Abgrundtief erschöpft
16.07.2009 | 16:15 Uhr 2009-07-16T16:15:00+0200Chiemgauer 100 Kilometer waren auch für den erfahrenen Dinslakener Jens Werbonat ein riesiges Abenteuer.
Fast fünf Tage nach dem Zieleinlauf fühlt sich Jens Werbonat immer noch „abgrundtief erschöpft". Der Dinslakener ist mittlerweile ein ganz erfahrener Langstreckenläufer, scheut keine Distanz, doch so etwas wie der Chiemgauer 100 Kilometer lange Bergultralauf ist ihm noch nicht untergekommen. „Das war für mich die bisher größte Herausforderung. Dass es wirklich so hart werden würde, habe ich gar nicht erwartet", sagt Werbonat. Unter den 58 Läuferinnen und Läufern, die am Ende ins Ziel kamen, belegte der 36-Jährige den ausgezeichneten sechsten Rang. 13:09:39 Stunden benötigte er für die extreme Strecke.
Morgens um fünf Uhr gingen die Teilnehmer in Ruhpolding ins Rennen. Noch im Lauf konnten sich die Aktiven für eine kürzere Distanz entscheiden, immerhin auch noch 66 oder 80 Kilometer. „Viele haben das gemacht, weil sie sonst das Zeitlimit von 18 Stunden überschritten hätten", erzählt der Dinslakener. Über die gesamte Länge waren 4400 Höhenmeter zu überwinden. Der höchste Punkt, der Hochfellngipfel lag auf 1674 Metern bei Kilometer 81. In Deutschlang gibt es keinen vergleichbar anspruchsvollen Lauf. So waren teilweise nicht nur läuferische Fähigkeiten, sondern auch Kletterkünste gefragt. Technisch schwierige An- und Abstiege auf grobem Fels und Wurzelwerk wurden durch starken Regen zwei Tage zuvor noch erschwert, mussten auch phasenweise dicht am Abgrund gemeistert werden. „Es war wirklich ein riesiges Abenteuer und körperlich, als auch mental unheimlich fordernd. Das ist schon verblüffend, was der menschliche Körper zu leisten im Stande ist. Meine Pumpe habe ich die ganze Zeit auf 180 gemerkt", so der Architekt.
Auch landschaftlich hatte der „Chiemgauer" für Werbonat bei seiner Premiere einiges zu bieten: „Die Strecke konnte locker mit dem Swiss Alpine und seiner spektakulären Kulisse mithalten. Da wünscht man sich, den Lauf noch einmal in aller Ruhe zu absolvieren und dabei richtig zu genießen", so Werbonat. Denn getrödelt wurde beim Rennen nun wirklich nicht. Die letzten zehn Kilometer lief der Dinslakener gemeinsam mit dem amtieren Vizeweltmeister im 24-Stunden-Lauf Ralf Weis und Karlheinz Würth aus Göppingen in einem Schnitt von 4:30 Minuten pro Kilometer: „Mit meiner Zeit bin ich auch total zufrieden. Im letzten Jahr hätte die noch für Platz drei im Gesamteinlauf gereicht."
Vorbereitet hat sich Werbonat mit vielen Trainingsläufen von bis zu 60 Kilometern mit möglichst vielen Höhenmetern und gezielten Trainingsreizen durch Wettkämpfen im Hochtaunus, im Sauerland oder in der Eifel.
Bleibt die Frage nach den zukünftigen Ambitionen. Der „Ultra-Trail du Mont-Blanc" mit 166 Kilometern Länge und 9400 Höhenmetern ist zwar ein Thema, aber „ich bin immer noch Läufer und kein Bergsteiger", gibt der Dinslakener Ausdauersportler zu bedenken.
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