08/29 packte trotz Fehlstart den Pokal ein

Kein Bild aus dem Archiv: Die „Vereinigten“ wurden aufgrund der Terminierung zum zweiten Mal in diesem Jahr Voerder Stadtmeister.
Kein Bild aus dem Archiv: Die „Vereinigten“ wurden aufgrund der Terminierung zum zweiten Mal in diesem Jahr Voerder Stadtmeister.
Foto: Heiko Kempken / FUNKE Foto Servi
Was wir bereits wissen
Voerde. SV Spellen und Ausrichter TV Voerde verpassten die Chance auf die Stadtmeisterschaft. TVV-Spieler musste mit dem Krankenwagen abgeholt werden.

Als Moderator Gerhard Rademacher den erneuten Triumph der SV 08/29 Friedrichsfeld bei den Voerder Stadtmeisterschaften verkündete, gab es von den oberen Reihen Buh-Rufe. Todernst waren sie nicht gemeint, aber ein Hauch Enttäuschung schwebte schon mit. Das Publikum wollte mal ein anderes Fußball-Team mit dem Pokal in der Hand sehen. Ebenso wie Kapitän Marvin Prietzel, der mit trotziger Geste den Pokal in Richtung der Buh-Rufer präsentierte, reagierte auch Mark Lanfermann auf den Turnier-Sieg. „Wenn ihn keiner haben will, nehmen wir ihn halt.“ Der Bezirksliga-Trainer traf damit den Nagel auf den Kopf, denn in diesem Jahr hatten der SV Spellen oder Ausrichter TV Voerde die große Weihnachts-Chance, den Dauersieger zu stürzen.

Das letzte Spiel des im Modus Jeder gegen Jeden ausgetragenen Turniers war tatsächlich das Endspiel. Nachdem die „Schweizer“ den Ausrichter mit 3:0 abschossen, Glückauf mit 3:1 düpierten und auch gegen das Kreisliga-B-Team Yesilyurt 2:1 siegten, hätte dem SVS ein Unentschieden gegen 08/29 gereicht. Der Herbstmeister, der aufgrund der Terminierung in diesem Jahr bereits Voerder Stadtmeister war, trat alles andere als meisterlich auf. Dem 2:3-Fehlstart gegen den A-Ligisten TV Voerde folgte ein fast schon peinliches 4:2 über Yesilyurt. Gegen Möllen stockte 08/29 erst in den Schlussminuten den Sieg auf 7:3 auf. Waren die Hallen-Zauberer um Denis Mühleweg, Andreas Gnielka und Thomas Giesen titel-müde? „Unsere Leistung gerade in den ersten Spielen war nicht überragend“, kommentierte Lanfermann. Im Finale liefen seine Kicker gleich einem 0:2-Rückstand hinterher. Giesens Doppelpack stellte den Ausgleich her, ehe Prietzel und wieder Giesen für das 4:2 sorgten. Spellen ließ sich in Person von Sebastian Göhl nicht unterkriegen und der wendige Kicker erzielte den Anschluss. Leroy Badou holte sich daraufhin wegen Meckerns eine rote Karte ab. Göhl machte es nach Finn Müllers 5:3-Führungstor wiederholt spannend. Aber nur spannend. Der Frust nach dem 4:5 saß tief.

Rademacher jubelte hinterher, er habe „selten so ein spannendes Turnier“ gesehen mit einem Ergebnis, das noch nie so knapp war. Denn der stark aufspielende Kreisligist TV Voerde heizte den Turnier-Krimi an. Letzten Endes machte die 0:3-Schlappe gegen Spellen im zweiten Spiel die Titel-Hoffnungen zunichte, dieses Zu-Null-Spiel, das einzige des Turniers, das Ersatztrainer Patrick Frosch aber nicht so schwer im Magen lag wie die Verletzung von Marcel Warmann: „Das ist total bitter für uns.“ Warmann verdrehte sich zu Beginn der Begegnung mit Yesilyurt ohne Fremdeinwirkung das Knie, musste mit dem Krankenwagen abgeholt werden.

Warmann verletzte sich schwer

Seine Teamkameraden bezwangen daraufhin Yesilyurt und den Bezirksligisten Glückauf Möllen mit 4:1. Den Titel konnten sie ihrem verletzten Teamkollegen zum Trost nicht mehr schenken. „Gegen Spellen wollten wir zu viel, aber ich bin super stolz auf die Jungs. Vor allem auf die A-Jugendspieler, die hier eigentlich nur schnuppern sollten.“

Nichtmal annähernd stolz war hingegen Thomas Drotboom. Sein Team machte dem Glückauf-Trainer klar, dass die Festtage vorbei sind: Vorletzter vor dem punktlosen Außenseiter Yesilyurt. „Das geht gar nicht, einfach nur enttäuschend“, stöhnte Drotboom, der dazu auch noch Olcay Dikmen verlor. Der Möllener verletzte sich ebenfalls am Knie. Geknickt nahm Kapitän Mehmet Rustemi die Urkunde von Voerdes Bürgermeister Dirk Haarmann und dem Stadtsportverbandsvorsitzenden Dieter Ellerbrock entgegen. Das Preisgeld kassierten andere.

Auch die Yesilyurt-Kicker gingen mit leeren Händen nach Hause. Als krasser Außenseiter schlug sich der B-Ligist beachtlich und brachte die späteren Turnier-Finalisten Spellen und Friedrichsfeld ins Schwitzen.