„Das muss nicht einfach nur Peng machen“

Wolfgang Regorz lebt den Schießsport.
Wolfgang Regorz lebt den Schießsport.
Foto: Heiko Kempken / FUNKE Foto Servi
Was wir bereits wissen
Dinslaken. Durch Unfälle geriet der Schießsport in Verruf. Dabei geht es auch in dieser Disziplin darum, Fähigkeiten zufördern. BSV-Schütze Wolfgang Regorz ist deshalb seit 43 Jahren dabei.

Irgendwo in Deutschland läuft jemand Amok. Ein Blick in die Zeitung, ein Schütze spielt darin eine Rolle. Im Vereinsheim des BSV Hiesfeld herrscht Trauer und Wut zugleich. Trauer über die menschliche Tragödie. Wut, weil diese Ausbrüche dem Schützensport im Allgemeinen schaden. Seit dem die Unfälle und Gewalttaten zunahmen, verschärften sich nicht nur die Regularien, sondern auch die Vorurteile. Schützen sind Waffennarren, sind schießwütig. „Das muss nicht einfach nur Peng machen. Man muss 40-mal dasselbe Ziel treffen“, sagt Wolfgang Regorz. Der 58 Jahre alte Dinslakener ist seit 43 Jahren dabei. Dass die Mitgliederzahlen in diesem traditionsreichen Sport zurückgehen, kann er nicht nachvollziehen. Schließlich werden wie in jeder anderen Disziplin auch bestimmte Fähigkeiten geschult.

An Wettkampftagen halten sich nur wenige Zuschauer in der Nähe des Schießstandes auf. Dabei kämpfen die BSV-Schützen in der zweithöchsten Liga Deutschlands. In der Landesoberliga sind Profis am Werk, manchmal entscheidet ein Fehlschuss über Sieg und Niederlage. Jeweils fünf Schützen einer Mannschaft kämpfen um die Punkte. Hochkonzentriert, still, vertieft in ihre Arbeit. „Es ist der Reiz, jeden Schuss in die Mitte reinzukriegen“, erklärt Regorz. Häufig folgt darauf die Frage, ob das nicht langweilig sei. Eine Frage, die Regorz nur verneinen kann. Jeder Schuss ist anders. „Der Bewegungsablauf muss voll automatisiert sein. Aber der Vergleich mit den anderen ist immer anders.“ Es ist die unendliche Suche nach Perfektion. Und die dauert lange. Sehr lange. „Der Erfolg stellt sich nicht von heute auf morgen ein. Das dauert mindestens ein Jahr.“ Das beste Schützenalter liege zwischen 25 und 40 Jahren, aber auch darüber hinaus können Schützen zu Meistern werden, denn der Schießsport ist beinahe alterslos.

Schulung der Konzentration

Vom Gesetz her dürfen Heranwachsende ab zwölf Jahren mit dem Schießsport anfangen. Im Vergleich zu anderen Sportarten ist das Eintrittsalter eher hoch. Meist haben die Jugendlichen dann schon eine andere Disziplin auserkoren. Fußball höchstwahrscheinlich. Bleiben noch Anwärter übrig, fragen sich die Eltern, was dieser jahrhundertealte Sport ihren Kindern bringen soll. Regorz entgegnet dann, dass es eine Wechselwirkung sei. Diejenigen, die schon über ein Maß an Konzentration verfügen, können noch besser werden. Andere können lernen, über einen längeren Zeitraum konzentriert zu bleiben. In der Disziplin Dreistellungskampf liegend – stehend – kniend dauert ein Wettbewerb dreieinhalb Stunden.

Wolfgang Regorz kam ganz ohne elterliche Vorprägung zum Schießsport. Den damals 15-Jährigen nahmen Arbeitskollegen mit auf den Schießstand. Regorz packte die Faszination – und die ließ ihn nicht mehr los. Für Mannschaftsführer Jürgen Wölk ist Regorz „einer, der den Schießsport lebt.“ 16 Jahre war der Dinslakener Sportleiter, seit 14 Jahren ist er auch Liga-Leiter.

Regorz erlebte mit, wie sich die Dinge durch die verschiedenen Vorfälle veränderten. „Der Sport ist in Verruf geraten.“ Und der wird auch nicht besser, solange sich die tragischen Ereignisse mehren. Auch Unfälle geraten immer wieder in die Schlagzeilen. In Deutschland wuchsen deshalb rapide die Sicherheitsvorkehrungen bei Wettbewerben. Zu recht, wie Regorz findet: „Wir sind alle nur Menschen.“ Die Schützen sogleich mit einer potenziellen Gefahr gleichzusetzen sei aber nicht richtig. „Unsere Waffen sind alle registriert. Wir sind sozusagen unter Kontrolle. Verbrechen werden mit illegalen Waffen verübt.“ In Hiesfeld lege man großen Wert auf den richtigen Umgang mit dem Luftgewehr oder dem Kleinkaliber, um das schlechte Image abzuwürgen. „Wir bilden hier keine Killer aus.“

Um dem Rückgang im Jugendbereich entgegen zu wirken, hat der BSV Hiesfeld versucht, die Schulen zu kontaktieren. Das Begehren wurde aber strikt abgelehnt. Eine teure Laserpistolen-Anlage wurde angeschafft, damit Interessierte schon früh gewonnen werden können. In 20 bis 30 Jahren könnte ohnehin alles elektronisch ablaufen. Dann müssten sich die Schützen vielleicht ein paar weniger Vorwürfe gefallen lassen.