelder Rivalen in der Oberliga kickte: Maik Goralski kam von der U 23 des MSV Duisburg, um mehr Stabilität zu schaffen.

Rein optisch ist der Mann schon eine Marke. 1,95 Meter groß, bis auf Millimeter kurz geschorene Haare auf dem Kopf, Vollbart. Auf dem Platz wirkt der Innenverteidiger nicht nur körperlich respekteinflößend, die „Zebras“ führte er in der vergangenen Spielzeit auch als Kapitän aufs Feld. Die Rolle nahm er gerne an, „von hinten habe ich eine Führungsposition und kann das Spiel lenken, anders als im Angriff, wo man auf die Bälle warten muss, die da kommen“.

Goralski weiß, wovon er spricht. Anders als viele Abwehrkollegen kennt er sich auch auf der anderen Seite des Spielfelds bestens aus: In der Jugend ging der kleine Maik als Stürmer auf Torejagd, zunächst bei Hamborn 07, ab der D-Jugend beim MSV. „Da lief’s auch ganz gut“, blickt er zurück. Der Wechsel von den „Löwen“ zum städtischen Erzrivalen war der besseren Perspektive geschuldet, während der zehn Jahre in Meiderich entwickelte der heute 23-Jährige sich sportlich wie charakterlich weiter. Als B-Jugendlicher durfte er sogar einmal für die deutsche U 17-Nationalmannschaft auflaufen, am 11. Februar 2009 wechselte Trainer Marco Pezzaiuoli ihn beim 5:0-Sieg gegen Luxemburg in Alzenau nach 60 Minuten ein. Gemeinsam in einem Team mit späteren Profis wie Bernd Leno, Marvin Plattenhardt, Shkodran Mustafi und Mario Götze – ein Erlebnis, das ihm keiner mehr nehmen kann.

Viele Verletzungen

Trotzdem: Neben schönen Jahren mit Erfolgen und Meisterschaften gab’s auch schwierige mit vielen Verletzungen, vor allem in der Wachstumsphase. Goralski erlitt Bänderrisse, brach sich das Handgelenk, die Nase, die Rippen. Und irgendwann fiel er als Stürmer leistungsmäßig in ein Loch. Da traf es sich gut, dass in seiner Mannschaft gerade in der Innenverteidigung Aushilfe gesucht wurde, der Trainer die Idee hatte, den Langen aus der Offensive nach hinten zu beordern. „Da hab’ ich mich wohl gefühlt, wurde selbstbewusster“, sagt Goralski. In der zweiten Mannschaft des MSV nahm Manfred Wölpper den „Jungspund“ unter seine Fittiche, der in 65 Oberliga-Spielen immerhin auf sechs Tore und eine Vorlage kam.

Vertrag in Duisburg aufgelöst

Auch für die kommende Saison hatte der Käpt’n in Duisburg noch einen Vertrag, dennoch zog es ihn weg. Zeitlich wurde ihm der Aufwand zu groß; Goralski studiert im fünften Semester angewandte Materialwissenschaften in Bochum und bekam ein Stipendium bei Thyssen, wo er nach seinem Abschluss in der Abteilung Forschung und Entwicklung beschäftigt wird. Sportlich lagen ihm Angebote anderer Vereine vor, der MSV überlegte zugleich, die U 23-Mannschaft aufzulösen – dann wären sämtliche Kontrakte mit den Spielern hinfällig geworden. Das Ende ist bekannt: Der Verein behielt sein Team, die Entscheidung Goralskis zum Wechsel stand jedoch. Vom Hiesfelder Interesse an einer Verpflichtung wusste er und rief kurzerhand bei den Verantwortlichen an. „Die waren erst überrascht, weil ich ja noch in Duisburg unter Vertrag stand“, schmunzelt der Verteidiger, „aber den habe ich aufgelöst und die Sache war schnell in trockenen Tüchern“.

In die Mannschaft reinzufinden stellte sich seit dem Trainingsbeginn am 1. Juli als kein großes Hindernis dar. Mit den ehemaligen Mitspielern Sebastian Wickl, Kevin Hillebrand und Ekin Yolasan ist der Abwehr-Riese befreundet, „und ich bin hier herzlich aufgenommen worden“. Als Rückschritt sieht er den Weggang vom MSV keineswegs, „der Weg nach oben war für mich ohnehin nicht mehr realistisch“. Von seinem Wohnort Röttgersbach nach Hiesfeld braucht er mit dem Auto sieben Minuten, die schnelle Integration im neuen Team stimmt ihn optimistisch: „Die Mannschaft hat sehr viel Potenzial. Und wenn wir es anders als im vergangenen Jahr schaffen, gegen die niedriger angesiedelten Gegner unsere Punkte zu holen, ist ein Platz unter den ersten Fünf möglich.“