Das Negative überwiegt

Trainer Jörg Vollack
Trainer Jörg Vollack
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Was wir bereits wissen
Mit dem Saisonverlauf in der Fußball-Oberliga sind die Verantwortlichen des TV Jahn Hiesfeld trotz des siebten Platzes nicht zufrieden.

Dinslaken..  Vor ein paar Tagen ist Jörg Vollack abgehoben. Rein ins Flugzeug, ab auf eine griechische Insel, Urlaub machen. Erst mal abschalten. Der Trainer nimmt sich die Zeit, er hat eine anstrengende Saison in der Fußball-Oberliga hinter sich. Eine, mit der beim TV Jahn Hiesfeld am Ende niemand so recht zufrieden sein konnte. Trotz Rang sieben in der Tabelle, eigentlich einer passablen Platzierung. Doch zu schwankende Leistungen, zu viele Enttäuschungen und zu heftige Rückschläge zogen die Bilanz ins Negative. Die NRZ blickt mit der Serie „Schlusspfiff“ noch einmal auf die Spielzeit von der Oberliga bis zur Kreisliga zurück – eine Spielzeit, von der Jahn-Manager Harald Plank sagt: „Für uns war das eine gebrauchte Saison.“

Sie waren mit großen Hoffnungen gestartet. Im Sommer 2014 blühte bei den „Veilchen“ der Optimismus. Sie hatten gerade das erfolgreichste Jahr der Vereinsgeschichte hinter sich mit Platz vier in der Oberliga und dem Niederrheinpokal-Finale vor 24 000 Zuschauern im Duisburger Stadion als Höhepunkt. Der Einzug in das Endspiel gegen den MSV spülte eine sechsstellige Summe in die Kasse; Geld, das zum Teil auch in die sportliche Weiterentwicklung des Kaders fließen sollte. Der Effekt blieb übersichtlich, die Gründe dafür sind vielfältig.

Die Ausfälle: „Die Anzahl der schweren Verletzungen nervt“, resümiert Harald Plank. Yannic Melis etwa stieg nach einer langwierigen Schambeinentzündung erst im Herbst ins Spielgeschehen ein, Kevin Menke brach sich in der Rückrunde den Arm. Lange Pausen musste auch Damiano Schirru einlegen, der sich im letzten Saisonspiel auch noch einen Bänderriss im Sprunggelenk einfing. Und Thomas Pütters? Der Stürmer kam auf eine Einwechslung während der gesamten Meisterschaftssaison, selbst das Trainingslager im Februar in der Türkei machte er größtenteils nur als Tourist mit. Am nachhaltigsten fiel jedoch das Fehlen des Kapitäns ins Gewicht: Kevin Corvers verpasste verletzungsbedingt den Großteil der Saison und brachte es gerade mal auf 15 Einsätze in 34 Meisterschaftsspielen. Auf den Ausfall in der Innenverteidigung war die Mannschaft nur unzureichend vorbereitet, Trainer Vollack probierte es gezwungenermaßen immer wieder mit neuen Abwehrformationen. Unsicherheiten blieben ständige Begleiter der Defensive, 58 Gegentore sind ein zählbarer Beweis dafür. Zum Vergleich: Im Jahr zuvor ließen die Hiesfelder in 38 Partien nur 43 Treffer zu. Da half es auch nicht, dass die Offensivabteilung 60 mal zum Jubeln Anlass gab und damit nahezu die Quote des Vorjahrs erfüllte (69 Tore in 38 Spielen). „Unser Ziel“, sagt Plank, „haben wir nicht erreicht“.

Die Neuen: Wenn es in dieser recht verkorksten Saison Gewinner gab, gehört Verteidiger Dennis Wichert dazu. Der 21-Jährige kam aus der zweiten Mannschaft von Rot-Weiß Oberhausen und eroberte sich gleich auf der linken Abwehrseite einen Stammplatz mit 29 Einsätzen. Torwart Sebastian Wickl, von der U 23 des MSV Duisburg nach Hiesfeld gewechselt, hatte mit 23 Spielen fast doppelt soviel Spielzeit Kevin Hillebrand, der zwölfmal zwischen den Pfosten stand. Yannic Melis bekam einen festen Platz als „Sechser“, musste zum Schluss sogar – wie zwischendurch auch Damiano Schirru – in der Innenverteidigung aushelfen.

Rami blieb hinter den Erwartungen

Der einzige „Neue“, der weit hinter den Erwartungen blieb, ist Soufian Rami: Als Spielmacher geholt, enttäuschte der ehemalige Regionalliga-Akteur sowohl im zentralen Mittelfeld als auch auf dem linken Flügel. Anfangs nahm Trainer Vollack seinen Schützling noch in Schutz, den Großteil der Rückrunde verbrachte Rami aber nur noch als Bankdrücker. „99 von 100 Leuten haben uns vor einem Jahr bescheinigt, dass wir einen super Spieler bekommen“, rätselt der Coach über den Leistungsabfall seines vermeintlichen Königstransfers; „er ist bis heute nicht angekommen“, urteilt Harald Plank. Die umgekehrte Entwicklung vollzog dagegen Kevin Menke: Nach einer holprigen Eingewöhnungsphase machte sich der Angreifer nahezu unverzichtbar, bis ihn ein Sturz auf den Arm im Frühjahr für den Rest der Saison stoppte.

Die Nebengeräusche: Nicht nur auf dem Platz lief es alles andere als rund. „Wir haben zehn Punkte gegen Mannschaften aus der Abstiegszone liegen gelassen“, rechnet Plank vor. Allein der VdS Nievenheim gewann beide Duelle mit Hiesfeld, obwohl der biedere Aufsteiger spielerisch alles andere als oberligatauglich auftrat. Eine Frage der Einstellung, davon sind Trainer wie Manager überzeugt. Beide wurden auch von mannschaftsinternen Strömungen überrascht, die sich im Laufe der Spielzeit immer mehr aufschaukelten.

Disziplinarische Ausreißer

Nicht zuletzt taten diverse disziplinarische Ausreißer ihr Übriges. Pascal Spors und Fabian Gombarek strapazierten die Geduld ihres Übungsleiters über Gebühr und bekamen die Quittung ausgestellt: Beide müssen sich trotz laufenden Vertrags nach neuen Vereinen umsehen, Vollack plant nicht mehr mit ihnen. „Die beiden haben wie Dennis Hecht auch nicht zur Leistungsförderung beigetragen“, attestiert Plank den Geschassten. Hecht, der sich in der Winterpause nach privaten Eskapaden monatelang krank meldete, gegen Ende aber wieder einstieg und insgesamt noch auf 25 Einsätze kam, schleppt wegen seiner speziellen Art eine Hypothek mit ins nächste Jahr und steht praktisch auf Bewährung weiter im Kader.

Das Fazit: An all das, was war, macht Jörg Vollack vorerst einen Haken. Auf Kos tankt er derzeit seinen Akku auf, der Blick geht nach vorn: „Auf die nächste Saison freue ich mich“, sagt der 49-Jährige, der seit zwei Jahren die Verantwortung trägt und damit dienstältester Jahn-Trainer in der Oberliga ist. Einer seiner Wünsche für die Arbeit mit dem Team ab dem Trainingsstart 1. Juli ist der gleiche wie im Urlaub: „Mehr Ruhe als in der letzten Saison.“