Das Selbstbewusstsein fehlt

Hiesfelds Coach Matthias Waclawczyk musste zuletzt mehr grübeln, als ihm lieb war,
Hiesfelds Coach Matthias Waclawczyk musste zuletzt mehr grübeln, als ihm lieb war,
Foto: WAZ FotoPool
Was wir bereits wissen
Dinslaken. Nach der jüngsten Niederlagenserie sind die jungen Oberliga-Handballer des TV Jahn Hiesfeld verunsichert. Hinzu kommt die Unruhe in Personalfragen.

Bodenhaftung und Realitätssinn verloren sie nie, die Handballer des TV Jahn und ihr Umfeld. Aber groß war sie schon die Euphorie in Hiesfeld, als das Oberliga-Team des Vereins mit vier Siegen in die Saison startete und dann auch noch den hoch gehandelten Bergischen Panthern ein Unentschieden abtrotzte. Auf einem richtig guten Weg sahen die „Veilchen“ ihre junge und unzweifelhaft auch talentierte Mannschaft. Doch die Erfolgsspur hat die Mannschaft von Matthias Waclawczyk mittlerweile längst verlassen. Selbst der Klassenerhalt muss momentan wieder in Frage gestellt werden. Der Versuch einer Analyse.

Acht der letzten neun Partien hat der TV Jahn verloren. Nur gegen den Nachbarn MTV Rheinwacht gelang ein eindrucksvoller Sieg. Der Verdacht liegt nahe, dass die Motivation im Derby eben besonders hoch war, im Umkehrschluss die letzte Bereitschaft gegen Kontrahenten wie Vorst oder Haan fehlte. Coach Waclawczyk würde das nicht so unterschreiben. Bei der klaren Schlappe in Haan am letzten Samstag lobte der Jahn-Trainer den Einsatz seines Teams explizit, auch bei vorangegangenen Partien sprach er seinen Schützlingen den Willen nicht ab.

Groß schmerzlich vermisst

Sehr wahrscheinlich liegt der Übungsleiter damit richtig, denn sein Oberligist hat offensichtlich ganz andere Probleme. Da wären zuallererst die Verletzungssorgen, die Hiesfeld auch in dieser Saison wieder ziemlich erwischten. Waclawczyk hat mit einem recht kleinen Kader geplant, da macht sich jeder Ausfall bemerkbar. Und mit Arthur Groß, der sich in Lobberich die Achillessehne riss, fehlt nicht nur einer der wenigen erfahrenen Akteure, sondern auch einer der besten Linksaußen der Liga, den bisher keiner der jungen Nachwuchsspieler auf dieser Position ansatzweise ersetzen konnte.

Zu ersetzen ist auf Dauer sicherlich auch Kevin Kirchner nicht, den die Hiesfelder vor anderthalb Wochen aus dem Kader warfen. Der Halblinke hatte von allen Rückraumakteuren die meisten Oberliga-Partien auf dem Buckel und riss das Heft des Handelns häufig an sich, wenn sonst nicht mehr viel lief.

Dass die verbliebenen jungen Spieler Selbstbewusstsein benötigen, um gute Leistungen zu bringen, liegt auf der Hand, doch damit ist es natürlich nach den Ergebnissen der letzten Wochen nicht mehr weit her.

An Selbstbewusstsein mag es zurzeit mangeln, an Unruhe aber kaum. Der baldige Abschied von Niklas Weghaus, der im Sommer zu den OSC Löwen nach Duisburg geht, ist abgehakt und muss kein großes Thema mehr sein, doch viele weitere Spieler werden immer wieder mit anderen Vereinen in Verbindung gebracht. Wie der Hiesfelder Kader in der kommenden Saison aussieht, scheint noch völlig ungewiss.

Mit dem Abstieg verabschieden will sich aber sicher niemand, und das Potenzial für einen sicheren Mittelfeldplatz haben die „Veilchen“ auch ohne Groß und Kirchner auf jeden Fall. Was Jahn nun braucht, ist ein Erfolgserlebnis. Und das ganz schnell.