Der Bart ist noch nicht ab

Was wir bereits wissen
Dinslaken/Lara. Druck? Trainer Jörg Vollack geht mit seiner Rolle beim Fußball-Oberligisten TV Jahn Hiesfeld entspannt um. Positive Bilanz nach der Woche in der Türkei.

Wenn es einen treffenden Begriff für Jörg Vollacks Auftreten während der vergangenen Woche gibt, dann diesen: tiefenentspannt. Während des Trainingslagers in der Türkei posierte der Trainer des Fußball-Oberligisten TV Jahn Hiesfeld symbolträchtig für ein Foto auf einem Steg vor stürmischer See, ließ sich beim Hotelfriseur bei eingeschäumtem Gesicht von Manager Harald Plank das Messer an den Hals halten und bat die Presse dazu: „Dann habt ihr mal ein vernünftiges Bild, wenn ich in Hiesfeld abrasiert werde.“ Der Mann hat Humor, knapp eine Woche vor dem Start in eine Rückrunde mit hohen Erwartungen.

Im Fußball ist oft die Rede von Druck. Druck auf die Kicker auf dem Platz, Druck auf die Trainer. Jörg Vollack geht damit beinahe spielerisch um. Von Stefan Janßen über Christian Schreier bis Christoph Schlebach - keiner seiner letzten drei Vorgänger blieb volle zwei Jahre bei den „Veilchen“ in der Verantwortung. Janßen ging freiwillig vor Ablauf der Spielzeit 2009/10, die Zusammenarbeit mit Schreier wurde nach einer Saison nicht verlängert, Schlebach musste sich nach etwas mehr als eineinhalb Jahren vorzeitig verabschieden, weil das Team den Klassenerhalt zu verpassen drohte. Vollack führt die Mannschaft seit Juli 2013, die Chancen auf eine Fortsetzung seines im Sommer auslaufenden Vertrags stehen momentan gut, obwohl der achte Platz zur Winterpause alles andere als die Wunschvorstellung ist: Manager Harald Plank hält sportlich und menschlich viel von dem 49-Jährigen.

Glücklich mit Frau und Tochter

Der Übungsleiter nimmt das alles zur Kenntnis, wohl wissend, dass er grundsätzlich in einer merkwürdigen Rolle steckt: Trainer und Vereine gehen regelmäßig Beziehungen ein, die in den allermeisten Fällen irgendwann - nämlich bei anhaltender Erfolglosigkeit - zwangsläufig zum Scheitern verurteilt sind, oft stehen am Ende schmutzige Trennungen. Es gibt Typen, die solche Situationen nur schwer verwinden.

Es gibt aber auch Trainer wie Vollack. „Wenn ein Verantwortlicher zu dem Schluss kommt, er müsste etwas auf der Position ändern, dann hat er sich doch Gedanken gemacht“, findet der. „Im Profibereich, wo der Trainer nur von seinem Job lebt, ist das eine ganz andere Situation als bei den Amateuren. Ich habe meine Arbeit, verdiene nicht schlecht, habe ein Dach über dem Kopf, bin glücklich mit meiner Frau und meiner Tochter. Und ich weiß, dass das Geschäft eben so ist wie es ist.“ Auch wenn er an anderen Stationen seiner Laufbahn seine Vertragslaufzeit nicht immer erfüllen durfte, „bisher kann ich überall den Leuten hinterher noch in die Augen sehen“. Und nebenbei: die Aufwandsentschädigung wird schließlich gezahlt, so lange der Kontrakt gilt.

In Lara gab es noch keine offiziellen Gespräche über die Zukunft. Kurzfristig mit entscheidend über Zeitpunkt und Vollzug wird sicher der Start in die Rückrunde, die Entwicklung der Mannschaft. Der ehemalige Stürmer auf der Trainerbank sieht nach den Übungen am Mittelmeer positive Ansätze: „Die Mannschaft hat gut mitgezogen, sowohl auf dem Platz als auch in der Außendarstellung.“ Über die Stränge schlug niemand, sportlich ging es um die spielerische und taktische Einstellung auf die restlichen Partien in der Oberliga-Meisterschaft, wo mindestens Platz fünf angestrebt wird.

Die beiden Tests gegen die U23-Mannschaften des SC Freiburg und von Rubin Kazan lieferten dafür eine gute Grundlage. Das 1:0 gegen das russische Team zum Abschluss schätzt Vollack als „das beste Spiel der Vorbereitung“ ein: „Freiburg war spielerisch stärker, gegen Kazan ging es körperlich mehr zur Sache. Das hat die Mannschaft gut gemacht, war kompakt in der Defensive wie nach vorne. Vielleicht kann so eine Partie auch mal ein Signal sein, wie es geht, von der Ordnung und dem taktischen Verhalten her.“

Möglich, dass die Startelf aus diesem letzten Test auch am nächsten Sonntag zum Anpfiff auf dem Platz steht. Vollack hält sich in der Frage bedeckt, will die Spannung bis zum Wochenende aufrecht erhalten. In Lara lotete er die Stimmung in der Mannschaft aus, reagierte auf Schwankungen, setzte sich mit Spielern auch in privaten Gesprächen zum Meinungsaustausch zusammen, wie sie ihre Rolle im Team und im Verhältnis mit den Trainern einschätzen. „Was nützt es mir, wenn ich jetzt schon festlege wer spielt und dann ab Dienstag frustrierte Leute im Training habe?“ Ein wenig Druck muss ja erhalten bleiben. Egal wie entspannt man damit umgeht.