Der Konstante im Mittelfeld

Oliver Rademacher (vorne, rechts) ging beim Aufwärmprogramm voran.
Oliver Rademacher (vorne, rechts) ging beim Aufwärmprogramm voran.
Foto: Dombrowski
Was wir bereits wissen
Dinslaken/Lara. Oliver Rademacher gehört beim Oberligisten TV Jahn zu den erfahrensten Kickern.

Am Montagvormittag hörten beim Fußball-Oberligisten TV Jahn Hiesfeld alle auf Oliver Rademacher. Der Mittelfeldspieler gab bei der ersten Einheit des Trainingslagers im türkischen Lara die Kommandos für die Aufwärmübungen auf dem Platz der Mehmet Aygün Football Academy. Rademacher gehört zu den erfahrensten Kickern im Kader, er spielt seit Juli 2009 für die „Veilchen“, trug in insgesamt 180 Meisterschaftspartien der Niederrheinliga und Oberliga das lila Trikot – gemessen daran ist der 28-Jährige so etwas wie der Konstante im Hiesfelder Mittelfeld.

In einer Mannschaft, deren Leistungen im vergangenen Halbjahr am treffendsten mit „schwankend“ zu bezeichnen waren, hielt Rademacher sein Level im defensiven Mittelfeld größtenteils auf hohem Niveau. Die Spielweise: nicht spektakulär, oft unauffällig, aber auffallend wichtig. Trainer Jörg Vollack schätzt die Qualitäten seines „Sechsers“, lobt die Kopfball- und Zweikampfstärke, Ruhe und Übersicht. Als der Dauerbrenner jüngst im Testspiel bei der Hammer Spvg eine schöpferische Pause erhielt und in der ersten Halbzeit auf der Reservebank blieb, machte Vollack seinem Schützling in der Analyse hinterher das größte Kompliment: „Als er nicht dabei war, merkte man, dass die ordnende Hand fehlt.“

Dabei ist das Verhältnis zwischen dem Übungsleiter und dem Spieler durchaus nicht unkompliziert. Im Sommer 2013 trat Vollack als Trainer beim TV Jahn an, eine seiner ersten Amtshandlungen war die Kür des Mannschaftskapitäns. Er bestimmte Kevin Corvers zum Spielführer - und nicht Oliver Rademacher, der zuvor in der Verantwortung stand und sich Hoffnungen gemacht hatte, die Armbinde auch weiter zu tragen. „Ich war total enttäuscht“, sagt „Rade“ heute, wusste aber, dass Protest zwecklos und wenig hilfreich für seine Zukunft gewesen wäre: „Ich hab’ die Klappe gehalten und im Training Gas gegeben.“

Seinen angestammten Posten in der Innenverteidigung musste er abgeben, dafür empfahl er sich als Abräumer vor der Abwehrreihe. So nachdrücklich, dass der Trainer anerkennend feststellte: „An Oliver Rademacher komme ich bei der Aufstellung nicht vorbei.“ Der weiß um die Vorteile seiner neuen Aufgabe: „Meine Position war schon immer in der Innenverteidigung, aber als Sechser spiele ich mittlerweile am liebsten. Man kann das Spiel auch mal an sich reißen, nach vorne treiben, das geht als Innenverteidiger so nicht, da ist man mehr gebunden. Dass ich dabei nicht der Schnellste bin, weiß ich. Aber das war schon immer so.“

In der persönlichen Bewertung sieht er für sich mit Blick auf den bisherigen Saisonverlauf immer noch Luft nach oben. Die 3:4-Niederlage beim Aufsteiger Nievenheim kreidet er entscheidend sich mit an („Da war ich unterirdisch“), gegen Ende des Jahres gingen nach zahlreichen Einsätzen über die volle Distanz langsam die Kräfte aus. Im Trainingslager ergibt sich die Gelegenheit, neue Kraft zu tanken und in der Rückrunde einen Platz unter den ersten Fünf der Oberliga anzupeilen. „Wir haben eine spielerisch starke Mannschaft“, findet Rademacher, „Kick and Rush zu spielen liegt uns nicht“. 28 Gegentore bisher sind auch ein Grund für den bisher mäßigen achten Platz, „das müssen wir besser machen“. Seinen Beitrag will er dazu leisten. Ob das auch über die Saison hinaus gilt, ist noch offen: Zum 30. Juni läuft der Vertrag des 28-Jährigen in Hiesfeld aus.